Der Compex SP 6.0 im Test

Elektrostimulation ist nicht nur in der Schmerzbehandlung seit langem ein fester Bestandteil, sondern kann auch die Regeneration beschleunigen. Viele Profis im Ausdauersport greifen bereits auf diese Methode zurück. Wir haben den "SP 6.0" von Compex ausprobiert.

Von > | 15. Juni 2017 | Aus: EQUIPMENT

Der Compex SP 6.0 wird zusammen mit einer Dockingstation geliefert, an der die Bedienung aufgeladen wird.

Der Compex SP 6.0 wird zusammen mit einer Dockingstation geliefert, an der die Bedienung aufgeladen wird.

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Regeneration ist für Triathleten ein unumgängliches Thema. Methoden, um den Erholungsprozess zu beschleunigen, gibt es zuhauf. Proteinreiche Nahrung, isotonische Getränke, Kompressionsbekleidung, Massagen und Training auf der Faszienrolle. Zu den – zumindest für Breitensportler – eher unbekannten Regenerationsmethoden gehört die Elektrostimulation. Diese Methode kommt seit vielen Jahren bei Physiotherapeuten zur Schmerzbehandlung und Rehabilitation zum Einsatz – und bei etlichen Profisportlern zur Regeneration. Wie funktioniert Elektrostimulation? Sie ahmt den Prozess bei der willentlichen Muskelanspannung getreu nach. Will man einen Muskel anspannen, überträgt das Gehirn diese Information in Form eines elektrischen Signals an den Muskel, der daraufhin kontrahiert. Bei der Elektrostimulation erfolgt diese Erregung durch speziell gesteuerte elektrische Impulse direkt auf dem motorischen Nerv. Dabei kennt der Muskel keinen Unterschied zwischen einer willentlichen, vom Gehirn ausgelösten Kontraktion und einer elektrisch herbeigeführten Kontraktion. Die Firma Compex hat sich auf die Herstellung von Geräten zur Elektrostimulation spezialisiert. Empfohlen wird für Triathleten das Modell "SP 6.0". Wir haben das Gerät ausgiebig in der Praxis getestet.

Der erste Eindruck

Geliefert wird der SP 6.0 mit einer Dockingstation zum Aufladen der Bedienung, acht Elektroden, die jeweils als Zweierpaar genutzt werden und dem dazugehörigen Ladegerät. Die Kommunikation zwischen der Bedienung und den angebrachten Elektroden verläuft kabellos, was auf Anhieb sehr angenehm wirkt und Kabelsalat vermeidet. Die Funktionsweise auf den ersten Blick selbsterklärend und intuitiv: Zu jedem Elektrodenpaar gehören Pads, die kleben, damit sie an den gewünschten Körperstellen fixiert werden können. Alle Elektroden verfügen über sogenannte mi-scan- und mi-range-Funktionen. Diese berechnen die Physiologie der Muskelfasern über den Impulsweg und finden damit die ideale Intensität für das zuvor ausgewählte Programm. Trotzdem ist es möglich, die Intensitäten nach Belieben zu verstellen. In der Bedienung werden die verschiedenen Programme aufgeführt. Wir haben uns bei dem Test auf den Schwerpunkt Regeneration konzentriert. Dafür gibt es unterschiedliche Kategorien: Trainingserholung, Wettkampferholung, Entspannungsmassage, Anti-Muskelkater und Regenerationsmassage. Außerdem ist die Nutzung des SP 6.0 für Schmerzbehandlung, Rehabilitation und Konditionstraining gedacht. 

Der Praxis-Test

Die von uns getesteten Programme zur Regeneration besitzen meist eine Dauer von 20 bis 24 Minuten. Wichtig bei der Benutzung ist es, dass die Muskulatur locker ist und nicht unter Spannung steht. Daher empfiehlt sich eine sitzende, besser noch: eine liegende Position. Ist das Wunschprogramm gefunden, beginnt das Gerät mit dem mi-scan. Ein leichtes Kribbeln und Zucken der Muskeln für etwa 20 Sekunden, dann hat der Stimulator die Beschaffenheit der Muskulatur erkannt. Dieser Prozess wird bei jedem Elektrodenpad durchgeführt, dann startet das Programm. Die Intensität ist stets richtig gewählt, der mi-scan funktioniert also einwandfrei. Bei der Anwendung selbst kommt es zu Muskelzuckungen, die – wenn man es mit den Intensität nicht übertreibt – zu keiner Zeit schmerzhaft sind. Im Gegenteil: Die Vibration der Muskeln ist angenehm. Während das Programm durchläuft, wechseln sich die Rhythmen der Elektrostimulation mit der Zeit ab. Es gibt Be- und Entlastungsphasen, deren Wechsel je nach Programm vorbestimmt ist. Dadurch, und durch die verschieden ausgeprägte Intensität, unterscheiden sich die verschiedenen Programme voneinander. Getestet wurden die verschiedenen Regenerationsprogramme regelmäßig nach intensiven und langen Trainingseinheiten, aber auch vor und nach Wettkämpfen. Man gewinnt den Eindruck, dass sich die Anwendung in erster Linie positiv auf die muskuläre Ermüdung auswirkt. Dieser Effekt ist mit der Stimulierung der einzelnen Muskelfasern zu begründen. Außerdem gewinnt man das Gefühl, dass die Kontraktion der Muskeln – je nach Programm – den Blutfluss anregt. 

Fazit

Für ambitionierte Vieltrainierer ist der Compex SP 6.0 ein sinnvolles Gerät, das die Regeneration unterstützen kann. Da Elektrostimulation auch bei Verletzungen und bei der Schmerzbehandlung eine gängige Methode ist, können Athleten mit Verletzungsproblemen sogar doppelt profitieren. Die Bedienung des Gerätes ist einfach, die Menuführung übersichtlich und die Nutzung funktionierte problemlos. Besonders schön sind die mi-Funktionen, welche das Einstellen der Intensitäten komplett für einen übernehmen und dafür sorgen, dass jedes Programm auch richtig durchgeführt werden kann. Das Aufladen der Elektroden und der Bedienung ist simpel und benötigt nur etwa zwei Stunden, um wieder voll geladen zu sein. Die vielen Möglichkeiten und unterschiedlichen Programme ermöglichen sinnvolle Abwechslung und haben fast für jeden Zweck eine entsprechende Möglichkeit. Einziges Manko: der Preis. Die hohe Qualität hat seinen Preis: 699 Euro kostet der Compex SP 6.0.