Der bePRO S im Test

Die Auswahl an Wattmesssystemen ist groß. Neben vielen kostspieligen Varianten gibt es auch einige preiswerte Modelle. Wir haben das bePRO S von Favero getestet und uns angeschaut, was man für relativ kleines Geld bekommen kann.

Von > | 14. November 2016 | Aus: EQUIPMENT

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Leistungsorientiertes Training auf dem Rad ist in aller Munde. Das Angebot der verschiedenen Wattmesssysteme ist groß, doch eines haben viele Powermeter gemeinsam: einen hohen Preis. Aber auch hier gibt es Alternativen. Den bePRO S der Marke Favero bekommt man bereits für 499 Euro - relativ wenig Geld für ein Wattmessgerät. Wirkt sich der geringe Preis auf die Qualität des Produktes aus? Wir haben den bePRO S getestet und wurden positiv überrascht.

Der Lieferumfang

Anfangs sollte man beachten, dass es das bePRO-Gerät in zwei Ausführungen gibt. Der bePRO S kommt mit Wattmessung an einem, nämlich dem linken Pedal. Die "Vollversion", der bePRO, misst die Leistung während des Fahrens an beiden Pedale und kostet 250 Euro mehr. Zum Lieferumfang des bePRO S gehören: die beiden Pedalen, ein Ladegerät mit entsprechendem USB-Kabel für den Ladevorgang des Akkus, rote Cleats (kompatibel mit Look Keo), alle nötigen Montagetools und eine Bedienungsanleitung. 

 

 

 

 

 

Schraubenschlüssel, Inbusschlüssel, Schraubstifte und Schablone für die Aufkleber sind bei der Lieferung inbegriffen.

Schraubenschlüssel, Inbusschlüssel, Schraubstifte und Schablone für die Aufkleber sind bei der Lieferung inbegriffen.

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Aufkleber zur Ausrichtung des Pedalsenders gehören beim bePRO S dazu. Sie werden zur Signalübertragung an den Kurbelarmen angebracht, außerdem gibt es Ersatzaufkleber.

Aufkleber zur Ausrichtung des Pedalsenders gehören beim bePRO S dazu. Sie werden zur Signalübertragung an den Kurbelarmen angebracht, außerdem gibt es Ersatzaufkleber.

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Die Montage

Das Anbringen des bePRO S gestaltet sich relativ einfach. Dennoch unterscheidet es sich etwas von anderen Pedalen mit Wattmessung wie beispielsweise den Modellen des Garmin Vectors. Denn hier wird kein separater Sender am Pedal angebracht, sondern Aufkleber an den Kurbelarmen zur Datenübertragung per ANT+. Deshalb sollten die Kurbelarme zu Beginn der Montage gesäubert werden. Kompatibel ist das Gerät mit jedem Radcomputer oder jeder Uhr, bei der Datenübertragung mit ANT+ möglich ist. Im Anschluss werden die mitgelieferten Aluminiumstifte in die Gewinde der Pedalen geschraubt. Mit Hilfe der Schablone kann danach der Aufkleber zur richtigen Ausrichtung des Pedalsenders angebracht werden. Zuletzt können die Pedalen entsprechend montiert und festgezogen werden. Hier gilt es zu beachten, dass der Pedalsender die korrekte Ausrichtung zum Aufkleber hat - dies kann etwas Fingerspitzengefühl abverlangen, stellt jedoch in der Regel kein Problem dar. Insgesamt ist die Montage einfach umsetzbar und geht sehr schnell.  Außerdem ermöglicht sie einen zügigen Wechsel der Pedalen zwischen verschiedenen Rädern - natürlich nur, wenn noch ein weiterer Aufkleber zur Pedalausrichtung vorhanden ist. Aufgeladen wird der bePRO S mit einem USB-Kabel. Leuchtende LED-Felder am Powermeter zeigen den aktuellen Akkustand an. Rund 700 Ladezyklen soll der Lithium-Ionen-Akku halten. Bei einer wöchentlichen Benutzung würde es eine Lebensdauer von 13 bis 14 Jahren bedeuten. Ein kleiner Nachteil: Sollte der Akku defekt sein oder Probleme aufweisen, gibt es keine Möglichkeit, ihn vereinzelt zu ersetzen. Das ganze Gerät muss eingeschickt und somit repariert oder komplett ersetzt werden. Bei einer wechselbaren Batterie lässt sich diese Gefahr von Anfang an ausschließen. 

Der erste Eindruck

Zu Beginn sollte der Akku des bePRO S einmal vollständig aufgeladen werden. Um das Gerät zu aktivieren, genügen einige Pedalumdrehungen. Automatisch konnte sich der Radcomputer mit dem Powermeter verbinden und das Gerät wurde sofort angezeigt. Auch die anschließende Kalibrierung stellt keine große Herausforderung dar: empfohlen wird, die Pedalen in eine waagerechte Stellung zu bringen und nicht zu belasten. Am Radcomputer kann nun "Kalibrieren" ausgewählt werden und die Fahrt kann beginnen. Dieser ganze Prozess hat inklusive Montage beim ersten Versuch etwa eine Viertelstunde gedauert und offenbarte keine Probleme. 

Praxis-Test

Die entscheidende Frage, die sich viele Athleten auf der Suche nach einem günstigen Powermeter stellen, ist sicherlich, wie genau die Messergebnisse sind und ob ein kleinerer Preis mit zunehmender Ungenauigkeit verbunden ist. Was bemerkenswert ist: Bei insgesamt mehr als 20 Fahrten hatte der bePRO S keine Ausfälle oder Schwankungen, die die Leistungsaufzeichnung verfälscht haben. Vereinzelt wird bei Geräten mit Wattmessung am Pedal von plötzlich aussetzender Datenübertragung berichtet oder offensichtliche Messfehler festgestellt. Oftmals werden die Probleme jedoch schon dadurch behoben, dass die Pedalen oder der Sensor einmal neu justiert werden. Aussetzer wie diese konnten wir während der Testperiode nicht feststellen. Um einen kleinen Vergleich zu schaffen, haben wir eine Testfahrt auf dem Rollentrainer mit jeweils einer Pedale des bePRO S und einer des Garmin Vector 2 durchgeführt. Das Ergebnis: bei einer 20 minütigen Fahrt unterschieden sich die Leistungsdaten nur um 3 Watt. Während der Garmin Vector 2 eine Leistung von 238 Watt aufzeichnete, standen beim bePRO S am Ende 241 Watt zu Buche - eine Abweichung von etwas mehr als einem Prozent. Natürlich könnte es theoretisch sein, dass beide Geräte einen falschen Wert anzeigen. Doch dieser Test sollte primär die Ergebnisse zwischen zwei unterschiedlichen Produkten mit gleicher Messmethode im Verhältnis zueinander zeigen. Dafür sind die Ergebnisse erstaunlich genau. Im Allgemeinen wird bei allen Wattmesssystemen von einer Akkuratesse zwischen ein und drei Prozent ausgegangen. Laut Herstellerangaben liegt die Messgenauigkeit sowohl beim bePRO S als auch beim Garmin Vector 2 bei einer maximalen Abweichung von zwei Prozent. Auf einem Smart-Trainer haben wir 250 Watt als Widerstand eingestellt und den bePRO S mitlaufen lassen, um einen weiteren Vergleich zu ermöglichen. Dazu muss man sagen, dass die Herstellerangaben des Smart-Trainers eine Messgenauigkeit von bis zu 5 Prozent Abweichung angeben. Der bePRO S zeigte nach zehnminütiger Fahrt 244 Watt an - eine Differenz von 2,4 Prozent. Auch hier zeigte der bePRO S also äußerst plausible Werte an. 

Fazit

Insgesamt war die Leistung des bePRO S ausschließlich positiv. Selbst beim ersten Mal konnte das Gerät schnell und unproblematisch montiert werden. Ist die Montage einmal geglückt, bedarf es in Zukunft nur wenigen Handgriffen, um das Powermeter anzubringen. Die Kalibrierung vor jeder Fahrt ist ebenso unproblematisch wie die Datenübertragung. Dass keine Ausfälle oder deutlichen Messfehler beobachtet wurden, ist eine der bedeutsamsten Erkenntnisse. Mit 499 Euro hat der bePRO S einen der geringsten regulären Verkaufspreise für Powermeter. Die Qualität leidet jedoch keineswegs darunter. Wer sein Rad mit einem Wattmesssystem für verhältnismäßig wenig Geld upgraden will, ist mit dem bePRO S gut beraten. 

 

 

 

 

Die Pedale des bePRO S kommen zwar mit eigenen Cleats, sind aber mit dem Look-Keo-System kompatibel. Gemessen wird die Leistung beim bePRO S nur am linken Pedal, während das Spitzenmodell bePRO über beidseitige Wattmessung verfügt.

Die Pedale des bePRO S kommen zwar mit eigenen Cleats, sind aber mit dem Look-Keo-System kompatibel. Gemessen wird die Leistung beim bePRO S nur am linken Pedal, während das Spitzenmodell bePRO über beidseitige Wattmessung verfügt.

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