Bock bloggt Null Bock auf Doping

Szene | 21. Mai 2012
Als ich einen aktuellen Bericht über die Wunderläufer aus Kenia gesehen habe, bei dem es um mögliches und angebliches Doping ging, bekam ich die Idee zu meinem neuen Blog. Ich möchte gern meine Dopingkontroll-Erfahrungen mit euch teilen und deutlich machen, warum ich null Bock auf Doping habe.
Meine erste Dopingkontrolle hat sich bei mir ins Hirn gebrannt. Es war 6:20 Uhr, ich lag im Bett und schlief, als plötzlich ein wildfremder Mann in meinem Zimmer stand, das Licht einschaltete und irgend etwas sagte. Ich verstand kein Wort, schließlich kam ich gerade aus der allertiefsten Tiefschlafphase. Ich war kurz davor in Panik zu geraten, als ich realisierte, dass da ein „irgendwer“ vor meinem Bett stand. Zum Glück hatte ich die Augen noch nicht geöffnet. Es war sicherer so zu tun, als schliefe ich noch. Vielleicht ließe er mich dann am Leben - oder sollte ich doch schnell aufspringen und den Überraschungsmoment zur Flucht nutzen? Bevor ich mir weitere Gedanken machen konnte, wie ich den bösen Einbrecher überlisten könnte, sagte dieser mit einer ziemlich freundlichen Stimme: „Herr Bock, Dopingkontrolle!“

Von dem einen auf den anderen Moment entspannte ich mich, um sofort wieder etwas nervös aufzustehen.  Nervös nicht, weil ich etwas zu befürchten hätte, sondern weil es meine erste Dopingkontrolle war: Ich empfand es als eine Art Ritterschlag. Nach diesem ersten Schockerlebnis ist mittlerweile schon einiges vorgekommen. Einmal lag ich im Al-Bundy-Style auf der Couch und wurde zu meinem Ärger vom "Gute Zeiten, schlechte Zeiten"-Schauen abgehalten. Ein andermal kam ich gerade von einer langen Rad-Laufkoppeleinheit nach Hause und war vollkommen leer geschwitzt. Ich hatte damit kein Problem, nur musste der arme Kontrolleur knappe fünf Stunden Wartezeit investieren, bis er bekam was er wollte! Die für mich anstrengendste Kontrolle war vor einigen Wochen, als ich bei meiner Freundin war und einmal quer durch die Kölner City rasen musste, um bei mir zu Hause eine Probe abzugeben. Aber meistens ist es dann doch so, dass man morgens geweckt wird. Von irgendwem, den man nicht kennt. Mittlerweile denke ich zum Glück nicht mehr, dass es sich um einen Überfall handelt! Und verpasst habe ich auch noch keine einzige Kontrolle.

Wenn man aber einmal wach ist, oder vom Training zurück, oder seine Lieblingssendung gesehen hat, ist der eigentliche Ablauf immer der gleiche. Erst werden ein paar Formulare ausgefüllt. Dann wird hier, hier und hier unterschrieben. Man bekommt gesagt, wie man mit den Fläschchen umzugehen hat und bis wohin diese „voll gemacht“ werden sollen. Dann geht man gemeinsam aufs Klo (das fand ich am Anfang schon etwas beklemmend, aber man gewöhnt sich ja an alles), wird einmal mit prüfenden Blicken gemustert und hofft anschließend, dass die Blasenfüllmenge auch der angeforderten Menge für A- und B-Probe gerecht wird und nicht zu vergessen: das auch die Dichte stimmt! So ein Prozess dauert bei mir in der Regel zwischen 35 Minuten und 6 ½ Stunden. Die 6 ½ Stunden kamen tatsächlich mal so zu Stande, dass die Dichte nicht stimmte und ich ein weiteres Mal pinkeln musste.

Das klingt jetzt vielleicht alles so, als fände ich es mühsam oder übertrieben. Aber keineswegs! Ich finde es genau richtig so und würde mir wünschen, dass es – auf welchem Weg auch immer – noch mehr Varianten geben würde, um Doping auf die Schliche zu kommen. Am besten wäre es, wenn man noch mehr Transparenz gewährleisten könnte, noch mehr Klarheit in dieses ganze Kontroll- und Strafsystem. Schaut euch mal das „Sommermärchen“ an. Es ist doch ein Ding der Unmöglichkeit, dass es dort Fußball-Nationalspieler gibt, die wie Kindergartenkinder rot anlaufen, sich schämen und dann wirklich alleine auf Toilette gehen  dürfen und die Probe unbeaufsichtigt abgeben und wenn ein Herr Kahn dann auch noch in der Öffentlichkeit anfängt zu erklären, dass er „nicht kann, wenn dabei jemand zu schaut“ fällt mir überhaupt nichts mehr ein. Das Problem ist nur, dass das dann niemanden interessiert. Die Bauernopfer werden ja im Ausdauersport gefunden! Für das Geld, das im Fußball fließt, würde ich jeden Tag drei Becher voll machen. Und wenn mir dabei halb Deutschland zuguckt.

Es sollte doch irgendwie machbar sein, diesen ständigen Generalverdacht gegen unmenschliche Ausdauerleistungen aus der Öffentlichkeit zu verbannen und wieder an Glaubwürdigkeit in allen Sportarten zu gewinnen. Denn für den wahren Sportler und Profi muss meiner Meinung nach nicht das Geldverdienen oder Ruhm und Ehre im Vordergrund stehen. Sondern vielmehr der eigentliche Sportgedanke, dass man immer stolz auf sich sein kann. Auf das was man erreicht hat – auf ehrliche Weise, durch hartes Training, Wille, Disziplin und Durchhaltevermögen. Die Anerkennung dafür erhält man doch dann automatisch und kann sich vor allem darüber freuen.
In diesem Sinne, für sauberen Sport – null Bock auf Doping!
Niclas