Sebastian Dehmer Vom Olympiateilnehmer zum Rennveranstalter

Szene | 2. Mai 2012
Sebastian Dehmer war vor acht Jahren beim olympischen Triathlon in Athen dabei, musste seine Sportlerkarriere aber krankheitsbedingt beenden. Was er macht und wie er den Triathlon heute sieht, erklärt der 30-Jährige im Interview.
Sebastian Dehmer, vor acht Jahren vertraten Sie bei den Olympischen Spielen in Athen gemeinsam mit Andreas Raelert und Maik Petzold die deutschen Farben. Während Raelert erfolgreich auf die Langdistanz gewechselt ist und Petzold um die Qualifikation für London kämpft, haben Sie den Profisport an den Nagel gehängt. Warum?
Aufgrund einer schweren Erkrankung im Jahr 2007 hatte ich zwei Jahre Leistungssportverbot. Ich konnte mich während dieser langen Zeit zwar auf meine Hauptsponsoren, die Bundeswehr und die Sporthilfe, verlassen - doch irgendwann war ein Engagement einfach nicht mehr vertretbar. Ich musste mich also mit der Frage auseinandersetzen, wie ich meine Familie ernähren kann. Irgendwann geht die Zeit als Profisportler zu Ende und was ist dann? Leider ereilte mich diese Frage früher als mir lieb war. Ich habe also ein Design-Studium begonnen; Design und das Gestalten schöner Dinge war schon immer meine zweite Leidenschaft neben dem Triathlonsport. Als Designer strebst du immer nach dem Maximum, dem Besten.

Die DTU-Olympioniken von Athen: Maik Petzold, Andreas Raelert, Sebastian Dehmer
©Silke Insel / spomedis


Wie im Sport?
Ja, wie im Sport - man entwickelt sich immer weiter und weiter. Die meisten Studenten sind jünger als ich. Sich in dem „elitären Haufen“ zu behaupten ist auch nicht immer ganz einfach. Der Anspruch an unserem Fachbereich ist auf einem sehr hohen Niveau. Viele Uni-Projekte kommen aus der Wirtschaft und meist kann ich hier durch meine Erfahrung, Ausdauer und zielorientiertes Handeln überzeugen.

Verfolgen Sie Ihren Sport trotzdem noch?
Heute lese ich mit Interesse die Artikel und Wettkampfberichte der Athleten und freue mich über die Erfolge meiner ehemaligen Trainingskameraden. Doch zunehmend gilt mein Interesse der aktuellen Produktwelt. Beispielsweise habe ich mein Praxis-Semester bei Adidas gemacht. Hier arbeitete ich an neuen Laufschuhkonzepten und habe sehr visionäre Dinge gesehen, wie sie vielleicht niemals auf den Markt kommen werden. In diesem Bereich deckt sich der Leistungssport mit dem Anspruch eines Designers. Im letzten Jahr habe ich für Sailfish einige Produkte auf den Weg gebracht, auch das waren klassische Aufgaben eines Designers und Produkt-Managers. In diesem Jahr hatte ich mit zwei Kommilitonen großartige Projekte mit einem hohen Potential für eine vordere Platzierung bei diversen Design-Awards. Das macht mir alles sehr viel Spaß! In einer längeren Perspektive sehe ich mich als Gestalter.