Cervélo S3 Disc im Test

Zum Abschluss der Triathlonsaison 2016 präsentierte der kanadische Radhersteller Cervélo in Andalusien seine Neuheiten für das kommende Jahr. Wir waren vor Ort und haben das neue "S3 Disc" ausführlich getestet.

Von > | 9. November 2016 | Aus: Equipment

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Zum Saisonende lud der Aeropionier Cervélo aus Kanada nach Andalusien ein, um seine Neuheiten für das kommende Jahr vorzustellen. Neben dem neuen Triathlonrad "P5X", das wir schon auf Hawaii testen konnten, stand das "S3 Disc" im Vordergrund der Präsentation für die versammelte Fachpresse. Der Tenor: Cervélo ist wie alle anderen Rennradhersteller überzeugt, dass der Siegeszug der Scheibenbremse nicht mehr aufzuhalten ist. Ob nun im Profi-Sport oder bei Hobbyfahrern: die Vorteile sollen einfach überwiegen.

Alle Details des "S3 Disc" von Cervélo finden Sie in unserer Bildergalerie.

Der Praxis-Test

Cervélo war gut beraten, ins windige Andalusien einzuladen. Wozu ist ein Aerorenner sonst gemacht, als alleine im Gegenwind zu fahren? Gepaart mit ein paar saftigen Anstiegen konnten wir dem "S3 Disc" angemessen auf den Zahn fühlen. Die Position war schnell gefunden, wobei hilfreich ist, dass das Cockpit nach wie vor mit einem normalen Vorbau ausgeliefert wird, um den Lenker optimal verstellen zu können. Neu hingegen ist die weiter nach vorn gekröpfte Sattelstütze. Wenn man den Lenker tief greift, rotiert der Fahrer schließlich auch weiter um das Tretlager nach vorne. Anders als bei den ersten Aero-Rennern fiel auf, dass der Komfort nicht großartig unter der Ausrichtung leidet. Offenbar wurde hier auch am Faserverlauf gearbeitet, um mehr nachzugeben. Verwinden konnten wir das Rad allerdings weder im Lenkkopf noch im Tretlagerbereich. Maßgeblich hieran beteiligt dürften die 12-mm-Steckachsen sein, die das Rad vorn und hinten nicht nur beim Bremsen verstärken. Die Scheibenbremsen waren insgesamt ein echter Zugewinn – besonders, wenn es steil bergab ging, hier kann ganz einfach viel später und mit weniger Handkraft gebremst werden, um trotzdem besser zu verzögern. Was wir nicht testen konnten, war die Bremswirkung bei Nässe. Aus den Erfahrungen mit anderen Scheibenbremsrädern kann man aber schließen, dass der eigentliche Vorteil gegenüber Felgenbremsen dann erst so richtig zum Greifen kommt, besonders, wenn es um Karbonfelgen geht, wie hier bei den Modellen von ENVE. Diese sind vergleichsweise flach, vorne nur 35, hinten 45 mm hoch. Windanfällig, etwa bei Böen von der Seite, ist das "S3 Disc" wohl auch deswegen nicht.

Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig mag der extrem breite und flache Oberlenker sein, vor allem, wenn man bisher regelmäßig dort greift. Besser in der Hand liegt er an den Bremsgriffen oder in Unterlenkerposition. Und genau hier sollte man als sportlicher Fahrer ja auch greifen (können), sagen zumindest die Bikefitter der heutigen Zeit. Aerodynamischer ist dies zudem auch noch.

Erfreulich: Im Zeitalter von Systemintegration und immer komplizierter werdenden Aufbauten, speziell von Aerorennern, ist am "S3 Disc" alles Wesentliche auch unterwegs mit wenigen Inbusgrößen schnell und benutzerfreundlich zu verstellen.

Fazit

Das "S3 Disc" ist ein Aero-Renner der neuesten Generation – mit der Möglichkeit, jetzt endlich auch schneller und sicherer zu verzögern. Vorstellbar, dass in ein paar Jahren alle Highend-Modelle so spezifiziert sein werden, ob nun Aero oder nicht. Vermutlich warten die Hersteller alle nur noch auf das Ende der Blockade durch die Union Cycliste Internationale (UCI). Natürlich hat der Fortschritt seinen Preis: In der Testvariante mit der elektronischen Ultegra Di2 ruft Cervélo satte 7.299 Euro auf. Günstiger geht es allerdings auch – nämlich mit mechanischer Schaltung für 4.999 Euro.