Psychologieexkurs in die Geschlechterwelt des Triathlons

„Forscher haben herausgefunden, dass …“. Mit dieser hochtrabenden Phrase kann man uninteressante Fakten aufpeppen und dem Leser unterjubeln. Dem/der Triathlet/in können damit zum Beispiel auf ganz einfache Weise Produkte, Trainingsmethoden oder auch Ernährungskonzepte (als das Mittel der Wahl zur Leistungssteigerung) verkauft werden.

Von > | 5. Februar 2016 | Aus: Szene

Team Racing Aloha - Melanie Mack, 27 Jahre

Melli promoviert zurzeit in Leipzig. Welche Disziplin sie am liebsten macht? „Das ist bei mir Form-, Wetter und Wettkampfabhängig. Wenn die Strecke und das Wetter schön sind, finde ich Radfahren super, bei Regen dagegen freue ich mich immer auf das Laufen.“

Foto > Kilian Kreb

Eine ideale Köperlage beim Schwimmen kann der ambitionierte Triathlet beispielsweise nur durch einen um die Hüfte getragenen „Köperformer“ erlernen. Und da viele von uns keine Kosten und Mühe scheuen, unsere Leistungen zu verbessern, können manch intelligente Menschen dadurch auch noch sehr viel Geld verdienen. Jedoch kann man aber auch durch die Ergebnisse, die Forscher herausgefunden haben, viele Phänomene erklären.

Ich will im Rahmen unseres Blogs einige Fragen, die wahrscheinlich Jederfrau durch den Kopf schwirren, zu klären versuchen und einigen Dingen auf den Zahn zu fühlen. So kann beispielsweise der Vorwurf einer Freundin, man sei doch sportsüchtig, mit der Erklärung „nein, ich bin sportverbunden, aber noch längst nicht süchtig“ zurückgewiesen werden und dem Ankläger gleichzeitig klargemacht werden, worin der Unterschied liegt, um dann guten Gewissens drei Stunden Rad fahren zu können. Aber dazu mehr in einem späteren Beitrag. Anfangen möchte ich mit einem Thema, welches unser Team ja schon fast heraufbeschwört: Warum gibt es so viele Männerteams und so wenige Damenteams im Triathlon und warum ist diese Sportart eine Männerdomäne oder auch ...

... are Men from Mars and Women from Venus?

Forscher haben herausgefunden, dass Männer und Frauen unterschiedliche Beweggründe haben, Sport zu treiben. Frauen trainieren überwiegend zur Gewichtskontrolle und aus Attraktivitätsgründen, Männer dagegen, um sich zu messen und weil sie Spaß am Sport selber haben. Oder ist es eher der Spaß an den darauf folgenden isotonischen Durstlöschern? Man muss dabei betonen, dass sich diese Aussagen nur auf Durchschnittswerte beziehen. Es gibt natürlich auch einige Männer, die Sport treiben, um abzunehmen, und genauso gibt es Frauen, die mit ihrer sportlichen Aktivität auf Leistung und Erfolg aus sind.

Hier stellt sich nun die Frage, ob alle Menschen, die Triathlon betreiben, es aus denselben Gründen tun. Dies fragten sich Forscher schon Anfang der 90er-Jahre und stellten fest, dass auch hier Triathletinnen an ihrem Sport nicht dieselben Aspekte als wichtig empfinden wie ihre männlichen Sportskollegen. So hatte der Wettbewerb für sie einen weniger wichtigen Stellenwert als für Männer und sie beginnen häufig mit Triathlontraining, um abzunehmen. Natürlich gibt es aber auch die Athletinnen, die den Wettkampf suchen. Nicht nur bei Wettkämpfen, sondern auch im Training. Sie suchen den Wettkampf mit sich selbst, aber auch mit den Trainings- und Wettkampfpartnern und -partnerinnen. Das sind oft diejenigen, die viel und gern mit Männern oder allein trainieren. Sie gelten als verbissen und männlich oder manchmal auch einfach nur verrückt und durchgeknallt. Sie scheinen einfach nicht im Einklang mit dem weiblichen Wertesystem, in welchem Unterstützung und Kooperation wichtige Aspekte darstellen, zu stehen.

Doch wodurch kommen diese Unterschiede zustande? Durch die Sportgeschichte? Durch die auferlegten Geschlechterrollen? Oder sind doch die Gene daran schuld?

Im Sport haben Männer und Frauen eine unterschiedliche Vergangenheit. Das Zeigen von Stärke beim Männersport kann schon mit Vorgängen in der Steinzeit verbunden werden. In der Biologie ist es allgemein bei Tieren mit langer Tragezeit der Fall, dass die Männer ihre Stärke demonstrieren müssen und die Frauen die Partner auswählen. Deswegen war es auch für die Männer sinnvoll, Konfliktbewältigungs- und Deeskalationsstrategien zu entwickeln, wie zum Beispiel Hierarchien. Konflikte wurden früher entschärft, weil echte Kämpfe höhere Kosten bedeuten als zum Beispiel verbale Kämpfe. Wenn man den Feind wertschätzte, war außerdem der Wert des Sieges höher. Auch in der früheren Sportgeschichte wurde Männern durch den Sport Männlichkeit gelehrt. Kraft und Zähheit, als Kernattribute des Sports, waren keine weiblichen Werte. Noch bis in die 50er-Jahre hinein wurde Sport als schädlich für Frauen angesehen. Dreh- und Angelpunkt war hierbei die Gebärfähigkeit. Als eine mögliche Nebenwirkung galt zum Beispiel die Verwelkung der Geschlechtsorgane. Die fehlende Sporttauglichkeit wurde nicht nur von Mediziner, sondern auch von Psychologen bescheinigt. Frauen galten durch ihre niedrige Intelligenz und Willensschwäche als sportuntauglich. Außerdem wurde Anstrengung in der Gesellschaft als unweiblich angesehen.

Diese Beschreibungen der Kampfregeln unserer steinzeitlichen Vorfahren lassen sich, wie ich finde, schön auf heutige Konkurrenzverhältnisse übertragen. Männer sind immer Kumpel, außer im Wettkampf, da werden sie zu Gegnern. Beim weiblichen Geschlecht dagegen ist das nicht immer so einfach. Wenn Frauen ehrgeizig und ein gewisses Maß kompetitiv sind, dann lässt sich dieser Konkurrenzkampf nicht nur auf das Rennen eingrenzen, sondern zieht seine Bahnen in alle anderen Bereiche des Lebens: „Wer ist hübscher?“, „Wer kommt bei den Medien und Fans besser an?“, „Wer hat ein ausgefüllteres Sozialleben und mehr Freunde?“, „Wer ist im Berufsleben erfolgreicher?“. Und das Ganze erreicht man meistens natürlich mit möglichst wenig Training und Fleiß. Zumindest wird dies nach außen vermittelt. Ansonsten würde es ja wieder gegen das kooperative Wertesystem der Frau sprechen und einen in das Licht einer ehrgeizigen, verbissenen und dadurch „männlichen“ Frau stellen.

Im Sport haben wir Frauen es nicht immer einfach, aber sagt man nicht so schön: „Das Leben ist kein Ponyhof!“ Außerdem haben wir auch viele Vorteile. Wir dürfen bei Kälte und Regen keine Lust auf Training haben, ohne als Weichei betitelt zu werden. Wir sehen in den Triathlonanzügen einfach besser aus als unsere männlichen Sportkollegen. Wir umgeben uns mit vielen durchtrainierten Triathleten und wenn wir wollen, dürfen wir auch pink tragen.

Es gibt wohl viele Gründe, warum Triathlon noch immer eine Männerdomäne ist und warum es so viele Männerteams und so wenig Frauenteams gibt. Frauen sind evolutionär und geschichtlich viel schwächer im Sport verwurzelt als die Männer. Auch der Wettkampf hat für sie in der Regel keinen sehr hohen Stellenwert, und wenn doch, dann passt das nicht in die Rollenbilder und wird verpönt. Aber Forscher haben erfreulicherweise herausgefunden, dass Sport erheblich zu unserem Glück und Wohlbefinden beiträgt. Darum ist es egal, aus welchen Motiven wir Triathlon machen, ob wir abnehmen wollen, ob wir einfach sehr ehrgeizige Personen sind und uns gerne mit anderen messen, ob wir Spaß am Sport selber haben oder uns andere Beweggründe motivieren, die Leidenschaft für Triathlon verbindet uns und ist für uns Grund genug für Racing Aloha!