Bock bloggt Vielen Dank, Ehrenamt!

Szene | 19. November 2012
Ab und zu bekommt man doch mal zu hören, dass das Ehrenamt in Deutschland immer weiter verkommt und sich kaum noch Leute finden lassen, die freiwillig und ohne dafür bezahlt zu werden, etwas anpacken. Ich weiß allerdings, dass dem nicht so ist.
Beispiel Schwimmbad: Ich habe es längst aufgegeben, früh morgens schwimmen zu gehen. Der Grund: die Übermacht von Rentnern, die schon Minuten vor Einlass mit den Fingernägeln an der Eingangstür kratzen. Aber ganz egal, wann ich mir die Zeit nehme, mein Schwimmtraining im öffentlichen Bäderbetrieb abzuspulen, irgendeine Bummel-Omi ist immer da. Und nach dem ersten Schock wird mir auch klar, dass Treibholz-Hansi auf der Nebenbahn nicht tot ist, sondern sich beim Schwimmen einfach nur nicht bewegt. „Jedem das seine“, denke ich dann und springe ins Wasser. Meistens kann ich dann auch ohne weitere Zwischenfälle aus dem Becken steigen – erstaunlicherweise ist die Nebenbahn ununterbrochen verstopft. Auf dem Heimweg stellen sich mir dann zwei Fragen. Erstens: Ist der Kollege vielleicht doch mehr tot als lebendig? Zweitens: Wenn ja, warum hat er sich nicht längst im Wasser zersetzt? Allerdings kann es auch anders laufen. Und hier kommt das Ehrenamt ins Spiel! Nämlich dann, wenn man von Raupe Schwimmersatt darauf aufmerksam gemacht wird, „dass hier auch noch andere Leute schwimmen wollen.“ Oder: „So viel Wellen und Spritzwasser, da kann man gar nicht in Ruhe seine Bahnen ziehen!“ Mittlerweile habe ich rausgefunden, dass es sich dabei nicht um meckernde Muttis handelt, sondern um die ehrenamtlichen Bademeister! Logisch, dann brauche ich mich auch nicht darüber aufregen. Die machen nur ihren Job, opfern sich auf und stellen sich für Selbstversuche zur Verfügung. Also einfach freundlich grinsen, nicken und weiter schwimmen wie vorher.      

Beispiel Radfahren: Soweit ich mich erinnern kann, gab es keine einzige Radeinheit, bei der ich nicht angehupt, bedrängt oder wild gestikulierend überholt wurde. Auch hier gibt es wieder zwei Möglichkeiten, zu reagieren. Entweder man holt den Südländer in sich heraus und lässt seinem Temperament freien Lauf. Dann sind die Folgen meist unkontrollierbar und oft mit Schaden (entweder für den Radler oder den Autofahrer) verbunden. Tipp: Vorsicht bei glatzhaarigen BMW-Fahrern! Komischerweise sind aber auch die Leute, mit großen Luxus-Karren immer die ungeduldigsten. Wahrscheinlich sind sie immer so extrem beschäftigt, dass sie nie Rad fahren und kein Verständnis dafür aufbringen können, dass es so etwas wie Fahrradfahrer überhaupt gibt. Aber falsch gedacht! Die Luxus-Lenker sind ehrenamtliche Straßenpolizisten! Und so kommt man zu der zweiten möglichen Reaktion:  Einmal freundlich winken, so tun als ob man einen schönen Tag wünscht und weiter fahren wie vorher.

Beispiel Laufen: Ein Hoch auf die ehrenamtlichen Tierzüchter und deren Hunde! Es kann halt nicht jeder seinen Vierbeiner unter Kontrolle haben. Ihr habt es verstanden oder? Nicken, lächeln, „Arschloch“ denken, weiterlaufen.

Ich weiß natürlich, dass es eine Menge Leute gibt, die ehrenamtlich arbeiten und ihre Freizeit opfern, um etwas für die Gesellschaft zu tun. Bitte fühlt Euch nicht auf den Schlips getreten, ohne Euch würde es vor allem im Triathlon viele schöne Wettkämpfe gar nicht geben. Der Sport lebt von Leuten wie Euch, die sich gern kümmern und organisieren, auch ohne dafür eine Belohnung zu bekommen. Und lasst Euch nicht ärgern, wenn gemeckert wird. Das kann der Deutsche eh am besten. Seht es als Herausforderung, es beim nächsten Mal noch besser zu machen. Was wahrscheinlich häufig zu kurz kommt und dann doch die schönste Belohnung nach getaner Arbeit ist nur ein einziges Wort: Danke!