Quo vadis Bayerischer Triathlon Verband? Am Samstag entscheiden die Vereinsvertreter über seine Zukunft

Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

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Showdown im Altmühltal Tag der Entscheidung für Bayerns Triathleten

Szene | 7. Dezember 2012
Im September wurde der Bayerische Triathlon Verband aus der Deutschen Triathlon Union ausgeschlossen. Seitdem hängen die Triathleten des Freistaats in der Luft. Nach dem Außerordentlichen Verbandstag am Samstag sollen sie wieder Boden unter den Füßen haben. Zumindest darin sind sich der streitbare BTV-Präsident Peter Pfaff und sein Herausforderer Tobias Heinze einig. Doch das ist auch der einzige Punkt, in dem die beiden einer Meinung ist.
Für den einen, Tobias Heinze, ist die Rückkehr unter das Dach der DTU alternativlos - der andere, Peter Pfaff, hat beantragt, den Ausschluss des Verbands zu akzeptieren. Viel weiter könnten die Positionen der gegnerischen Parteien vor dem Showdown in der kleinen Gemeinde Tittling-Emsing im Altmühltal wahrlich nicht auseinander liegen. Auf wessen Seite sich die Mehrheit der stimmberechtigten Vereinsvertreter am Samstag schlägt, ist völlig offen. Heinze, gebürtiger Bamberger und seit Jahren ehrenamtlich in der Triathlonszene aktiv, glaubt, diese Mehrheit hinter sich zu haben. "Die andere Seite glaubt das aber wahrscheinlich auch", befürchtet der 35-Jährige gegenüber tri-mag.de. Sollte der von Pfaff unter Tagesordnungspunkt 7 eingebrachte Antrag auf die weitere Selbstständigkeit des Verbands scheitern, will sich Heinze noch am gleichen Abend als neuer Präsident des BTV zur Wahl stellen. Pfaff selbst wird nach Informationen von tri-mag.de, auch im Fall des für ihn positiven Ausgangs der Abstimmung nicht wieder kandidieren. Wer ihm folgen soll, ist unklar.

Sportpolitisches Tauziehen

Viel wichtiger als die personellen Konsequenzen im Präsidium dürften für die bayerischen Triathleten die weiteren Folgen dieses sportpolitischen Tauziehens sein. Heinze befürchtet in seinem "Offenen Brief" vor allem strukturelle Schäden, sollten sich die Mitglieder am Samstag endgültig für den Weg der Eigenständigkeit entscheiden: Die Leistungsspitze werde aus Bayern abwandern, wenn sie nicht mehr an nationalen Meisterschaften teilnehmen darf, Sponsoren könnten aufgrund der fehlenden sportlichen Zugpferde aus Vereinen zurücktreten. Möglicherweise, so Heinze weiter, werden sogar einige Vereine und Triathlonsparten ganz schließen müssen. Pfaff hält dagegen. Man werde (...) alles unternehmen, damit für die Athleten keine Nachteile entstehen, verspricht er in seinem "Offenen Brief", den er zwei Tage vor dem Verbandstag veröffentlicht hat. Gerüchte, bayerische Athleten würden zukünftig gar keine Startpässe mehr erhalten und müssten sich einen nicht-bayerischen Verein suchen, um bei nationalen Meisterschaften starten zu dürfen, seien falsch, so Pfaff darin. Es werde einen Startpass zum Preis von 25 Euro geben, den auch Veranstalter außerhalb Bayerns anerkennen. Wer bei Deutschen Meisterschaften antreten möchte, könne bei der BTV-Geschäftsstelle direkt für weitere 60 Euro einen DTU-Startpass erhalten. Topathleten wie Anne Haug werde man für 150 Euro auch den erst vor wenigen Wochen von der DTU-Führung aufgelegten Elitepass anbieten. Für den Fall, dass sich die Vereinsvertreter für die Rückkehr zur DTU entscheiden, würde der Startpass zwar ein paar Euro teurer, gibt Heinze zu. Doch für 43 Euro könne sich jeder Athleten weiter wie gewohnt und ohne Hürden bei allen Wettkämpfen in Deutschland anmelden.
Auch für das Problem der Veranstalterabgabe haben die beiden Kontrahenten einen Plan. Pfaff will die umstrittenen zehn Prozent der Startgeldeinnahmen, die jeder Ausrichter laut Satzung an seinen Landesverband abführen muss, ersatzlos streichen und bittet in seinem Schreiben alle Ausrichter darum, die "Ersparnis" als reduziertes Startgeld an die Athleten weiterzugeben. Heinze und sein Team planen dagegen ein Modell, das eine fest vereinbarte Abgabe pro Starter und Distanz vorsieht. Wichtige Ausrichter hätten bereits signalisiert, das in Nordrhein-Westfalen bereits installierte Modell mittragen zu wollen, so Heinze zu tri-mag.de.
Triathlon-Bayern blickt am Samstag gespannt ins Altmühltal - und fest steht derzeit eigentlich nur eins: die knapp 5.000 aktiven Athleten im Freistaat haben nach dem Wochenende einen neuen Präsidenten. Wohin der Weg des Verbands danach führt, liegt nun in den Händen der Vereinsvertreter.

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