„Die Laufuhr ist der Fuchsschwanz des Triathleten“

Mehr Bewegung im Alltag – dafür setzt sich der "Wunderläufer" und Buchautor Achim Achilles ein. Auch moderne Sportuhren wollen zu mehr Bewegung animieren. Für Triathleten haben solche Laufuhren aber noch einen prahlerischen Zusatznutzen - sagt Achilles im Interview.

Von > | 26. November 2014 | Aus: EQUIPMENT

BerlinMan 2012_8 | Mit dabei der bekannte Blogger Achim Achilles -  gekleidet in wohlgetöntem Aerotrikot aus den 80ern?

Mit dabei der bekannte Blogger Achim Achilles - gekleidet in wohlgetöntem Aerotrikot aus den 80ern?

Foto >Petko Beier / pebe-sport.de

Pulsmessgerät, GPS-Sensor, Activity-Tracker: An den Handgelenken von Sportlern hängen schon seit langem keine einfachen Stoppuhren mehr, sondern alltagstaugliche Sportcomputer. Die kleinen Begleiter sollen ihre Nutzer zu mehr Aktivität animieren, indem sie ihnen zum Beispiel ein tägliches Bewegungspensum vorgeben und messen.

Eine gute Idee, findet Achim Achilles. Er ist unter anderem Autor des Buchs „Bewegt euch!“ und setzt sich dafür ein, die Bewegung in den Alltag des modernen Schreibtischtäters zurückzubringen. Sein Anliegen ist, Menschen dafür zu motivieren, die Treppe dem Fahrstuhl vorzuziehen oder mit dem Rad zur täglichen Arbeit zu fahren. Wir trafen Achim Achilles bei der Vorstellung des neuen Polar M400 in Hamburg. Der Wunderläufer, Autor und Sportphilosoph über die einzig wahre Funktion von Laufcomputern am Handgelenk, seine soziologischen Erkenntnisse beim Alternativtraining und warum Wassergymnastinnen ihn fürchten.

Achim Achilles, wieso brauchen Triathleten die neuesten Gadgets tatsächlich?
Man will halt auf sein irres Hobby angesprochen werden und es ist total peinlich, immer selbst mit der Tür ins Haus zu fallen. Die Uhr ist quasi der neue Fuchsschwanz; früher an der Antenne des Manta, heute am Arm des Triathleten.

Wieso braucht ein Triathleten so ein Statussymbol?
Das Problem ist ja: Ab einer gewissen Temperatur kann man nicht mehr in Finisher-Shirts herumlaufen. Und der Zeitfahrhelm ist im Büro extrem unpraktisch. Man muss seiner Umwelt irgendwie anders signalisieren, dass man ein total cooler, abgefahrener Triathlet ist. Deswegen ist so eine auffällige Uhr ein wahnsinnig guter Hinweis, mit dem man signalisieren kann: „Hey, hier bewegt sich einer extrem professionell.“ Allein diese Funktion: Ich hau auf die Uhr drauf und die sagt mir, um 23:30 Uhr muss ich wieder trainieren. Schatz, zieh dich schonmal ganz warm an.

Apropos warm anziehen: Welchen ultimativen Motivationstipp gegen Schnee, Kälte und Dunkelheit haben Sie?
Regeneration wird völlig überbewertet. Das macht man schon in den vier Wochen nach dem Wettkampf. Für mich und mein kleines Triathlonleben habe ich festgestellt: Man sollte mindestens jede der drei Disziplinen mindestens zweimal pro Woche „anticken“. Ich habe Kombinationstrainings, die wahrscheinlich jeder Trainer als total luschig empfinden würde. Im Fitnessstudio kann ich mich zum Beispiel auf dem Ergometer 30 bis 45 Minuten gut in Bereiche begeben, in denen ich sonst nicht bin. Eher intensiv und intervallig oder mit der Sonntagszeitung bewaffnet 45 Minuten und mehr bei hoher Frequenz.

Die Damen von der Wassergymnastik haben schon wieder Schiss vor den Schwimmeinheiten, die ich in meinem kleinen Fitnessstudio absolviere. Es gibt ja immer noch Menschen, besonders älteren Semesters, die finden, dass man zwar ins Wasser gehen darf, dabei aber nur minimal nass werden sollte. Diese Exemplare kennt jeder Triathlet. Ich finde: Wer am meisten spritzt, der trainiert auch am härtesten. Dieser Grundregel hat sich jede Gymnastin zu unterwerfen!

Wassergymnastik, hmm. Welche Alternativsportarten können Sie sonst ans Herz legen?
Gut, beim Beischlaf bin ich jetzt nicht so ausdauernd und will das nicht als Langstreckentrainingseinheit bewerten. Um ehrlich zu sein: einmal die Woche gehe ich mit meiner Frau zum Kundalini-Yoga. Allerdings mehr aus soziologischem Interesse: Was tun Frauen, wenn sie sich unbeobachtet fühlen? Die enttäuschende Nachricht ist: das Gleiche als wenn sie sich beobachtet fühlen. Das ist aber auch ein gutes Stabi- oder Gymnastikprogramm. Mittlerweile bin ich mit meinen Fingerspitzen nur noch 60 Zentimeter vom Boden entfernt, meine Elastizität hat deutlich zugenommen.

Sie sind selbst auch Triathlet. Welche Ziele haben Sie? Werden wir bald von einer erfolgreichen Hawaii-Qualifikation berichten dürfen?
Das sind natürlich genau die Fragen, die ich Ende November nicht hören möchte. Ich muss mein Leben darauf abstimmen, was die anderen Familienmitglieder so vorhaben. Meine geliebte Mona schreibt demnächst ihre Abschlussarbeit, das bedeutet, sie ist unausstehlich und hält sich im Wesentlichen von allen Familienpflichten fern. Ich muss kochen, waschen, bügeln, mich um die Kinder, den Haushalt und so weiter kümmern. Mit einem geordneten Training ist das nicht in Einklang zu bringen.

Mein Verein, die Weltraumjogger, wird einen Volkstriathlon in Berlin veranstalten. Da bin ich letztes Jahr echt schlecht gewesen und möchte wieder angreifen. Zwar ist es nur eine Volksdistanz, aber die ist insofern herausfordernd, als dass es keine Sekunde zu verschenken gibt. Es gibt generell viele schöne Wettkämpfe und ich mag Traditionsveranstaltungen, bei denen ich schon hundertmal war. Zum Thema Hawaii-Qualifikation: das kommt mit 60, bis dahin habe ich noch neun Jahre.