Bock bloggt Triathlon in Kinderschuhen

Szene | 17. Juli 2012
Triathlon boomt. Und wir Triathleten merken es doch an jeder Ecke. Immer mehr Rennen werden im Fernsehen übertragen oder als Zusammenfassung ausgestrahlt. Dann gibt es mittlerweile neue Rennformate, die ausgetestet werden, um die Sportart näher an die Zuschauer zu bringen. Tiptop, so kann das weitergehen! Oder?
Bei allem, was in den Kinderschuhen steckt sollte man immer etwas Verständnis haben, wenn es hier und da Dinge gibt, die noch nicht so optimal laufen. Für das deutsche Fernsehen ist Triathlon noch etwas komplett Neues. Und es ist doch toll, dass unsere Sportart so eine Chance in der Öffentlichkeit bekommt. Deswegen sollte man sich nicht immer direkt über zu viel Werbung aufregen, oder über falsch formulierte Fragen der Moderatoren. Je mehr Triathlon in die Medien kommt, desto besser werden auch die Beiträge und das Wissen darüber. Triathlon ist eine Sportart, welche man erst lernen muss zu lieben. Und wenn es dann klappt, dann kennt die Begeisterung dafür kaum noch Grenzen!

Ich bin allein in diesem Jahr bei drei verschiedenen Veranstaltungen gefragt worden: „Was machen die denn hier eigentlich?“ Wenn man dann erklärt, was da überhaupt von Statten geht, dass hunderte von Leuten an ihre Grenzen gehen und dass alles eigentlich ein wirklich sehenswertes Spektakel ist, dann lassen sich die meisten Leute dafür begeistern. Ich habe jedenfalls dreimal die gleiche Antwort gehört: „Na, dann bleiben wir mal hier und schauen uns das an! Danke und gibt’s hier auch Bratwürstchen?“ „Na klar, gleich da vorne und viel Spaß beim Zuschauen!“ So einfach geht das.

Und überhaupt, wenn ich mich mal mit Nicht-Triathleten unterhalte - ich nenne sie mal die „Normalen“ - wenn ich mich also mit einem Normalen unterhalte und wieder einmal in einen Redeschwall über Olympia, Ironman und diese oder jene Distanz verfalle oder alle Top-Stars von Raelert, über Kienle und Frodeno in den Himmel lobe – und dann kurz mal auf mein Gegenüber achte, werde ich von zwei großen Fragezeichen angeschaut, immer begleitet mit etwas Bewunderung. Und in diesen Momenten merke ich dann wieder, dass der Triathlon innerhalb der Szene zwar ein ganzes Leben füllen kann, aber es mindestens dreimal so viele Leute (Normale) gibt, die von triathletischem Tuten und Blasen keinen blassen Schimmer haben. Es steckt noch so unendlich viel Potential in unserer – vermeidbar kleinen – Sportart!

Unsere Kollegen vom Biathlon gehen mit bestem Beispiel voran. Und das ist bei einer Sportart, die für viele Leute viel weiter weg ist, viel schwerer nachzuvollziehen. Habt ihr schon mal jemanden gesehen, der mit einem Gewehr auf dem Rücken durch die Gegend rennt und auf offenem Feld das Feuer eröffnet? Aber es ist ein Sport, der von seiner Dynamik und seinen Spannungsbogen während der Rennen lebt. Und das Verständnis dafür ist auch erst durch das TV gekommen. Wie gesagt, Triathlon muss man verstehen. Die „breite Masse“ muss erst mal lernen, dass es mehr als den Ironman Hawaii gibt und ein Triathlon nicht zwingend mehr als acht Stunden dauern muss! Man sieht doch häufig einen Schwimmer, oder einen Radler, oder einen Läufer – und die eröffnen dann tatsächlich mal ein Feuer auf offenem Feld, wenn wieder Intervalle geschrubbt werden.
In diesem Sinne: Bleibt immer so begeistert, wie ihr es seid. Denn damit steckt ihr immer auch mal einen Normalen an und so werden wir sicher bald noch mehr Triathlon in den Medien erleben!