Die Neuheiten von DT Swiss im Check

Der Schweizer Hersteller DT Swiss lud kürzlich zu einem Pressecamp in die Bodenseeregion, um seine neuen Aero-Laufräder vorzustellen. Wir waren dabei und konnten neben ein paar ausführlichen Testfahrten im Windkanal in Immenstaad den Entwicklern auf die Finger schauen und darüber fachsimpeln, in welche Richtung sich der Laufradmarkt in den kommenden Jahren vielleicht entwickelt.

Von > | 18. Mai 2017 | Aus: EQUIPMENT

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DT Swiss ist seit langer Zeit für seine Felgen, Speichen und Naben aus eigener Fertigung bekannt. Um das letzte Quäntchen Leistungsgewinn aus den neuen Produkten herauszuholen, tat man sich für die Entwicklung der neuen Sätze mit Jean-Paul Ballard und seinem Team von Swiss Side zusammen, der mit seinem aus der Formel 1 stammenden Wissen auch eigene Aero-Laufräder entwickelt und vertreibt.

Hier geht es zu unseren Impressionen vom Laufradtest bei DT Swiss.

Auf der Suche nach dem Watt

Aus diversen Tests der letzten Jahre lässt sich sagen, dass die Unterschiede bei den Toplaufrädern mittlerweile marginal sind. Manchmal sogar hart an der Messtoleranz, wenn es um ein Watt Unterschied bei 45 km/h und weniger geht. Das ist gut für die Athleten, die einmal viel Geld in die Hand genommen haben. Aber auch herausfordernd für die Industrie, die immer noch ein paar Watt einsparen muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Die Verpflichtung von so radstarken Sportlern wie Daniela Ryf oder Boris Stein tat sicher ein Übriges, um erstmalig das gesamte System Laufrad unter die Lupe zu nehmen. Das ist natürlich einfacher, wenn alle Bauteile aus eigener Fertigung kommen. Bei DT Swiss können dann sogar die einzelnen Speichen optimiert werden könnten, weil sie inhouse geschmiedet werden. Und wenn die Felgenprofile alle eng beieinander liegen, dann guckt man sich eben auch mal die Nabenform an, oder ob die Speichennippel innen oder außen liegen. Oder wie sich eine im Wind stehende Ventilverlängerung auswirkt. Jean-Paul Ballard hat hierzu den Begriff des Rotationsluftwiderstandes ins Spiel gebracht, also im Gegensatz zum translatorischen Luftwiderstand den Widerstand, den das Laufrad bei Fahrgeschwindigkeit zusätzlich verursacht und der bis zu 25 Prozent des gesamten Luftwiderstands des Laufrades ausmachen soll.

Um es vorweg zu sagen: hier ist man noch nicht am Ende angekommen, die nächsten Jahre dürften interessant werden. Auch wenn die Einsparungen sich vermutlich nur noch im niedrigen einstelligen Wattbereich bewegen dürften.

Alles neu macht der Mai

In der Summe wurden fünf verschiedene Laufräder vorgestellt, neben der primär aerodynamisch optimierten ARC 1100 DICUT Linie auch noch die PRC 1400 Spline Laufräder, die etwas universeller eingesetzt werden können. Wie erwartet gab es jeweils eine Version für klassische Felgenbremsen und eine für Scheibenbremsen. Diverse Achsoptionen runden die neue Linie ab.

So schwer es bei so einem Überangebot an Neuheiten auch fällt, man muss sich dann doch auf einen Laufradsatz konzentrieren, um in der Kürze der Zeit einen ersten Fahreindruck gewinnen zu können. Hierzu gab es dann bei drei Ausfahrten im Bodensee-Hinterland die Gelegenheit in der Gruppe sowie bei einem Zehn-Kilometer-Einzelzeitfahren durch das Deggenhausertal. Wie bei solchen Presseterminen üblich, wurde hier auch eher über dem Limit gefahren als gebummelt. Zugegeben hat das vor Ort allerdings niemand. Zum Einsatz kam der mit 80 mm höchste Laufradsatz für Scheibenbremsen. Mit 12-mm-Steckachse sicher technisch das aktuelle Nonplusultra, verbaut in einem Aeroad-Rennrad von Canyon.

Hand aufs Herz: Erfahren lassen sich die angegeben Leistungsersparnisse nicht. Was bei früheren Aero-Laufrädern manchmal spürbar war, war eine gewisse Seitenwindanfälligkeit. Oder ein zu flexibles Laufrad. Oder andersrum zu viel Feedback vom Straßenbelag, sodass der Fahrkomfort litt. All dies war bei den ARC 110 DICUT 80 nicht der Fall. Und zum guten Eindruck trug auch bei, dass der Wind an den Testtagen kaum spürbar war. Was positiv auffiel, war die Fahrstabilität sowie die gute Beschleunigung. Und – Traditionalisten aufgepasst: die grandiose Bremsperformance von Scheibenbremsen am Rennrad!

Für einen längeren Test, dann auch mit klassischen Schnellspannern in der Variante für Felgenbremsen, ist ein Laufradsatz auf dem Weg zu uns. Der findet dann sicher auch bei kräftigerem Wind Verwendung.

Mehr zum Thema folgt in unserem großen Aero-Special in der triathlon 151 sowie im Aero-Laufradtest in der Ausgabe 152.