Speedplay Zero Aero im Test

Diese Pedale von Speedplay sind die Wahl der Profis, wenn es darum geht, im Rennen den letzten Rest Luftwiderstand zu reduzieren. Wir haben die Zero Aero im Training und im Wettkampf getestet.

Von > | 27. Juni 2017 | Aus: EQUIPMENT

Die Oberfläche des Pedal-Cleat-Systems ist genoppt, wie bei einem Golfball. Das soll die Aerodynamik verbessern.

Die Oberfläche des Pedal-Cleat-Systems ist genoppt, wie bei einem Golfball. Das soll die Aerodynamik verbessern.

Foto >Hersteller

Beim Pedalsystem Zero von Speedplay handelt es sich um Pedale, die auf der Unterseite des Schuhs, zusammen mit den Pedal-Cleats, eine geschlossene, aerodynamisch-optimierte Oberfläche ergeben. Dies soll den Luftwiderstand reduzieren.

Um es vorweg zu nehmen: Wir haben bei den Zero-Pedalen nicht im Windkanal überprüft, wie groß die Ersparnis in Watt durch die Aero-Form der Pedale tatsächlich ist. Größer als im niedrigen einstelligen Bereich wird sie unserer Einschätzung nach nicht sein. Trotzdem waren wir neugierig auf das System, welches von Profis wie Sebastian Kienle und Jan Frodeno, denen es auf jedes Detail ankommt, gefahren wird. Wie schlagen sich die Pedale in Sachen Montage, Alltags- und Wettkampftauglichkeit?

Einbau und Wartung

Die Pedale werden mit einem Innensechskant-Schlüssel an den Kurbeln befestigt. Das Lager der Pedale kann und sollte regelmäßig nachgeschmiert werden, dafür bietet Speedplay auch eine spezielle Fettspritze an.

Die Cleats können sowohl mit Drei- als auch mit Vier-Loch-System am Radschuh befestigt werden. Wichtig ist, die Schrauben nicht zu fest anzuziehen, optimal sind 2,5 Nm. Andernfalls ist der Widerstand der Cleats beim Ein- und Aussteigen zu groß. Anders als bei anderen Klickpedal-Systemen wird die Spannung am Cleat, und nicht am Pedal reguliert. Speedplay bietet auch hierfür einen speziellen Drehmomentschlüssel an, mit dem das Anziehen der Schrauben leicht von der Hand geht. Die Position der Cleats lässt sich mit den Schrauben in einer Achse seitlich verstellen.

Richtig gut gefällt uns, dass man mit zwei kleinen Schrauben am Cleat die Bewegungsfreiheit des eingeklickten Schuhs einstellen kann. So kann man sich genau den Winkel einstellen, bei dem man sich am wohlsten fühlt. Die Cleats werden mit einem Gummi-Ring überzogen, der später mit dem eingeklickten Pedal eine abgeschlossene Aero-Oberfläche ergibt.

Der Praxistest

Das erste Einklicken ist ungewohnt, denn man steigt gerade in die Pedale ein und nicht schräg. Anders als bei den zweiseitigen Modellen von Speedplay muss man hier die richtige Seite finden, das geht mit etwas Übung, wie bei vielen anderen Herstellern, problemlos. Auch das Ausklicken funktioniert auf die bekannte Art, einfach den Schuh nach außen drehen. Speedplay bewirbt bei seinen Pedalsystemen die niedrige Bauhöhe, dadurch sollen Aerodynamik und Kraftübertragung verbessert werden. Zwischen Pedal und Cleat ist kein leerer Zwischenraum. Im Test fühlte sich die Kraftübertragung sehr gut an. Dazu trägt auch bei, dass man die Bewegungsfreiheit und Position der Cleats sehr genau auf seine Bedürfnisse einstellen kann.

Die Cleats mit und ohne Aero-Abdeckung: ganz links sind die Stellschrauben zu erkennen, an denen man die Rotation einstellen kann. Die vier schwarzen Schrauben müssen unbedingt mit dem richtigen Drehmoment angezogen werden.

Die Cleats mit und ohne Aero-Abdeckung: ganz links sind die Stellschrauben zu erkennen, an denen man die Rotation einstellen kann. Die vier schwarzen Schrauben müssen unbedingt mit dem richtigen Drehmoment angezogen werden.

Foto >Lennart Klocke / spomedis

Lockeres Radeln, kurze Antritte oder lange Wettkampffahrten mit viel Druck: Schon bald hatten wir uns an die Zero Aero gewöhnt und sowohl im Training als auch im Wettkampf konnten wir keine Schwächen feststellen. Einmal kam es vor, dass beim Fahren zwischen Cleats und Pedalen ein nerviges Quietschen zu hören war. Das konnte unterwegs durch Abnehmen der Gummi-Ringe gelöst werden. Nachdem wir diese zu Hause gereinigt hatten, kam das nicht mehr vor.

Zum Schutz beim Laufen in den Radschuhen können die Cleats mit Steckern abgeschlossen werden.

Zum Schutz beim Laufen in den Radschuhen können die Cleats mit Steckern abgeschlossen werden.

Foto >Hersteller

Material und Preise

Die Zero Aero sind mit den folgenden Materialien in den Pedalachsen erhältlich (Gewicht jeweils pro Pedal-Paar, inkl. Cleats):

  • Chromoly-Stahl: 310 g, 159,95 Euro
  • Edelstahl: 306 g, 209,95 Euro
  • Titan: 264 g, 369,95 Euro, nur bis 85 kg Körpergewicht

Fazit

Mit einem Kaufpreis von 159,95 bis 369,95 Euro sind diese Speedplay-Pedale eine echte Anschaffung. Der aerodynamische Vorteil und der daraus resultierende Zeitgewinn dürfte für die meisten Triathleten wohl kaum messbar sein. Ganz klar: Diese Aero-Pedale sind für Sekundenjäger und Zeitfahrer in erster Linie interessant. Die Pedale erfordern zudem ein wenig Achtsamkeit beim Einbau (Drehmoment beim Festziehen) und regelmäßige Wartung.

Die Pedale habe in unserem sechsmonatigen Testzeitraum so gut wie keine Abnutzungserscheinungen gezeigt: Das Einklicken ist so fest wie am ersten Tag und zwischen Pedal und Cleat ist nach wie vor kein Spiel, anders als z.B. bei Cleats von Look, die sich mit der Zeit abnutzen. Auch ungewolltes Ausklicken kam nicht vor. Wir bescheinigen dem Pedalsystem Zero Aero eine sehr hochwertige Verarbeitung, Material von hoher Qualität und ein überzeugendes Fahrgefühl.