Matthias Epping Mein Händler, das (un)bekannte Wesen

Szene | 18. Juni 2013
Radhändler oder Versand? Unser Blogger Matthias Epping hat eine klare Meinung dazu, wie und wo Sie die Wahl Ihres neuen Rennrades treffen sollten: "Support Your Local Dealer."
Es gab eine Zeit, da fehlte ich in meiner Heimatstadt und der näheren Umgebung bei keinem Konzert. Dort begegnete mir häufig ein prägnanter Satz. In Form von Stickern, T-Shirt Aufdrücken oder auf Rucksäcken stand da geschrieben: „Support Your Local Underground!“
Dieser Ausdruck signalisierte eine antikommerzielle und idealistische Haltung. Noch mehr stand er aber für den Zusammenhalt in der Szene. Man kaufte seine Musik und seine Shirts einfach nicht beim Saturn, sondern gefälligst auf Konzerten, bei den Bands direkt, oder im kleinen unaufgeräumten Laden in einer Seitengasse, wo ein zotteliger Typ hinter der Theke stand. Heute ist meine Haltung nicht mehr so radikal wie in meiner Jugend. Sich als streng antikommerziell zu bezeichnen, wenn man über einen Karbonfuhrpark im Wert von vielen tausend Euro verfügt und mit dieser Ausrüstung durch die Gegend fährt und fliegt, wäre wohl auch etwas heuchlerisch. Eine Seite dieses Satzes gilt aber für mich als Triathlet heute noch genauso - und zwar die des Zusammenhalts in der lokalen Szene. Dazu gehört für mich der Gang zu meinem örtlichen Radhändler oder zum Laufladen um die Ecke.
Denn: Nur beim Händler bekomme ich Beratung und die Möglichkeit, das Produkt in der Hand zu halten und zu testen.
Meine Rad- und Laufhändler sind für mich aber viel mehr. Ihre Ladenlokale sind kein bloßer Ort des Konsums (Vorsicht: Kommerz!), sondern ein sozialer Raum, in dem man alte Freunde trifft und neue Menschen kennenlernt, ganz wie damals auf den Konzerten in Jugendzentren und Bunkerkellern. Wenn man im Sommer das Radgeschäft betritt, stehen einige Herrschaften vor dem Fernseher, auf dem natürlich Eurosport läuft und sehen den Helden in Frankreich bei der Tour de France zu. Dazu gibt es kostenlosen Kaffee und manchmal auch ein, zwei Bier. Am Mittwoch und Samstag trifft sich eine gemischte Gruppe am Geschäft, um gemeinsam zu trainieren. Was dort und im Laden natürlich nie zu kurz kommt, ist das Fachsimpeln über das Pedalieren. Was kann es Schöneres geben?
Für den Einkauf im Internet spricht dagegen der Preis. Doch selbst hier wird meiner Meinung nach nicht weit genug gedacht. Es fängt damit an, dass jeder halbwegs gute Athlet oder Angehörige des örtlichen Rad-, Lauf- oder Triathlonvereins nicht selten zehn Prozent Rabatt bekommt. Viel wichtiger sind aber, besonders im Radladen, die kleinen Dinge. Im letzten Sommer begann kurz vor der Anreise zum Ironman Regensburg mein Tretlager zu knacken. Das eingepresste Lager ist aber nicht eben zu Hause mit dem Multitool aus der Trikottasche ausgebaut. Keine 24 Stunden vor Abfahrt zu meinem Rennen des Jahres war es also an meinem Radladen, Ersatz aufzutreiben und in einer schnellen Aktion nach Feierabend das alte Lager aus- und das neue einzubauen. Solche Sonderleistungen, sowie kleinere Reparaturen und Wartungen, die man nicht so leicht selbst machen kann oder möchte, sind für Stammkunden oft inklusive. Hinzu kommen kleinere Schnäppchen wie Auslaufmodelle (besonders bei Laufschuhen lohnend!), oder abgelaufene Energieriegel und schon relativiert sich das Preisargument in meinen Augen. Über die bedauerlichen Personen, die meinen, ganz besonders schlau zu sein und die Vorzüge von Internet und Großhandel mit denen des kleinen Händlers verknüpfen, indem sie Produkte im Laden testen, nur um sie anschließen auf eBay oder im Versandhandel zu bestellen, verliere ich jetzt mal lieber keine Worte.
Also hier mein Aufruf: „Support Your Local Bike-/Runshop!“
Und seid nicht gleich beleidigt, wenn ihr nicht ab dem zweiten Besuch „20 Prozent Rabatt auf alles außer Sportnahrung“ bekommt!