Wellington will auf Hawaii starten

14 Tage vor dem Ironman Hawaii wurde Chrissie Wellington auf einer Trainingsfahrt in Boulder in einen schweren Unfall verwickelt. Sie selbst zeigt sich trotzig und kündigte an, trotzdem in Kona zu starten. Ob sie sich tatsächlich rechtzeitig erholen kann, scheint aber fraglich.

Von > | 27. September 2011 | Aus: SZENE

Chrissie Wellington | Chrissie Wellington bei der Challenge Roth

Chrissie Wellington bei der Challenge Roth

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Mindestens für ein paar Stunden war Chrissie Wellington ihr berühmtes Lachen vergangen. Die Britin, die die teils aufgesetzt wirkende Fröhlichkeit zu ihrem Markenzeichen gemacht hat, stürzte am Samstag bei einer Trainingsausfahrt in der Nähe ihres Trainingsquartiers in Boulder (Colorado) mit dem Rad. Sie selbst wollte das der Konkurrenz und den Fans offensichtlich verschweigen, schrieb auf ihrem Twitteraccount weiter munter über Wohltätigkeiten und ihr Training - bis am Montag das Gerücht aufkam, die dreimalige Ironmanweltmeisterin müsse den Ironman Hawaii zum zweiten Mal in Folge absagen. Im vergangenen Jahr hatte sie sich eine Virusinfektion zugezogen und wenige Stunden vor dem Startschuss ihren Verzicht bekanntgegeben.

Fahrfehler oder Plattfuß?

Erst als sich das Gerücht verbreitete, Wellington könne möglicherweise nicht auf Hawaii starten, ging die Britin in die Offensive. "Der Körper kann erstaunliche Dinge vollbringen", twitterte Wellington. "Ich werde definitiv am Start stehen." Dazu präsentierte sie zwei Bilder, die ihren lädierten Ellbogen und großflächige Abschürfungen an Hüfte, Oberschenkel, Schienbein und eine Wunde am Fuß zeigen. "Gebrochen war offenbar nichts", erklärte eine Zeugin des Unfalls dem Internetportal everymantri.com. Doch ganz so leicht, wie Wellington tut, steckt die den Unfall anscheinend nicht weg. Offenbar wollte sie gegenüber der Konkurrenz so kurz vor dem Saisonhöhepunkt keine Schwäche zeigen - warum hätte die auf Twitter so kommunikationsfreudige Wellington sonst versucht, den Trainingsunfall zu verschweigen? Auch zum Unfallhergang gibt es zwei Versionen.

"Plattfuß vorn, in die Kurve gelegt, gestürzt", twitterte Wellington im Stenostil. "Sie hat sich in einer Gruppe mit fünf weiteren Athleten um das Tempo bemüht, hat dann eine Kurve zu schnell und zu scharf genommen und ist gestürzt", behauptete dagegen eine Trainingskollegin, die nach eigener Aussage hinter Wellington fuhr. Fahrfehler oder plötzlicher Plattfuß? Wie dem auch sei: Es ist bereits der zweite Unfall der Ausnahmekönnerin in diesem Jahr. Schon im Frühjahr stürzte die 34-Jährige in Boulder und brach sich dabei eine Rippe, auch nach diesem Sturz erzählte sie nur am Rande von ihrer Verletzung. Doch damals blieb genug Zeit, um die Verletzung auszukurieren und sich auf die Challenge Roth vorzubereiten. Ob ihr die verbliebenen elf Tage bis zum Ironman Hawaii jetzt reichen, scheint fraglich.

Zu große Schmerzen zum Trainieren

So berichtet das in Wellingtons Trainingsdomizil Colorado beheimatete Portal everymantri.com, Wellington habe noch immer große Schmerzen und könne sich zur Zeit nur gehend fortbewegen. An Training sei nicht zu denken. "Chrissie hat nur ein paar Abschürfungen. Das ist nichts, was sie von einem Start auf Hawaii abbringen könnte", erklärte dagegen ihr Manager Ben Mansford gegenüber tri-mag.de. Doch ob die Britin mit den starken Hautabschürfungen am 8. Oktober wirklich in den salzigen Pazifik steigen kann, bleibt unklar. "Sobald sich die Lage ändert, werden wir das bekanntgeben", so Mansford weiter. "Das Gute an der Sache: Meine Haut passt nun perfekt zur Farbe meines Wettkampfoutfits", schrieb Wellington in einer ihrer ersten Reaktionen nach dem Unfall. Dahinter: Ein Smiley. Möglicherweise ein Lachen, das um einiges erzwungener war als alle anderen zuvor.