Zwischen Millionen-Preisgeld, Heimweh und Olympiaplänen

Hawaiisiegerin ist sie schon, in einer Woche kann Daniela Ryf ihre überragende Saison auch finanziell krönen: Beim Ironman 70.3 Bahrain geht es für die Schweizerin um das Preisgeld von einer Million Dollar. Coach Brett Sutton ist guter Dinge - und hat außerdem schon ganz andere Pläne mit der 28-Jährigen.

Von > | 28. November 2015 | Aus: SZENE

Daniela Ryf

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Während viele ihrer Konkurrentinnen ihre Saisonpause bereits hinter sich haben und allmählich wieder ins Training einsteigen, steht ein großes Highlight in der Saison der 28-Jährigen Daniela Ryf erst noch aus: In einer Woche kann die Schweizerin beim Ironman 70.3 Bahrain nach ihren Siegen bei der Challenge Dubai und den Ironman-70.3-Weltmeisterschaften in Zell am See die historische ausgelobte Prämie von einer Million Dollar bei der "Nasser Bin Hamad Triple Crown" gewinnen - wenn sie denn auch das letzte Rennen der drei gewerteten Rennen für sich entscheidet.

Kaum Tapering für den Hawaiisieg

Dass sie das körperlich kann, daran hat ihr Trainer Brett Sutton keinen Zweifel. Im Gegenteil: Knapp zwei Wochen vor dem Rennen setzte er im Gespräch mit tri-mag.de sogar noch einen drauf. "Wir hatten ihren Formaufbau ohnehin so geplant, dass sie nicht auf Hawaii, sondern Ende November beim Rennen in Bahrain in Topform ist," erzählt Sutton. Dabei sehe Ryf Finanzielles sonst eigentlich gar nicht als Motivator: "Ich trete nicht für das Geld an, das war nie mein Ziel und hat mich noch nie morgens zum Trainieren aus dem Bett getrieben - trotzdem ist das eine einmalige Gelegenheit", erzählt Ryf. Dass der Wettkampf nun erst am ersten Dezember-Wochenende und unter Ironman-Logo stattfindet, ändert für das australisch-schweizerische Duo nicht viel an ihren Planungen. Von Hawaii aus hat der Trainer die Schweizerin direkt nach Thailand reisen lassen, wo sie unter anderem unter Anleitung von Sutton weiterhin im Training Gas gegeben hat. "Wir haben in den letzten vier Wochen versucht, die Messer zu schärfen, die kleine Extrapower und den Speed zu erarbeiten", erzählt Ryf. "Ich bin zuversichtlich, dass das geklappt hat. Die Mitteldistanz ist noch immer mein Lieblingsformat."

Und Sutton lässt keinen Zweifel daran, dass Ryf rechtzeitig für das Rennen in Bahrain in Topform ist. "Sie ist noch stärker, als sie es auf Hawaii war", verkündet der Trainer im Skype-Gespräch. Er habe die Schweizerin für das Rennen auf Big Island nicht einmal richtig tapern lassen - trotzdem gewann sie die Ironman-Weltmeisterschaften auf Hawaii mit 13 Minuten Vorsprung. "Bedenken hatten wir eher hinsichtlich ihrer Psyche", gesteht Sutton. "Sie hatte nach dem Ironman Hawaii keine Zeit, sich einmal kurz zurückzulehnen und zu genießen. Es musste sofort weitergehen. Das ist schade." Zudem sei Ryf ein sehr heimatverbundener Mensch. "Es macht sie sonst sehr stark, dass sie sich zuhause sehr wohl fühlt und viele Freundschaften pflegt, die nichts mit Triathlon zu tun haben", erzählt Sutton. "Wir wussten aber nicht, ob sie trotzdem damit zurechtkommt, wenn wir sie so lange aus ihrer Heimat entreißen." Momentan wirke es aber, als sei das Experiment aufgegangen. Ende dieser Woche reiste Ryf aus Thailand direkt nach Bahrain, während Coach Sutton persönlich bereits seit einigen Tagen wieder von seinem Sitz in der Schweiz aus die Fäden zieht. Vor Ort will sie sich schnell akklimatisieren, dann abliefern - und möglicherweise eine historische Prämie abkassieren.

Ryf als Radsportlerin nach Rio?

Danach möchte Ryf möglichst schnell wieder in ihr altes Leben und die Normalität zurückkehren - egal, wie der Wettkampf in Bahrain ausgehen und ihr Kontostand im Anschluss aussehen mag. "Am Montag werde ich zurück nach Hause kommen und am Dienstag gehe ich wieder zur Universität", erzählt Ryf, die neben dem Sport Food Science und Management studiert. Trainieren werde sie weiterhin, in den nächsten Wochen aber erst einmal nicht mehr so viel. Was das in Zahlen bedeutet, kann Ryf selbst nicht beantworten - denn Trainingstagebücher führt die Schweizerin nicht mehr. "Du vergisst, wie viel Du trainiert hast, Du vergleichst es nicht ständig untereinander und beschwerst Dich nicht, weil Du Dich müde fühlst", meint die 28-Jährige. Coach Brett Sutton behält den Überblick über die Gesamtbelastung. Und er ist auch wesentlich an der Rennauswahl der Schweizerin beteiligt, die dem eng mit dem Schweizer Triathlonverband verbundenen Australier schon bei den Olympischen Spielen 2008 aufgefallen war, wo Ryf Siebte wurde.

"Sie war damals schon unheimlich stark. Es gab nur zwei oder drei Mädels, in denen ich überhaupt das Zeug gesehen habe, sich auf Mittel- und Langdistanz durchzusetzen - Daniela war eine davon", erzählt Sutton. Zur Zusammenarbeit kam es aber erst nach den Olympischen Spielen von London 2012, als die ebenfalls von Sutton betreute Olympiasiegerin Nicola Spirig sich zunächst auf die Familiengründung konzentrierte und unklar war, ob sie noch einmal in den Sport zurückkehren mag. Mittlerweile ist Spirig wieder im aktiven Wettkampfgeschehen zurück und als Siegerin der "Europaspiele" bereits für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro qualifiziert, soll dort erneut im Triathlonrennen um eine Medaille kämpfen - und auch Ryf will Sutton möglicherweise noch nach Rio de Janeiro führen. Allerdings nicht im Triathlon. "Sie ist schließlich eine herausragende Radfahrerin", erzählt Sutton im Gespräch. "Es sollte daher niemand überrascht sein, wenn Daniela beispielsweise beim Olympischen Zeitfahren plötzlich am Start steht." Dass das sportlich funktionieren würde, auch daran zweifelt Sutton nicht. "Ich bin nur noch am Klären, wie das formal mit der Qualifikation ablaufen könnte."