"Bekleidung kann mehr Leistung sparen als ein Aerohelm"

Sam Ratajczak ist Produktentwickler, Langstreckentriathlet und der Mann, der maßgeblich an dem Anzug beteiligt war, in dem Marino Vanhoenacker in Frankfurt gewonnen und auf Hawaii lange geführt hat. Wir haben ihn in seinem Reich, bei Bioracer im belgischen Tessenderlo, besucht.

Von > | 2. November 2012 | Aus: Equipment

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Marino Vanhoenacker im maßgefertigten Einteiler

Foto > Nis Sienknecht / spomedis

Sam Ratajczak, wie gehen Sie bei der Entwicklung eines neuen Wettkampfanzugs vor?

Generell fangen wir immer mit einer ganzen Reihe von Prototypen an, die rund ein Jahr lang von Triathleten unseres Testteams ausprobiert werden. Dieses Jahr haben wir mit 50 Modellen angefangen, zwei davon kommen jetzt auf den Markt.

Was ist so schwierig an der Entwicklung? 

Dass die Bekleidung für drei Disziplinen passen muss zum Einen und dass die Ansprüche für die verschiedenen Streckenlängen unterschiedlich sind zum Anderen. Wir hatten beispielsweise Shorts im Test, die einen cleanen Beinabschluss ohne Gummibedampfung hatten. Das war auf der Kurzstrecke super, hat auf längeren Distanzen aber angefangen zu drücken. Wir mussten also eine spezielle Langstreckenversion machen.

Sam Ratajczak

Bioracer-Produktentwickler Sam Ratajczak

Foto > Carola Felchner / spomedis

Wie viel macht die Bekleidung in puncto Leistung denn tatsächlich aus?

Eine ganze Menge! Wir waren mit verschiedenen Materialien und Oberflächenstrukturen im Windkanal – und die Bekleidung kann mehr Watt sparen als ein Aerohelm: Bis zu acht Minuten auf der Langstrecke, wenn man alles richtig macht.

Bei Marino Vanhoenackers Anzug haben Sie alles richtig gemacht?

Perfekt ist es nie. Wir haben an Marinos Anzug rund ein Jahr lang gearbeitet und arbeiten immer noch daran, Details zu verbessern. Aber der Anzug ist schon ziemlich weit vorn. Er hat geripptes Material an den Armen, an der Front ist der Stoff glatt. Unsere Tests haben ergeben, dass das bei einem Tempo von 40 km/h am besten funktioniert. Ein Golfballprofil funktioniert dagegen bei hohen Geschwindigkeiten um die 65 km/h sehr gut. Ich versuche immer, den Athletenkörper als eine Maschine zu sehen. Natürlich soll die Kleidung bequem sein, aber sie muss vor allem so gemacht sein, dass der Mensch darin performen kann.

Wie wichtig ist dabei, dass die Bekleidung dem Athleten auf den Körper geschneidert ist?

Für die Profis sehr wichtig. Ein Zeitfahrer im Straßenradsport hat eine ganz andere Statur, viel muskulösere Beine als ein Triathlet, der neben dem Radfahren auch Laufen und Schwimmen trainiert. Marino ist beispielsweise sehr groß und schlank, eine Normgröße würde nie so perfekt passen. Für Hobbysportler ist es nicht ganz so wichtig. Aber auch, wenn das Outfit nicht maßgeschneidert ist, kann man optimieren: Armlinge machen zum Beispiel schon etwas aus, noch besser ist es, wenn auch die Schultern bedeckt sind. Am allerbesten wäre ein Zeitfahrdress, aber der ist so geschnitten, dass man darin unmöglich laufen könnte. Trotzdem: Ich denke, im Triathlon wird es bekleidungstechnisch mehr und mehr in Richtung Timetrial gehen.