Die Oakley Radar Pace im Test

Eine Sportbrille mit Coaching-System und Sprachsteuerung: Wir haben die Radar Pace von Oakley getestet.

Von > | 6. April 2017 | Aus: EQUIPMENT

Sportbrille mit dem Kopfhörern: Die Radar Pace von Oakley versorgt Athleten mit Informationen während der Aktivität.

Sportbrille mit dem Kopfhörern: Die Radar Pace von Oakley versorgt Athleten mit Informationen während der Aktivität.

Foto >Hersteller

„Jetzt muss ich meine Brille vor dem Sport also auch noch aufladen.“ Dieser Gedanke kommt beim Auspacken des neuesten Trainings-Gadgets von Oakley. Bei der Radar Pace handelt es sich um eine smarte Brille, die, in Zusammenarbeit mit Oakleys Trainingsapp, als Trainer funktionieren soll. Die sichtbare Hardware der Brille besteht aus zwei abnehmbaren Ohrstöpseln und einem Mikrophon für die Sprachsteuerung. In den Bügeln befindet sich das technische Innenleben, über Bluetooth kommuniziert die Radar Pace mit iPhone oder Android-Smartphones.

Ohne das Smartphone ist die Radar Pace \"nur\" eine sehr gute Sportbrille.

Ohne das Smartphone ist die Radar Pace "nur" eine sehr gute Sportbrille.

Foto >Hersteller

Sportbrille mit gewissen Extras

Zunächst einmal zu der Brille an sich: Die Indigo-Gläser sind auch bei der Prizm-Road-Serie von Oakley verbaut. Kurz gesagt, an den Gläsern gibt es nichts auszusetzen, auch bei wechselnden Lichtverhältnissen ist die Sicht gut. Im Lieferumfang enthalten sind außerdem klare Gläser, die sich bei Bedarf schnell tauschen lassen. Was uns überrascht: Trotz eingebauter Elektronik fällt das Gewicht der Radar Pace überhaupt nicht negativ auf. Sie sitzt hervorragend – auch beim Laufen – und stört weder durch Druckstellen noch durch hohes Gewicht.

„Ok Radar!“

Vor der ersten Radfahrt leitet uns die Radar-Pace-App durch den Einstellungsprozess: Die Kopplung mit Herzfrequenz- und Leistungsmesser läuft problemlos. Für die Testfahrt nehmen wir einen der beiden Ohrstöpsel mit, um im Straßenverkehr nicht taub zu sein. Freundlich begrüßt uns das Programm – alles komplett auf Deutsch – und wir entscheiden uns mündlich für eine freie Fahrt. Die Radar Pace sagt uns, sie erkenne, wenn wir uns bewegen bzw. wenn wir stehen, deswegen brauche man nicht auf einen Startknopf zu drücken. In der Praxis gibt es ein Problem: Die Brille ist auf den GPS-Empfänger des Smartphones angewiesen. Für guten Empfang muss das Handy also auch möglichst offen sein; selbst in der Rückentasche war der Empfang schlecht. Das führte trotz Fahrt zu nervigen Ansagen, das Training werde unterbrochen und wieder fortgesetzt. Die Qualität und Positionierung des Smartphone-GPS ist ganz klar der Flaschenhals, durch den das System muss.

In jeder Position sitzt die Radar Pace sicher am Kopf.

In jeder Position sitzt die Radar Pace sicher am Kopf.

Foto >Hersteller

Die anderen Funktionen der Smartbrille sind meistens richtig gut: Fragen nach der aktuellen Herzfrequenz oder Geschwindigkeit erkennt die Software in der Regel gut und beantwortet sie entsprechend. Über die Hörer kann auch Musik abgespielt und telefoniert werden, beides funktionierte problemlos. Die Steuerung erfolgt über ein Touchpad, das sich am linken Bügel befindet. Das funktioniert zwar, aber in Bewegung über die Fläche zu wischen oder sie überhaupt mit einem Finger zu treffen, war eher schwierig.

Positiv sind uns die abnehmbaren Ohrstöpsel aufgefallen: Sie liefern eine gute Sound-Qualität und machen trotz zwei Kugelgelenken einen sehr robusten Eindruck. Da sie abnehmbar sind, besteht hier das Potenzial, Teile zu verlieren, wünschenswert wäre, dass Oakley hier schnell Ersatz liefern kann.

Die \"Ear Booms\" sind schön robust. Zum Aufladen der Brille nimmt man diese Ohrstöpsel ab und steckt ein Mikro-USB-Kabel in die Brille.

Die "Ear Booms" sind schön robust. Zum Aufladen der Brille nimmt man diese Ohrstöpsel ab und steckt ein Mikro-USB-Kabel in die Brille.

Foto >Lennart Klocke / spomedis

Virtueller Coach

Laufen oder Radfahren? Das ist hier die erste Frage der Coach-App, denn beides geht nicht gleichzeitig. Im kurzen Testzeitraum konnten wir die Trainingspläne nicht ausführlich testen, bei einer Radtrainingseinheit funktionierte das Sprachfeedback ordentlich. Nicht gefallen hat uns, dass man keine eigenen Trainingspläne anlegen oder ins System importieren kann.

Intervallserien und Pausen; per Sprachausgabe steuert das Programm den Athleten.

Intervallserien und Pausen; per Sprachausgabe steuert das Programm den Athleten.

Foto >Hersteller

Fazit

Was können Triathleten also von der Radar Pace erwarten? Tendenziell hat man von der Smartbrille beim Radtraining etwas mehr, denn dort gibt es mehr Sensoren zu überwachen (Leistung, Herzfrequenz, Trittfrequenz) und das Smartphone, das immer dabei sein muss, stört im Radtrikot weniger. Wer nach Plan trainieren möchte, muss sich sowieso für eine Sportart entscheiden.

Positiv bewerten wir die Hardware und die Verarbeitung der Brille: Alles ist robust genug und man hat nicht das Gefühl, die Elektronik geht schnell kaputt. Auch die Spracherkennung und –ausgabe funktioniert gut, beim Koppeln mit dem Mobiltelefon gab es auch keine Probleme. Allerdings passt in das Gehäuse kein sehr großer Akku. Wir schätzen die Batterieleistung auf vier bis fünf Stunden, das könnte Langdistanzlern zu kurz sein. Was uns nicht einleuchtet, ist das Touchpad zur Audio-Steuerung: Warum bringt man an der Außenseite des Gehäuses nicht einfach einen Knopf mit spürbarer Haptik an, der sich im Eifer des Gefechts schneller und einfacher finden und bedienen lässt?

Gut vorstellbar, dass das Konzept der smarten Sportbrille in den nächsten Jahren ein größeres Thema wird. Kinderkrankheiten hatte die Radar Pace im Test keine, trotzdem ist eine Smartbrille einem Rad- oder Laufcomputer nicht wirklich überlegen. Anstatt während der Radausfahrt Selbstgespräche zu führen, kann man auch einfach kurz an den Lenker greifen und einen Knopf drücken.