Svenja Bazlen "Tour de Schwarzwald" oder "Was ist eigentlich Heimat?"

Szene | 21. Juni 2013
Was ist Heimat? Über diese Frage haben sich in früheren sowie in jüngsten Zeiten schon viele Wissenschaftler und Philosophen ihre Köpfe zerbrochen. Ich möchte an dieser Stelle in keinen wissenschaftlichen Beitrag zum Thema liefern, sondern Euch meine Gedanken dazu erzählen.
Als ich Anfang letzter Woche durch das Dreisamtal zum Hofladen fuhr kam mir der Gedanke, meinem nächsten Blog diesem Thema zu widmen. Der geneigte Leser wird sich jetzt hoffentlich schon gewundert haben. Dreisamtal? Heimat? Svenja? Ja, ich machte letzte Woche Heimaturlaub... ähm...Trainingslager in Freiburg. Nur warum war mir gerade dort das Thema "Heimat" so nah? Erst als ich vor zwei Wochen aus Italien nach Tübingen kam und in unserer Wohnung stand, dachte ich: „Ach wie schön ist es, nach Hause kommen“. Kann man vielleicht mehrere Heimaten oder zu Hauses haben?
Da fängt es schon an, was bedeutet zu Hause, was ist Heimat?
In Tübingen bin ich zu Hause und fühle mich pudelwohl. Ich lerne gerade die Umgebung mit dem Rad kennen und freue mich über jeden Sonnenstrahl bei uns im Garten. Wir richten uns unser zu Hause ein, freuen uns darüber dass wir nun Zusammenleben  und haben tolle Freunde dort. Heimat, also?
Als ich Samstagabend nach Freiburg fuhr und an allem Vertrauten vorbeituckerte, hatte ich gleich ein gutes Gefühl. Ich komme nach Hause. Genauso ging es mir als ich meine Gast-WG betrat. Ich hatte von der ersten Sekunde an das Gefühl, dass ich hier willkommen bin und dass sich Kathrin, meine gute Mitbewohnerin, rührig bemüht hatte, mir ein schönes "heim kommen" zu bescheren. Am Sonntag beim Radfahren kannte ich mich dann so gut wie schon lange nicht mehr aus und richtige Heimatgefühle hatte ich als ich kurz in meiner alten WG war und morgens mit dem Rad zum Bäcker fuhr. Heimat, also?
Wenn ich nach Stuttgart fahre, finde ich es auch immer schön wieder nach Hause zu kommen und freue mich an bekannten Orte zu sein und Leute zu treffen. Heimat, also?
Alles Heimat oder was? Ich glaube schon. Heimat ist was in deinem Kopf passiert. Gefühle, Erinnerungen, Emotionen, Menschen und Orte. In Freiburg habe ich die Zeit zwischen allen und allem Vertrauten genossen. Auch wenn sich doch einiges geändert hat, fühlte mich immer noch heimisch. Vielleicht wäre das in einem Jahr auch schon wieder ganz anders. Was würde passieren, wenn ich mal wieder nach Würzburg gehen würde. Dort hatte ich immerhin auch fast fünf Jahre lang mein zu Hause. Ich sollte mal wieder hinfahren.
Aber bevor ich über freie Zeit und die nächsten Besuche nachdenke wird erst noch fleißig trainiert. Letztens stand eine kleine Schwarzwald-Heimattour auf dem Plan. Das war in der  letzten von drei Belastungswochen und genauso fühlte es sich auch an. Naja, meinen Trainingskollegen ging es ähnlich und wir brachen von Freiburg aus fröhlich zu einer vierstündigen "Tour de Schwarzwald" auf. Die Route hatte der einzige Mann im Feld in seinem Kopf, vorgegeben hatte sie mein Trainier.

Ausblicke und Einblicke

Bergig sollte sie sein, denn der Trainingsblock stand ganz im Zeichen der Kraftausdauer. Wir begannen mit dem Schauinsland. Der Berg hat seinen Namen nicht umsonst. Wenn man sich ungefähr eine halbe Stunde lang den Berg hochgeackert hat, hat man das erste Mal einen wunderschönen Blick auf Freiburg und Umgebung, sogar bis nach Frankreich und auf die Vogesen.
Oben angekommen ging es gleich wieder talabwärts vorbei am Notschrei, unserem Skilanglaufgebiet im Winter. Unten schlängelten wir uns zwischen bunten Sommerwiesen langsam durchs Tal hinauf nach St. Blasien. Hier wurde mir zum ersten mal bewusst, dass das mit dem vier Stunden heute nichts wird (das soll keine Schuldzuweisung an irgendjemanden sein ;)) und dass uns ein längerer Tag bevor steht. Jedenfalls beschlossen wir, am Schluchsee einen Stop einzulegen. Beim Gedanke daran, ging es mir gleich ein bisschen besser und meckern hilft bekanntlich ohnehin nicht. Trotzdem war es noch ein ganzes Stück Arbeit bis dorthin und als wir den Schluchsee erreichten und mich eine Touristen-Imbissbude fast schon magnetisch anzog, kam der Kommentar von hinten: "Nee, nee, nicht gleich das erst Beste!" Wir drückten also nochmal fünf Kilometer bis in den nächsten Ort. Dort gab es eine wunderbare Bäckerei und bei einem Käsebrötchen und Kuchen, den wir brüderlich durch vier teilten, sammeln wir neue Kräfte.

Durchs Höllental auf den Thurner

Danach wollten wir allerdings nur noch heim. Unser Weg führte zum Titisee wo wir feststellen mussten, dass das Tal, das wir für die Heimfahrt vorgesehen hatten zur Zeit wegen einer Umleitung die Hauptverkehrsstrecke nach Freiburg ist. Unsere Idee, mit dem Rad den Weg durchs das Höllental zu nehmen, war nicht so schlau. Denn leider war diese Strecke nicht wirklich fahrbar und wir entschlossen uns noch zu einem kleinen Abstecher auf den Thurner - landschaftlich das absolute Highlight der Tour. Einmal oben, geht es nur noch bergab nach Freiburg hinein. Als wir oben ankamen und ich nach unten blickte, überkam mich wieder dieses heimische Gefühl. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich immer älter werde und mich immer mehr an solchen Ausblicken erfreue. Aber als wir danach den Berg hinunterrasten, uns der Wind um die Nase blies, die saftigen Wiesen links und rechts und der blaue Himmel hoch oben - freute ich mich einfach, dass das Leben so schön ist. Und vergaß dabei fast, dass aus den geplanten vier Stunden nun sechs Stunden geworden waren.
Die Welt ist doch ein wahres Wunder ganz egal wo man beheimatet ist!
An dieser Stelle habe ich auch noch eine Auflösung zu einer Frage, die ich mir in meinem letzten Blog gestellt habe. Für alle, die in Amerika zu Hause sind. Die Babykarotten entstehen tatsächlich aus großen Karotten. Sie werden quasi herausgeschält. Ob aus dem Abfall Karottenpüree aus der Dose oder etwas ähnliches  entsteht, weiß ich noch nicht, aber vielleicht finde ja auch das noch heraus.