triathlon Nr. 124: Emma Snowsill existiert nicht mehr

Auf der Zielgeraden ihrer Triathlon-Karriere hat sich Emma Frodeno gefühlt wie auf einer Urlaubsreise, von der sie wollte, dass sie niemals zu Ende geht: Es war eine großartige Zeit. Aber irgendwann reift die Erkenntnis, dass es bald vorbei sein wird. Neun Monate nach ihrer Hochzeit mit Jan Frodeno hat die Australierin ihren Rücktritt vom Hochleistungssport erklärt. In triathlon Nr. 124 blicken wir auf ihre einzigartige Karriere zurück.

Von > | 26. August 2014 | Aus: SZENE

Emma Frodeno | Emma Frodeno

Emma Frodeno

Foto >Felix Rüdiger

Emma Snowsill existiert nicht mehr“, sagt die 33-Jährige, und mit ihrem unglaublich ansteckenden Lachen nimmt sie ihrer so leicht dahingesagten Bemerkung die doppeldeutige Schwere. Nein, es ist nicht nur der Name an der Tür, der sich geändert hat. Es gibt die Athletin nicht mehr, die auf der Kurzdistanz Siege gesammelt hat wie andere Facebook-Freunde. Die dreimal Weltmeisterin geworden ist und Gold bei Commonwealth Games und Olympischen Spielen gewonnen hat. Und die nach ­einer nicht enden wollenden Krankheitsgeschichte in den vergangenen fünf Jahren nicht mehr die war, für die sie sich selber stets gehalten hatte: die erfolgreiche, willensstarke Sportlerin, die immer nach vorn schaut, das Energiebündel mit den unerschöpflichen Reserven.

Emma Frodeno | t124_Inhalt

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Foto >spomedis GmbH

Fünf Monate lang 14 Stunden Schlaf

Ein Virus hatte ihr alle Kraft geraubt, ihr Immunsystem war am Ende. „Ich hatte kein Benzin mehr im Tank. Es war, als hätte jemand bei mir den Stromstecker gezogen. Manchmal habe ich mich nicht mehr als Mensch gefühlt“, sagt sie über ihre lange Leidenszeit. Es begann 2009, am Ende einer kräftezehrenden Saison. Ihr Körper sendete Warn­signale: „Ich bekam Migräne, etwas, was ich nie zuvor hatte“, erinnert sie sich. Die Hochzeit ­einer Freundin auf Bali aber wollte sie sich nicht entgehen lassen. Und dort, als alle Anspannung von ihr abfiel, fing sie sich ein Virus ein. „Ich konnte kein Essen mehr bei mir behalten und bekam sehr schwere Hals- und Nasennebenhöhlenentzündungen. Fünf Monate lang habe ich im Schnitt 14 Stunden am Tag geschlafen.“ Es dauerte Wochen, bis die Diagnose feststand: Zytomegalie, ausgelöst vom Speicheldrüsenvirus. Snowsill war bis zu dem Zeitpunkt nie ernsthaft krank gewesen. Als sich ihr Körper langsam erholte und sie wieder etwas Energie hatte, entschloss sie sich im Mai 2010 zu einem Start bei der WM-Serie in Seoul. Sie belegte Rang sechs, doch binnen 24 Stunden erkrankte sie – wie etwa die Hälfte aller Starterinnen. „Ich dachte, dass vielleicht irgendetwas im Wasser war und dass das wieder weggeht“, erzählt sie. Aber der Erreger nistete sich in ihrem geschwächten Körper ein. Er befiel Magen und Darm, parallel dazu kehrten die Infektionen der Atemwege zurück. „Ich fühlte mich, als hätte ich das letzte flackernde Licht in meinem ­Immunsystem zum Erlöschen gebracht.“

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Foto >Felix Rüdiger

Herzschlagfinale in Hamburg

Akzeptieren wollte die erfolgsverwöhnte Sportlerin ihre Schwäche nicht, sie zog ihre Starts in der WM-Serie durch. Bei den Rennen in London und Kitzbühel kam sie nicht ins Ziel, doch beim ­Finale in Budapest rannte sie die Konkurrenz inklusive Weltmeisterin Emma Moffatt mit einer Fabel-Laufzeit von 33:08 Minuten in Grund und Boden. Budapest sollte ihr letztes Hurra werden. Nur einmal stand sie danach noch auf dem Podest, im Juli 2011 in Hamburg, als sich die drei Aussie-Emmas Moffatt („Moffy“), Jackson (“Jacko“) und ­Snowsill („Snowy“) ein Herzschlagfinale lieferten und sie Dritte wurde. Da war sie schon ein Jahr die Frau an der Seite von Jan Frodeno. Ein Olympiasieger-Doppel – ein Traumpaar des Sports. Zunächst hatte sie nicht viel mehr verbunden als die Goldmedaille von Peking. Dass es sein Geburtstag war, an dem sie in China das Rennen ihres Lebens machte, interessierte Emma, die damals noch mit ihrem Trainer Craig Walton verlobt war, herzlich wenig. Und als sie einen Tag später mit ihrer Familie auf der Tribüne Frodenos überraschenden Sturmlauf zu Gold verfolgte, erinnerte sie sich nur kurz daran, dass sie diesen Typen aus Deutschland vor ein paar Jahren schon mal beim Radtraining in Südafrika getroffen hatte. „Zum ersten Mal richtig unterhalten haben wir uns erst fast zwei Jahre später“, erzählt Emma.

Wie sich Jan und Emma Frodeno schließlich noch näher gekommen sind, welcher Schicksalsschlag das Leben der Australierin 2001 von einer Sekunde auf die andere veränderte und was die erfolgreichste Kurzdistanztriathletin aller Zeiten nach ihrem Karriereende vorhat, lesen Sie in triathlonNr. 124, die jetzt im Zeitschriftenhandel erhältlich ist.

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