Nach Bockels Rauswurf: Challenge und Ironman nicht betroffen

Wegen "indiskutablen" Verhaltens ist Langdistanzprofi Dirk Bockel Ende Januar aus dem Kader des luxemburgischen Triathlonverbands FLTri geflogen. Wir haben mit unserem Sport- und Verbandsrechtsexperten Dr. Sebastian Longrée über die Konsequenzen des überraschenden Rauswurfs und den scheinbar in Mode gekommenen Wechsel des Nationaltrikots gesprochen.

Von > | 9. Februar 2015 | Aus: SZENE

Dirk Bockel - Uplace-BMC Team | Dirk Bockel - Uplace-BMC Team

Dirk Bockel - Uplace-BMC Team

Foto >Bert Stephani

Herr Longrée, was bedeutet der Ausschluss aus dem Kader für Dirk Bockels Startberechtigung bei internationalen Wettkämpfen (insbesondere der Ironman- und Challengeserie)? Ist dafür nicht ein Startpass bzw. die Lizenz eines Verbands notwendig?
Nachdem, was bisher öffentlich bekannt ist, wurde Dirk Bockel „nur“ aus dem Kader gestrichen. Seine Lizenz des luxemburgischen Triathlonverbands scheint davon unberührt zu sein. Die Meldung zu Rennen der Challenge- und Ironmanserie bleiben für ihn damit uneingeschränkt möglich. Dagegen wird ihn der Verband wohl nicht mehr für ETU-und ITU-Rennen nominieren. Das gilt sowohl für die ITU World Triathlon Series, als auch für die ETU- und ITU-Meisterschaften über die Mittel- und Langdistanz.

Kann er sich nun problemlos einem anderen Verband (z. B. der DTU) anschließen oder gelten Sperrfristen?
Hier stellen sich verschiedene Fragen. Das beginnt mit dem Thema Staatsbürgerschaft. Sofern Bockel nicht mehr deutscher Staatsbürger ist, wäre ein Start in einer deutschen Nationalmannschaft nicht möglich. Auch das Lösen einer DTU-Elitelizenz dürfte für diese Saison schwierig werden. Die Antragsfrist dafür ist abgelaufen.

Inwiefern hat der Ausschluss Einfluss auf Bockels Teilnahme am ADAMS-System? Fliegt er durch den Ausschluss möglicherweise auch aus dem Testpool der Dopingkontrolleure?
Die Lage in Luxemburg ist von hier aus nicht abschließend beurteilbar. Wenn die Zugehörigkeit zum Testpool allein an den Kaderstatus anknüpft, könnte das zutreffen. Ist die luxemburgische (Elite-)Lizenz der Anknüpfungspunkt, wird der Kaderausschluss wohl keinen Einfluss auf die Zugehörigkeit an sich haben. Möglicherweise rutscht der Athlet aber in einen anderen „Unter-Pool“. Daneben besteht gegebenenfalls noch eine Zugehörigkeit zu einem Ironman-Testpool.

Müssen ausländische Athleten eine Lizenz aus ihrem Verband vorweisen, wenn sie an einem Wettkampf nach DTU-Sportordnung teilnehmen wollen?
Bei – den im hiesigen Zusammenhang relevanten – Rennen im Anwendungsbereich der DTU-Sportordnung müssen ausländische Athleten entweder Inhaber einer Lizenz ihres Heimatverbands, in Bockels Fall also der des FLTri, oder Inhaber eines DTU-Startpasses sein.

Dr. Sebastian Longrée | In seiner Dissertation beschäftigte sich der Essener Rechtsanwalt mit dem Thema: \"Dopingsperre - Schadensersatzansprüche des Sportlers\"

In seiner Dissertation beschäftigte sich der Essener Rechtsanwalt mit dem Thema: "Dopingsperre - Schadensersatzansprüche des Sportlers"

Foto >Privat

Was halten Sie grundsätzlich vom offenbar auch im Triathlon in Mode gekommenen „Nationalitätenwechsel“?
Als Jurist: Wenn die Regelwerke das hergeben, steht es den Athleten und Verbänden frei, davon entsprechend Gebrauch zu machen. Als Sportler und Sportfan sehe ich das etwas kritischer. Einerseits leben wir in einer immer „dichter“ werdenden internationalen Gemeinschaft. Wenn sich jemand einen neuen Lebensmittelpunkt sucht und mit einem anderen Land identifiziert, warum soll man ihm einen Start für seine neue Heimat verwehren? Andererseits gefallen mir Auswüchse wie zuletzt im Handball nicht. Im Ergebnis spreche ich mich daher für eine eher restriktive Handhabung dieses Themas aus. Im Einzelfall muss so ein Wechsel aber möglich sein.