Winterjacke und Unterhemd von Assos im Test

Assos ist im Radsport ein Synonym für hochwertige Funktionskleidung zu hohen Preisen. Wir haben die 500 Euro teure Kombination aus der Winterjacke "iJ bonka.6 Cento" und dem Unterhemd "LS.skinfoil EVO 7" getestet.

Von > | 29. Dezember 2016 | Aus: EQUIPMENT

Lohnt sich die Investition von insgesamt 500 Euro für das Unterhemd und die Jacke von Assos?

Lohnt sich die Investition von insgesamt 500 Euro für das Unterhemd und die Jacke von Assos?

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Assos ist im Radsport schon lange ein Synonym für hochwertige Funktionsbekleidung mit Schweizer DNA. Neben ihren zahlreichen Details wird sie immer mit einem recht hohen Preis in Verbindung gebracht. Wir haben in den letzten Wochen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt der Top-Winterjacke samt Unterhemd auf den Zahn gefühlt. Die Kombination kostet zusammen stolze 500 Euro. Lohnt sich die Investition?

Wer auch bei kalten Temperaturen draußen auf dem Rad sitzt, kennt die Frage: Was zieht man an, was hält warm genug und was ist schon zu viel des Guten? Bleibt man auch bei höheren Intensitäten trocken oder steht nach drei Stunden das Wasser in der Jacke – auch wenn es gar nicht geregnet hat. Unangenehmer wird es, wenn eine Pause eingelegt oder etwa einen Platter repariert wird. Oder eben winddicht verpackt zu sein, wenn es bergab geht oder sich der Heimweg im Gegenwind in die Länge zieht.

Generationen von Ausdauersportlern schworen auf das Zwiebelschalenprinzip, bei dem eine Lage über die andere angezogen wird. So kann bei Bedarf durch Ausziehen der obersten Schichte für Luftzirkulation gesorgt werden. Der schweizer Anbieter von Radsportbekleidung Assos geht einen anderen Weg. Mit der Winterjacke "iJ bokna.6 Cento" sowie dem nahtlos gestrickten Unterhemd "LS.skinfoil EVO 7" soll man selbst für Ausfahrten um die 0 Grad gerüstet sein.

Die Test-Kombination von Assos

Hinter den recht umfangreichen Typenzeichnungen steckt im Wesentlichen eine Jacke aus neun verschiedenen Stoffen mit integrierter Gesichtsmaske sowie ein gestricktes, eng anliegendes Unterhemd. Einer der Schlüsselpunkte des sogenanntem "layering system" ist die Passform. Wir raten hier auf jeden Fall zur Anprobe, und zwar ganz konkret in gebeugter Position, so wie man auf dem Rad sitzt. Denn im Stehen erscheint die richtige Größe schnell zu kurz. Wir hatten die Slim-Fit-Version „Cento“ im Test.

Auffallend ist zu zunächst, wie dünn und leicht beide Teil sind. In XL bzw. Größe II beim Unterhemd wog beides zusammen nur 750 Gramm. Etwas stutzig machten uns anfangs auch die zahlreichen Applikationen und aufgedruckten Erklärungen, Logos, Patches usw. auf der Jacke.

Härtetest in der Kälte

Nach der ersten Ausfahrt, die unter dem Gefrierpunkt startete, und dann ein paar Stunden später leicht darüber wieder endete, war klar, dass Assos liefert, was vorher recht bunt auf bzw. in der Jacke versprochen wird. Selbst als starker Schwitzer konnte die Jacke samt Unterhemd überzeugen. Wo andere Kombinationen Schweiß in sich aufsaugen, bleibt das Innere der Jacke angenehm trocken, das Unterhemd wird nur minimal feucht – was laut Assos ein Zeichen für die Funktion sein soll. Auch ein leichter Norddeutscher Landregen konnte der Membran nichts anhaben. Darüber hinaus, sprich in strömendem Regen, konnten wir die Kombi bisher „leider“ noch nicht testen.

Hält die Membran vorn Wort, sorgen im hinteren Teil dampfdurchlässigere Partien für einen guten Abtransport der Feuchtigkeit. Bündchen und Kragen schließen gut ab, die drei offenen Taschen auf der Rückseite sind gut erreichbar und werden ergänzt durch zwei aufgesetzte mit Reißverschluss.

Der mit der Jacke leicht vernähte Gesichtsschutz kann wahlweise als Halstuch genutzt oder bis über die Nase gezogen werden. Auch hier setzt Assos auf atmungsaktives Gewebe und das funktioniert ausgesprochen gut.

Da Assos die Jacke und das Unterhemd als Kombination empfiehlt, musste natürlich der Vergleich mit einem Winterunterhemd einer anderen Marke sein. Und so gern wir das Gegenteil bewiesen hätten: Das funktioniert leider nicht genauso gut. Die Extraanschaffung lohnt aus unserer Sicht daher wirklich.

Fazit

Wobei wir wieder bei der Eingangsfrage wären: Lohnt es sich tatsächlich, für eine Radjacke und ein Sportunterhemd 500 Euro auszugeben? Auf den ersten Blick ist das viel Geld, so hochwertig die Verarbeitung auch sein mag. Es kommt drauf an, welcher Radsport-Typ Sie sind. Wenn Sie im Winter nur sporadisch draußen fahren und ab dem Gefrierpunkt lieber auf der Rolle sitzen oder Laufen gehen, ist der Nutzen der Jacke eher fraglich.

Wenn Sie aber der Typ sind, der sonntagsfrüh einen Kopfschüttler erntet, wenn Sie sogar bei Minustemperaturen auf Ihr Straßenrad steigen und einige Stunden draußen in der Kälte ausharren können, dann empfehlen wir die "iJ bonka.6"  samt "LS.skinfoil EVO 7" auf jeden Fall. Erträglicher macht den Preis zudem die Tatsache, dass Radsportbekleidung von Assos eine hohe Haltbarkeit hat. Und wenn mal etwas kaputt geht, wird seitens des Herstellers kulant reagiert und repariert. Teilen Sie den Preis einfach durch fünf Jahre oder mehr – wir fahren ältere Teile des Herstellers schon wesentlich länger –, dann wird der Preis schon wieder etwas erträglicher.