"Zurück zur Leidenschaft"

Markus Fachbach wagt in der Saison 2012 einen Neustart: Nach dem Ende des Commerzbank-Teams organisiert sich der Sieger des Ironman Regensburg als Ein-Mann-Unternehmen. Auf welche Probleme er dabei stößt und welche Chancen sich bieten, erzählt der 29-Jährige im Interview mit tri-mag.de.

Von > | 16. Mai 2012 | Aus: Szene

Markus Fachbach

Markus Fachbach

Foto > Nis Sienknecht / spomedis

Markus Fachbach, Sie sind mit einem vierten Platz beim Ironman Südafrika in die Saison 2012 gestartet. Zufrieden?
Direkt nach dem Rennen war ich ziemlich unzufrieden. Das war zum dritten mal der vierte Platz bei einem Ironman und ganz sicher nicht meine Zielsetzung. Ich wollte aufs Podium und meine Vorbereitung lief einwandfrei, da gibt es keine Ausreden. Ich habe das Schwimmen verbockt, da hab ich mich etwas blöd angestellt und zweimal meine Schwimmbrille verloren. Nicht durch Konkurrenten, sondern durch den hohen Wellengang, damit bin ich einfach nicht zurecht gekommen.

Dabei haben Sie gleich ein paar Minuten auf die Konkurrenz verloren. Ist das nicht vor allem mental ein großer Einschnitt, wenn man so früh das Gefühl bekommt, dass das Rennen gegen einen läuft?
Das war schon ein ganz schön harter Brocken. Ich habe sechs Minuten kassiert und alle anderen Podiumskandidaten lagen vor mir. Das sind ja keine Leute, denen man diese sechs Minuten so ohne Weiteres wieder abnimmt. Ich wusste, ich habe es selbst verbockt und musste mich immer neu motivieren. Ein zähes Rennen! Aber ich glaube, mental habe ich einen Schritt nach vorn gemacht. Früher hätte es wahrscheinlich im kompletten Desaster geendet, vielleicht wäre ich gar nicht ins Ziel gekommen. Diesmal habe ich mich durchgebissen, obwohl ich nur noch reagieren konnte und gehofft habe, dass sich die Jungs vor mir übernehmen. Mit mehr Abstand zum Rennen war es einfach ein solider Saisonauftakt. Ich bin sicher, dass ich noch mehr zeigen kann!

Es ist für Sie die Saison eins nach dem Commerzbank Triathlon Team, was hat sich für Sie geändert?
Einiges. Ich bin zurück im „normalen Triathlon-Job“, habe viel mehr selbst zu organisieren und selbst zu entscheiden.

Bremst oder beflügelt Sie das?
Ich finde es gut. Ich arbeitet wieder mit Leuten zusammen, mit denen ich seit Jahren in Kontakt stehe und habe jetzt quasi mein eigenes Team an Sponsoren, Betreuern und Partnern zusammen. Da sehe ich keinen Nachteil. Viele Entscheidungen sind jetzt leichter zu treffen.

War das Rundum-Sorglos-Paket ein zu großer Rucksack?
Ich habe die Zeit genossen, aber der Druck war schon groß. Sobald jemand im gelben Dress bei einem Rennen auftauchte, wurde ja der Sieg erwartet. Ein dritter oder vierter Platz war ja meist schon eine richtige Niederlage. Insgesamt haben ganz klar die Vorteile überwogen, nach fünf Jahren wurde es aber auch Zeit für neue Herausforderungen.

Wie organisieren Sie sich jetzt?
Ich habe sehr viel engeren Kontakt zu meinen Sponsoren. Die Zusammenarbeit mit Canyon zum Beispiel ist ein riesiger Vorteil für mich. Die Firma sitzt ja in meiner Heimatstadt Koblenz, das sind ganz kurze Wege. Ich werde stark mit einbezogen und kann viel Input geben. Das motiviert mich. Ich muss neben meinem Training zwar mehr organisieren, aber das gefällt mir ganz gut. So gibt es nicht nur einen einzigen Fokus.

Sie haben bereits vor einem letzten Jahr Ihr Studium wieder aufgenommen. Sind Sie froh darüber, wieder mehr für sich selbst zu leisten und nicht so sehr für andere?
Ja, schon. Ich kann und muss mich ja auch um mich und meine Zukunft kümmern. Ich werde jetzt 30 Jahre alt, da geht ein bisschen jugendliche Unbekümmertheit verloren und ich mache mir Gedanken darüber, wie es weiter gehen soll.

Wie soll es denn weitergehen?
Ich bin davon überzeugt, dass ich meine Leistung noch einmal deutlich verbessern kann. Sonst würde ich nicht weiter machen. Ich bin motiviert, die Lücke nach ganz oben zu schließen und glaube an mein Potenzial für die Top 5 auf Hawaii. Meine besten Jahre kommen noch. Aber garantieren kann mir keiner, dass es klappt. Deshalb verfolge ich nebenbei mein Studium als Betriebswirt. Der Plan B gibt mir auf jeden Fall auch  Lockerheit: Ich bin nicht genötigt, alles auf eine Karte setzen.

Da klingt Erleichterung durch, einen Teil des Drucks los zu sein. Wie sehr brauchen Sie den Spaß am Sport, um gute Leistungen zu erzielen?
Sehr! Und er kommt jetzt wirklich zurück. Ich will nicht schlecht über das Team reden, es war wirklich eine tolle Zeit. Aber vieles wurde auch verkompliziert, das Geschäft stand im Vordergrund. Für den Sponsor, die Agentur und auch für uns Athleten. Jetzt fiebert mein Umfeld doch wieder emotional anders mit - zurück zur Leidenschaft!