Magnic Light - ein berührungsloser Dynamo.

Magnic Light

Magnic Light
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Crowdfunding Mit Hilfe der Web-Gemeinde auf den Radmarkt

Aus der Branche | 20. März 2012
Der ehemalige Weltklasse-Duathlet Dirk Strothmann hat für die Finanzierung eines innovativen Fahrrad-Dynamos die Crowdfunding-Plattform "Kickstarter" genutzt. Wie das hierzulande noch eher unbekannte Programm funktioniert, erklärt er im Interview.
Dirk Strothmann, wie ist Ihr berührungsloser Raddynamo "Magnic Light" entstanden?
Die Idee zu Magnic Light entstand am 18. Juni 2011. Nach einer hausinternen Pasta-Party als Vorbereitung auf ein lokales 6-Meilen-Nacht-Rennen ("Die Nacht von Borgholzhausen") machte mein Bruder, der Elektronik-Experte in unserem Projekt-Team, einige Experimente zu Wirbelstrombremsen für Rennräder. Im Gespräch über die Grundmechanismen und insbesondere die nützliche Eigenschaft, dass Aluminiumfelgen für Magnetbremsen verwendet werden können - obwohl Aluminium selbst nicht magnetisch, sondern nur paramagnetisch ist - kamen wir auf eine coole Idee: Wenn wir für Wirbelstrombremsen Alufelgen verwenden können, sollte das Gegenteil auch funktionieren! Es müsste doch möglich sein, einen Fahrraddynamo zu bauen, der berührungslos die magnetische Kraft von der Felge absorbiert, anstatt die Felge abzubremsen.
Ein Video zum Vergleich von Magnic Light mit einem klassischen Nabendynamo finden Sie hier.


Warum halten Sie Ihr System gegenüber anderen Lichtanlagen für überlegen?
Es hat gewisse Vorteile, die auf der Hand liegen: Da es sich um eine Dynamo-Lösung handelt, braucht man keine Batterien zu wechseln oder Akkus zu laden. Da es berührungslos arbeitet, fallen die Nachteile älterer Rolldynamos wie starke Reibungsverluste, Durchrutschen bei Nässe und Dreck sowie lästige Störgeräusche weg. Im Gegensatz zu Nabendynamos kann man das System schnell nachrüsten und muss wesentlich weniger Gewicht (Komplettgewicht unter 200 Gramm) mit sich herumschleppen. Das System ist auch deshalb so leistungsfähig, da außen an der Felge eine hohe Relativgeschwindigkeit zwischen bewegtem Rad und Generator genutzt werden kann, während dies beim Nabendynamo an der Achse (also im Zentrum) umgekehrt ist.

Sie haben für Ihr Projekt über die Internet-Plattform "Kickstarter" ausreichend zahlungswillige Unterstützer gefunden. Wie läuft der Prozess der Crowdfunding-Finanzierung jetzt weiter?
Nach zwei Wochen wird das eingesammelte Geld über Amazon abzüglich Gebühren von knapp 10 Prozent (für Kickstarter und Amazon) überwiesen. Dann besteht die Verpflichtung, die zugesagten "Rewards" zu erfüllen, also zeitnah die kleineren Dinge wie Postkarten und T-Shirts zuzusenden und gleichzeitig die Realisierung der ersten Kleinserie anzugehen. Liefer- und Produktionsmöglichkeiten haben wir natürlich vorher schon geklärt, nur war der Umfang nicht bekannt. Da wir durch die Kickstarter-Aktion eine sehr große Nachfrage von Händlern und anderen Firmen generieren konnten, haben wir die Möglichkeit, langfristiger vorzugehen und können professionellere Wege gehen als es bei einer Kleinserie von weniger als 500 Stück mit sehr viel Handarbeit möglich gewesen wäre.

Was muss man tun, um Programme wie Kickstarter für seine Ideen zu nutzen?
Kickstarter hat den Vorteil, dass man im Erfolgsfall eine Startfinanzierung und gleichzeitig eine für Startups fast unbezahlbare Werbekampagne erhält. Kickstarter arbeitet nach dem "All or Nothing"-Prinzip: Nur wenn die von Dir selbst festgelegte Summe in einem selbst gewählten Zeitraum eingezahlt wird, erhältst Du das Geld, andernfalls gibt es nichts. Das hat für beide Seiten Vorteile, denn die potentiellen Unterstützer haben die Sicherheit, dass bei Misserfolg keinerlei Geld abgebucht wird und man selbst steht nicht mit einem halbfinanzierten Projekt da, bei dem man die zugesagten Rewards unter diesen Bedingungen nicht kostendeckend erfüllen kann.

Empfehlenswert ist Kickstarter für Projekte, bei denen man den Unterstützern idealerweise ein kreatives Produkt zurückgeben kann - das macht die Sache für beide Seiten interessant. Das kann auch ein Video oder ein Event sein. Ich denke, das wird aber nur mit einer gewissen Fangemeinde funktionieren, da die meisten Leute eher bereit sind Geld vorzustrecken, wenn am Ende etwas Greifbares dabei herauskommt. Außerdem sollte man berücksichtigen, dass Crowdfunding in Europa nicht sehr bekannt ist, so dass man doch zum großen Teil auf Unterstützer aus den USA angewiesen ist. Mit regional begrenzten Themen wird es dann schwer, überhaupt bemerkt zu werden. Da muss man sich immer noch selbst drum kümmern.

Wie kommt ein interessierter Erfinder mit seinem Projekt auf eine solche Plattform?
Es gibt verschiedene Crowdfunding-Plattformen wie "Indiegogo" oder "Rockethub". Aber Kickstarter ist mit Abstand am bekanntesten. Es hat allerdings den Nachteil, dass man als Europäer nur über einen Projektpartner in den USA dort herein kommt. Grund dafür ist die Bezahlung über Amazon Payments, deren Zahlungseingang derzeit noch nicht international verfügbar ist, was sich aber wohl bald ändern soll. Ansonsten muss man sich bei Kickstarter mit einem kurzen Text und idealerweise einem kleinen Video und einer Homepage bewerben, wobei sehr viele Projekte leider auch abgelehnt werden. Wir sind auch auch im ersten Versuch gescheitert. Bei anderen Plattformen entfällt diese Vorauswahl meistens.

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