NADA will effizienter werden

Mehr Arbeit, gleiches Geld: Der Etat der Nationalen Anti Doping Agentur wird auch im Olympiajahr 2012 nicht aufgestockt. Um den wachsenden Herausforderungen gerecht zu werden, will man sich in Bonn nun „professioneller aufstellen“ – und auf den Spitzensport beschränken.

Von > | 28. Oktober 2011 | Aus: SZENE

London | London bei Regen: Der Buckingham Palace

London bei Regen: Der Buckingham Palace

Foto >Frank Wechsel / spomedis

NADA will effizienter werden

Dopingbekämpfung scheint so einfach, wenn man den Verantwortlichen der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) lauscht. Obwohl die NADA ihre Einkünfte zum Olympiajahr 2012 gegenüber diesem Jahr nicht erhöhen konnte und nach wie vor mit einem Budget von 4,5 bis 4,7 Millionen Euro kalkuliert, will die Agentur ihre Arbeit im kommenden Jahr auf ein neues Niveau heben: Man wolle Wettkampfkontrollen übernehmen, das Blutpass-Programm ausbauen, den indirekten Nachweis stärken und die Sanktionsverfahren, die die NADA bisher unter anderem für den Deutschen Leichtathletik-Verband und den Bund Deutscher Radfahrer leitet, für noch mehr Verbände in die eigene Hand nehmen, erklärten NADA-Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Hanns Michael Hölz und die Vorstandsvorsitzende Dr. Andrea Gotzmann im Rahmen eines Journalisten-Workshops in Bonn. Wie das gehen soll? Durch die Gründung einer sogenannten „Task-Force“ - ein hochtrabender Name, hinter dem sich nichts anderes verbirgt, als der gute Vorsatz, in der 30 Mitarbeiter großen Agentur künftig mehr miteinander zu reden und sich mit den wissenschaftlichen Experten der Labore in Köln und Kreischa zu beraten. Auch mit dem BKA und dem Zoll solle sich nach Möglichkeit ausgetauscht werden.

Intelligente Tests ja, intelligente Analysen nein

„Früher wurde nach dem Gießkannenverfahren getestet“, meinte Gotzmann, seit sechs Wochen Vorstandsvorsitzende. „Jetzt wollen wir uns intelligenter und professioneller aufstellen“, sagte Dr. Lars Mortsiefer, Vorstandsmitglied und Ressortleiter Recht. Die „Task-Force“ soll die verschiedenen Ressorts von Medizinern bis Juristen an einen Tisch bringen, um Verdachtsfälle gemeinsam schneller zu erkennen und Dopingtests effizienter einzusetzen – also in den Trainingsphasen, in denen die Sportler am ehesten zur Nadel greifen. Um Doper von den Olympischen Spielen 2012 auszuschließen, zeigte sich Gotzmann überzeugt, müsse man zum Beispiel genau jetzt testen. „Intelligente Tests“ lautet der Begriff, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt. Zuletzt wurden Sportarten nach ihrer Anfälligkeit für Dopingmittel eingeteilt und die Häufigkeit der Kontrollen darauf abgestimmt. Ausdauersportarten wie Triathlon stehen in der als am riskantesten eingestuften Gruppe. Künftig soll dieses Verfahren noch verfeinert, Tests sollen noch gezielter eingesetzt und Verdachtsfällen noch genauer nachgegangen werden.

Doch ganz so einfach, wie es klingt, ist das nicht. „Wir dürfen keine kriminalistischen Methoden anwenden, wir können zum Beispiel keine Häuser durchsuchen“, erklärte Mortsiefer. Eben deshalb müsse die NADA die Informationen, die sie habe, künftig besser zusammentragen. Dem ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt ist das aber noch lange nicht genug. „Intelligente Tests sind das eine“, sagte der in der abschließenden Diskussionsrunde. „Aber intelligente Analysen sind noch einmal etwas ganz anderes“, fuhr Seppelt fort und berichtete von Fällen, in denen zwar zum richtigen Zeitpunkt Proben genommen, dann aber wider besseren Wissens der Sportverbände auf die völlig falschen Wirkstoffe untersucht wurden. „Es wäre so viel mehr möglich, wenn der Wille da wäre“, sagte Seppelt. „Nur kann ich den nicht flächendeckend erkennen.“ Seppelt forderte, man müsse „die Köpfe austauschen“, dürfe ehemalige Doper, anders, als es im Radsport geschähe, nicht wieder ins System zurückholen. „Wir brauchen eine Bewusstseinsänderung“, sagte er – und fand darin Unterstützung bei Normann Stadler, der ebenfalls an der Schlussdiskussion teilnahm und dort die Spitzensportler vertrat.