"Versuche nicht, anderen etwas zu beweisen. Beweise es dir selbst"

Ben Yates war Mitglied der australischen Triathlon-Nationalmannschaft, trainierte mit Jan Frodeno, Maik Petzold, Brad Kahlefeldt und den Raelert-Brüdern und startete in der Triathlon Bundesliga. Doch dann entschied er sich gegen den Sport und für ein Leben als Musiker. Im tri-mag-Interview erzählt er, warum.

Von > | 8. Dezember 2014 | Aus: SZENE

Ben Yates Porträt | Ben Yates

Ben Yates

Foto >Yates

"Versuche nicht, anderen etwas zu beweisen. Beweise es dir selbst"

Ben Yates, Sie waren ein erfolgreicher Triathlet in der australischen Nationalmannschaft, haben sich aber gegen eine Karriere als Triathlonprofi und für Ihre Musik entschieden. Warum?
Naja, als erfolgreich würde ich meine Karriere jetzt nicht bezeichnen. Mit Brad Kahlefeldt, Maik Petzold, Jan Frodeno und den Raelerts zu trainieren, war eine tolle Erfahrung für einen australischen Nachwuchsmann. Aber es hat auch geholfen, meine Fähigkeiten und Grenzen richtig einzuordnen. Meine sportliche Entwicklung stand erst am Anfang und im Vergleich zu Jungs wie den Brownlees hätte ich deutlich länger gebraucht, um die höchste Stufe zu erreichen. Es wäre sehr interessant gewesen, wo ich jetzt mit 28 sportlich angekommen wäre, wenn ich weiter alles auf den Sport gesetzt hätte.

Warum haben Sie sich denn vom Sport abgewendet.
Ich kam super fit nach Deutschland – in der Laufform meines Lebens und wollte in meiner zweiten Saison richtig durchstarten. Doch dann gab es ein paar schlechte Nachrichten, die mich komplett rausgehauen haben. Ich bin beim ersten Rennen in San Remo ausgestiegen und habe fast gar nicht mehr trainiert. Ich wollte zurück nach Australien.

Aber Sie sind geblieben.
Meine Eltern haben gesagt, ich solle eine Pause einlegen und lernen, wie man Bier trinkt. Und jetzt muss ich sagen: Ich liebe deutsches Bier. Natürlich hätte ich eine Pause machen können und danach zurückkehren. Aber ich bin damals immer mehr in die Musik abgetaucht und dabei geblieben.

Ben Yates U23 | Ben Yates bei der Junioren-WM in Gamagori.

Ben Yates bei der Junioren-WM in Gamagori.

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Fiel der Abschied vom Sport schwer?
Ich habe daraus im Nachhinein gelernt: Niemals zu früh das Handtuch werfen! Wenn ich nicht meine Leidenschaft in der Musik gefunden hätte, würde ich das alles heute sehr, sehr bedauern. Ich vermisse die Triathlon-Community auch immer noch.

Gibt es für Sie Parallelen zwischen dem Ausdauersport und der Musik?
Ich finde eher lustig, wenn man da keine Parallelen entdeckt. Ich bin sicher, dass Musik nicht nur aus Sicherheitsgründen im Profisport verboten ist. Sie wirkt wirklich leistungssteigernd. Je nachdem, welche Musik man hört, kann man damit Schmerzen unterdrücken oder einen Rhythmus vorgeben. Sport hat so viel mit Rhythmen und Gefühl zu tun. Ich habe viel aus dem Sport mit in die Musik genommen, ich gehe gern noch immer den harten Weg. Ich nutze nur ein anderes Medium, um meine Energien loszuwerden. Ich fühle mich mies, wenn ich nicht voran komme und nichts erreiche. Mit Musik und Sport geht das gleichermaßen. Beim lockeren Training kann man seine Gedanken ausschweifen lassen. Genau das brauche ich, um einen Song zu schreiben. Schnelle Einheiten lassen mich alles rundherum vergessen. Genauso wie auf der Bühne oder beim Tanzen.

Und Unterschiede?
Ich sehe fast keine. Die meisten Menschen haben ja so ein Klischee-Bild von Musikern im Kopf, inklusive aller Rockstar-Allüren. Solche Phasen kenne ich auch. Aber grundsätzlich glaube ich, dass es nicht darauf ankommt, was man tut. Sondern darauf, sich voll darauf einzulassen und an sich zu glauben.