Bock bloggt Von Pleiten, Pech und Pannen

Szene | 10. Dezember 2012
Auch bei Triathleten, die immer nah am Perfektionismus unterwegs sind oder es zumindest sein wollen, läuft nicht immer alles nach Plan. Davon kann ich euch ein Liedchen trällern.
Es war der Montag nach dem Ironman Hawaii 2011. Endlich wieder eine Mail vom Coach im Postfach - und die sichere Gewissheit, dass es jetzt wieder mit dem richtigen Trainingsplan in Richtung Saison-Vorbereitung 2012 geht. Den Text habe ich gar nicht erst gelesen, sondern voller Heißdüsen-Vorfreude sofort das Dokument, die goldenen Zahlen und Werte, kurzum: die heilige Schrift geöffnet. Kennt ihr das Gefühl, welches man als Kind kurz vor Weihnachten oder dem Geburtstag hatte? Nicht? Aber ihr kennt das, wenn man mit großen Augen vor seinem neuen Wettkampfrad steht und plötzlich vor lauter Bauchkribbeln erkennt, dass man sich in acht Kilogramm Karbon verknallt hat! Das ist in etwa das gleiche. Genau so habe ich mich gefühlt. Eine wohlige Wärme, ein Kribbeln im Bauch und dann das: Ich war den Tränen nahe. Ich musste nicht mal rechnen, um zu erkennen, dass es in dieser Woche insgesamt mickrige zwölf Stunden sein sollten – aber auch nur, wenn ich hier und da noch ein klitzekleines bisschen was dran hängen würde. Lächerlich!
Ich bedankte mich für den neuen Plan, schrieb: „Jetzt geht’s los! Auf eine gute Saison!“ und machte mein eigenes Ding. Zwölf Stunden, ich konnte es immer noch nicht fassen. Zum Glück war wenigstens Petrus auf meiner Seite, denn es war goldener Oktober. Um die zehn Grad oder leicht darunter. Tiefe Sonne und blauer Himmel, leichter Wind.     

Den Montag ließ ich noch locker angehen. Zum Start in den Tag gab es eine gemütliche Drei-Kilometer-Einheit mit viel Technik im Wasser, vorher war ich allerdings im Fitness-Studio, um ein paar Eisen zu biegen. Das klingt jetzt definitiv spektakulärer, als es wirklich war. Eisenbiegen kann man es auch nicht nennen, eigentlich nicht mal Gewichte stemmen, eigentlich nicht mal… Naja, ich war immerhin im Fitness-Studio! Nach dem Training am Vormittag ging es Nachmittags noch für zwei Stunden mit dem Rennrad auf die Straße. Einrollen für den Dienstag! Abends Stretching und schon waren die ersten viereinhalb Stunden im Sack.

Wie gesagt, der Montag war zum warm werden. Denn heute klingelte der Wecker um sechs - in Ziffern: 6:00 Uhr! Frühstück, Kaffee trinken, Zeitung lesen und noch mal Kaffee. Um 8 Uhr ging es dann los. Der offizielle Plan vom Coach: viel zu wenig. Mein Plan: Radfahren, easy, 200 Kilometer. Nach 6:35 Stunden war ich wieder zu Hause. Kaputt, aber glücklich. An das Mittagessen kann ich mich nicht mehr erinnern, dass ich aber noch eine 10-Kilometer-Laufrunde gedreht und ein entspanntes Dehnprogramm gemacht habe, weiß ich noch, als wäre es gestern gewesen. Stolz vergeht halt nicht.

Am Mittwoch habe ich mir gar nicht mehr angeguckt, was normalerweise zu tun gewesen wäre. Morgens hätte ich fast ein paar Eisenbieger im Fitness-Studio alt aussehen lassen. Waren aber leider keine da, wahrscheinlich hatten sie Angst vor der Niederlage. Deshalb ließ ich die dicken Hanteln auch liegen und machte Übungen mit dem Terra-Band. Es warteten schließlich noch vier Kilometer im Schwimmbad. Und da ich ja wissen wollte „was so geht“, hatte der Trainer – in diesem Falle ich selbst – 400 Meter auf Zug angeordnet. Ich und mein Trainer (auch ich) waren beruhigt, als ich eine Zeit von unter fünf Minuten zu Stande brachte. Zur Belohnung luden wir uns selbst zum Salatessen ein. Und dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Ich war gerade 45 Kilometer auf meinem Rädchen unterwegs, genau die Stelle, die am weitesten von zu Hause entfernt lag. Die Luft aus dem Vorderreifen verabschiedete sich und dann stand ich da. Mitten in der Pampa, ohne Flickzeug und ohne Geld. Aber mit Handy. Ich wusste ja, dass meine Mutter sicher den ganzen Tag nichts Besseres zu tun hatte, als mich irgendwo mit dem Auto abzuholen. Entsprechend groß war die Freude über meinen Notruf. In der Zwischenzeit postete ich den Materialschaden mit kurzer Status-Meldung bei facebook, wenig später kam der Anruf vom Coach. Er war etwas verwirrt, warum ich denn mit dem Rennrad unterwegs sei und fragte ob das auf dem Weg zum Brötchen holen passiert sei, dann wäre das ja nicht so schlimm, weil ich ja nicht allzu weit von zu Hause weg sein konnte – schließlich stand ja gar kein Radfahren auf dem Plan für heute. Tja, doof gelaufen, das hatte ich verbockt! Also rückte ich raus mit der Sprache, erzählte von der 200-Kilometer-Tour vom Vortag und meinem Schwimmintermezzo am Vormittag. Am anderen Ende wurde (ich) herzlich (aus)gelacht und das Gespräch mit einem liebevollen „Du Idiot!“ beendet. Wieder zu Hause ging ich erst eine Stunde laufen und wechselte dann den Schlauch.

Donnerstag früh. Die Motivation war ungebrochen und ich war wirklich erstaunlich fit drauf. Also ging es wieder auf die Straße, schließlich musste ich erstens die Kilometer von gestern wieder reinholen und zweitens die ohnehin von mir geplanten zwei Stunden verhaften. Nach drei Kilometern ist eine Speiche gebrochen und auch das Schaltwerk wurde mit in den Tod gerissen. Langsam aber sicher machte ich mir Gedanken, ob das wohl die Strafe dafür sei, wenn man nicht auf den wirklichen Coach hört. Heute bin ich mir sicher, dass es so sein musste! Den restlichen Donnerstag verbrachte ich mit schlechter Laune und ohne Training. Am frühen Freitagmorgen öffnete ich den Trainingsplan: zwei Kilometer Schwimmen, locker, beliebig und eine Stunde Radfahren, easy.
Auch Samstag und Sonntag hielt ich mich an die heilige Schrift vom Coach.
Ganz ehrlich: Das hätte ich häufiger tun sollen, dann wäre mir sicher das ein oder andere Missgeschick erspart geblieben, außerdem wäre ich dann vielleicht auch verletzungsfrei durch die Saison gekommen! Hört also nicht immer nur auf die innere Stimme, die kann meist mehr als der Körper (und manchmal mehr als das Material)!

Wie steht es denn bei euch ums aktuelle oder verjährte Training? Welche Pleiten, Pech und Pannen habt ihr erlebt?

P.S.: Vielleicht ist nicht alles ganz genau so passiert, wie oben beschrieben. Aber die handelnden Personen immerhin sind alles andere als frei erfunden! Und: Es hätte durchaus so sein können! Die Eisenbieger waren bestimmt ängstlich! Mit einem kleinen Grinsen wünsche ich euch gutes Training und stabiles Material! Euer Bocki