Powermeter von Stages im Test

Ein Powermeter im Kurbelarm mit einfacher Montage und präziser Messung – damit wirbt Stages. Wir haben einen dieser Wattmesser ausführlich getestet.

Von > | 20. Juni 2017 | Aus: EQUIPMENT

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Die Powermeter von Stages messen die getretene Leistung im linken Kurbelarm. Um also einen solchen Wattmesser zu nutzen, müssen Fahrer den linken Kurbelarm abmontieren und dafür das entsprechende Modell von Stages anbauen. Das klingt komplizierter, als es ist: Die Geräte von Stages sind für die Shimano-Gruppen 105, Ultegra und Dura-Ace erhältlich, außerdem gibt es Varianten für FSA- und Campagnolo-Kurbeln, sowie Mountainbike-Optionen.

Montage und Einrichtung

Wir haben einen Stages-Powermeter mit einer Shimano-105-Gruppe verwendet: Zur Demontage des Kurbelarms bzw. Montage des Stages-Leistungsmessers benötigt man neben den gängigen Innensechskant-Schlüsseln ein Hollowtech-Werkzeug von Shimano. Wer dieses Werkzeug besitzt, sollte die Arbeit in zehn Minuten erledigt haben. Wichtig: Bei der Wahl des richtigen Powermeters müssen Sie auch ihre Kurbelarmlänge wissen. Vier verschiedene Optionen standen bei unserem Gerät zur Auswahl: 165, 170, 172,5 und 175 mm. Achtung: Vor der Montage müssen Sie überprüfen, ob das Gerät mit dem Rahmen kompatibel ist, bei manchen Modellen kann der Kurbelarm anstoßen. Hilfestellung hierzu bietet Stages selbst an.

Die Stromversorgung des Leistungsmessers erfolgt durch eine kleine Knopfzellen-Batterie, diese lässt sich ohne Werkzeug, zum Beispiel mit einer Münze, austauschen. Während unseres Testzeitraums von fünf Monaten mussten wir die Batterie nicht wechseln. Der Hersteller gibt 200 Stunden Batterielaufzeit an, das halten wir für realistisch.

Bei Erstinbetriebnahme oder Batteriewechsel muss der Leistungsmesser kalibriert werden. Das kann man entweder mit einem Radcomputer bzw. einer Triathlon-Uhr oder mit einem Smartphone und der entsprechenden App erledigen. Das Prinzip: Die Kurbel wird in die tiefste Position, die Nullstellung, gebracht, ein Klick auf Kalibrieren, fertig. Ein weiteres Kalibrieren ist nicht mehr notwendig, dank automatischer Temperaturregulierung messen die Dehnmessstreifen bei jedem Wetter. Der Stages-Powermeter überträgt mit ANT+ und Bluetooth, dadurch sind die gängigen Radcomputer und Smartphones kompatibel. Wir empfehlen, mit der Smartphone-App die Firmware auf die neueste Version zu aktualisieren.

Praxistest

Zugegeben: Am Anfang hatten wir so unsere Probleme. Denn die Verbindung zur Triathlonuhr Garmin Forerunner 920XT brach des Öfteren ab. Die relativ kleine Uhr, weit vorn am Handgelenk, konnte das Signal nicht immer empfangen. Problemlos ging es dann mit einem Radcomputer von Polar (V650). Die Leistungsdaten wurden ohne Unterbrechungen übertragen. Und das zu unserer vollen Zufriedenheit. In Sachen Präzision wirbt Stages mit einer Genauigkeit von +/- 2 Prozent. Das haben wir zwar an einem geeichten Gerät nicht überprüfen können, allerdings waren die Werte jederzeit sehr plausibel. Außerdem kam es zu keinerlei unerklärlichen Schwankungen oder Messfehlern. Zudem misst der Kurbelarm von Stages auch die Trittfrequenz. Das funktioniert ebenfalls hervorragend, das Gerät muss dafür am Radcomputer als Trittfrequenzsensor gekoppelt werden.

Bis zu 2.500 Watt können die Powermeter erfassen - genug für jeden Anstieg.

Bis zu 2.500 Watt können die Powermeter erfassen - genug für jeden Anstieg.

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Fazit

Der Stages-Powermeter tut, was er soll. Die Leistungsdaten werden zuverlässig und ohne Schwankungen übertragen. Gut gefällt uns, dass die Trittfrequenz ebenfalls gemessen wird, so muss man keine zusätzlichen Sensoren montieren. Da nur auf einer Seite gemessen wird, erhält man keine Daten über die Verteilung der Leistung auf beiden Beine, anders als bei Pedal-Powermetern.

In Sachen Montage und Inbetriebnahme können wir beruhigen, der ganze Vorgang klingt komplizierter als er ist. Wer ein Hollowtech-Werkzeug zu Hause hat, kann Kurbelarm (und Pedal) in zehn Minuten austauschen; sonst sollte jeder Radmechaniker dies ebenso schnell erledigt haben. Auch die Kalibrierung geht schnell und unkompliziert.

Der Preis für einen Powermeter von Stages unterscheidet sich je nach Schaltgruppe und Modell, die Preisspanne beginnt bei 569 Euro für eine Shimano-105-Kurbel, ein Ultegra-Modell kostet 629 Euro. Ein Kurbelarm für eine Campagnolo Super Record kostet mehr als 1.000 Euro.

Für die meisten Fahrer würde ein Stages-Powermeter somit um die 600 Euro kosten – günstig im Vergleich zu vielen anderen Leistungsmessern. Schwer vorstellbar, dass Fahrer in einem Blindtest den Unterschied zu einem Modell für mehrere tausend Euro feststellen. Der größte Nachteil, anders als bei Pedal-Powermetern im gleichen Preissegment, ist, dass der Stages Kurbelarm fest am Rad verbaut wird. So müssten Triathleten mit Rennrad und Zeitfahrmaschine wählen, an welchem Rad sie den Powermeter anbauen. Auch bei zukünftigen Rädern mit anderen Schaltgruppen oder bei einer gewünschten Änderung der Kurbelarmlänge wird es schwierig, das Modell mitzunehmen.