Triathlon im Jahr 2061: Wettlauf gegen die Zeit

Schwimmen, Radfahren, Laufen? Ganz nett, sicher. Aber ein Zukunftsmodell? Anita Horn hat da ihre Zweifel. Deswegen bereitet sie sich schon jetzt auf futuristische Fortbewegungsmittel und neuartige Fahrradhelme vor.

Von > | 22. März 2016 | Aus: Szene

Anita Horn fährt IOHawk

Anita Horn fährt IOHawk

Foto > Anita Horn

Die Zeit rennt – nicht nur im Wettkampf. Auch ohne Konkurrenz im Rücken tickt die Uhr. Kaum sehen wir uns um, haben wir das Jahr 2061 und wir merken: etwas ist an uns vorbeigezogen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es hört auf Namen wie Cyboard, Scoot, Monorover, Slideboard, Airboard oder Esway. Und weil es dieses Etwas schon heute gibt, bin ich mir sicher, dass wir in Zukunft nicht mehr nur mit dem Rad, sondern auch mit solchen futuristischen Fortbewegungsmitteln beim Triathlon starten werden.

Mal im Ernst: Gleichberechtigt sind Wettkämpfe doch sowieso nicht. Der eine Athlet schwimmt im Neo, der andere hat längere Arme. Einer fährt mit Scheiben und Di2, ein anderer mit Alurahmen und Turnschuhen. Wieso dann nicht gleich ganz andere Gefährte nutzen? Auch die sind schließlich vom Können und der körperlichen Verfassung des Fahrers abhängig. Das habe ich am eigenen Leib zu spüren bekommen.

Schmerzhaft und teuer

Es gibt zum Beispiel Flyboards, die wie Raketen unter den Füßen über und unter Wasser für Antrieb sorgen und mich durch den Raum katapultieren. Bisher ist das Ganze reines Freizeitvergnügen, unter anderem an den Küsten Mallorcas. Aber die Macher sind schon dabei sich Wettbewerbe auszudenken und so gibt es bestimmt schon bald eine Flyboard-Race-Liga. Und einen Triathlon ohne Schwimmen.

Dass man sich trotz aller Innovation anstrengen muss, das schwöre ich bei allem, was ich besitze. Ich habe nämlich gerade meine ersten Fahrversuche auf einem lenkerlosen Segway-Verschnitt unternommen. Der Untersatz nennt sich IOHawk, hat zwei handgroße Räder, blinkt blau und bewegt sich, indem man darauf stehend sein Gewicht nach vorne, zur Seite oder nach hinten verlagert. Neugierige Blicke sind garantiert. Dumm nur, wenn man es nicht über die abgesenkte Bordsteinkante oder den blöden kleinen Ast schafft. Dann fährt das zwölf Kilo schwere Ding nämlich möglichweise über die eigenen Füße und das tut nicht nur mir, sondern auch dem Portemonnaie weh. Zwischen 600 und 1400 Euro kostet der Spaß. Aber ein gutes Rennrad kostet schließlich noch viel mehr. Gut, so richtig anstrengen muss man sich dabei nicht. Es ist eher eine Frage der Konzentration. Aber dann wählt man eben eine längere Strecke - fertig. Schließlich gibt es auch Meisterschaften im E-Mountainbiken. Und Formel 1 ist doch auch Sport. Dass die Nutzung des IOHawks schwierig und sportlich ist, zeigt übrigens Mike Tyson – wenn auch unfreiwillig – auf Instagram. Und auch andere Nutzer sollten lieber noch üben, wie einige Twitter-Videos beweisen.

Anita Horn fährt IOHawk

Anita Horn fährt IOHawk

Foto > Anita Horn

Die Dauerwellenhaube kommt

Das Laufen beim Triathlon könnten wir in Zukunft durch sportliches Stehen auf einem Slideboard ersetzen. Das funktioniert mit Hilfe von Magnettechnik auf dafür vorbereitetem Untergrund oder Induktionsschleifen und schwebt frei über dem Boden. Es kann nicht mehr lange dauern, dann ist jeder Zentimeter unserer Erde entsprechend präpariert, wir können uns frei auf unseren Slideboard vorwärts, seitwärts, hoch und runter bewegen und Triathlons damit austragen – über den Köpfen der Zuschauer. Nicht der Schnellste, sondern der Höchste gewinnt!

Damit dabei niemandem etwas zustößt, sollten alle – Zuschauer und Triathleten – einen Helm tragen. Aber natürlich nicht einen üblichen Fahrradhelm, sondern die neueste Innovation. Die ist nicht einmal als Helm zu erkennen, sondern eher eine Mischung aus Halskrause und Nackenstütze. Erst bei einem Sturz öffnet ein integrierter Mini-Computer den Kopfschutz wie einen Airbag und man fällt gut gepolstert in eine Art Dauerwellenhaube. Interessantes Ding, dieses Höveding. Und das Beste daran: das ist keine Zukunftsmusik, sondern schon heute zu kaufen.

Aber was sage ich da – Kaufen ist eigentlich ebenfalls Schnee von gestern. In Zukunft drucke ich mir mein Material nämlich einfach selbst. So wie es neulich findige Forscher in Holland getan haben. Sie erschufen ein Fahrrad mit dem 3D-Drucker. Und weil man heute von Weingummi bis Metall alles Mögliche drucken kann, mache ich mir demnächst meinen eigenen Neo, meine eigenen Schuhe, meine eigenen Energieriegel und meine eigene Pulsuhr. Und wenn niemand gegen mich antreten will, dann drucke ich mir eben auch meine eigene Urkunde. Ganz klassisch, mit Tinte und Papier. Da steht dann „1.Platz“. Denn ich bin irgendwann im Ziel. Nur die Zeit, die rennt. Und rennt. Und rennt. Doch dieses Jahr 2061 ist noch nicht da. Zum Glück.