Nils Frommholds Radleistung in Zahlen

Nils Frommhold ist auf dem Weg zu seinem Sieg bei der Challenge Roth in 4:09:30 Stunden über die 180 Kilometer lange Strecke „geflogen“. Er ist dabei 5:46 Minuten schneller gefahren als im Vorjahr auf der gleichen Strecke. Wir haben beide Datensätze gemeinsam mit den Experten von power2max verglichen.

Von > | 23. Juli 2015 | Aus: EQUIPMENT

Nils Frommhold | Nils Frommhold auf dem Weg zum Sieg bei der Challenge Roth

Nils Frommhold auf dem Weg zum Sieg bei der Challenge Roth

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Fast sechs Minuten schneller zu fahren als vor einem Jahr – das klingt nach einer Menge Trainingsfleiß und einem verdammt guten Tag. Diesen guten Tag hatte Nils Frommhold ganz offensichtlich. Allerdings hatte er den auch schon 2014. Wieso, weshalb und warum er in diesem Jahr auf dem Rad noch eine Schippe drauflegen konnte, schauen wir uns in einer vergleichenden Analyse seiner Leistungsdaten, aufgezeichnet mit seinem power2max Type S Leistungsmesser, an.

Bevor wir damit starten, zeigen wir aber noch einmal die Fakten der Ergebnisliste:

Vergleich 2014_2015 | Nils Frommhold Leistungsdaten im Vergleich

Nils Frommhold Leistungsdaten im Vergleich

Foto >power2max

Die Vermutung liegt nahe, dass Frommhold dank eines weiteren Jahres konsequent leistungsorientierten Radtrainings in der Lage war, deutlich mehr Watt auf das Pedal zu bringen und so auf der Radstrecke im Vergleich zum Vorjahr knapp sechs Minuten gutmachen konnte.

Schauen wir uns jedoch die durchschnittliche normalisierte Leistung und die durchschnittliche getretene Leistung den beiden Jahren 2014 und 2015 an, stellen wir fest, dass er sich „nur“

um 2 Watt in der durchschnittlichen normalisierten Leistung
und
um 7 Watt in der durchschnittlich getretenen Leistung

steigern konnte.

Braucht es demnach nur sieben Watt im Durchschnitt, um eine solche Verbesserung zu erreichen? Richard Geng von Synergy Protrainings sagt dazu: „Hier gilt vor allem die Betrachtung der tatsächlichen Durchschnittsleistung und nicht unbedingt die der normalisierten Leistung (NP), da diese ein errechneter und nicht gemessener Wert ist. Bei identischem Körpergewicht, gleicher Aerodynamik und ähnlichen Außenbedingungen können sieben Watt durchaus einige Minuten auf einer so lange Distanz ausmachen“, so der Berliner Sportwissenschaftler.

 

Vergleich Average und NP | Nils Frommholds Leistungsdaten

Nils Frommholds Leistungsdaten

Foto >power2max

In der Analyse der einzelnen Abschnitte fällt auf, dass Frommhold zwischen Kilometer 45 und 90 einen durchschnittlichen NP-Wert von 321 Watt erreicht, 18 Watt mehr als im Jahr zuvor und etwa 10 Watt mehr als im ersten und dritten Abschnitt. Der Athlet selbst erklärt das so: „Es hat sich am Anfang bis Kilometer 40 (Greding/Kalvarienberg) eine Spitzengruppe gebildet. Eigentlich ist nichts Besonderes passiert und das Fahren war eher taktisch geprägt. Kurz vor dem Anstieg hatte Andrew Starykowicz seinen zweiminütigen Rückstand nach dem Schwimmen kompensiert und von da an wurde es unrhythmisch. Es gab mehrere starke Attacken von Starykowicz. Die Gruppe blieb aber weitestgehend zusammen. Bis zum Solarer Berg (bei Kilometer 70), an dem ich mich zusammen mit Markus Fachbach absetzen konnte. Als ich die Lücke sah, wusste ich, dass es meine Chance ist, habe das Tempo forciert und gut in die Pedale getreten.“

Hinterher weiß man es immer besser. Aber damit hat Frommhold wohl taktisch perfekt gehandelt. Im richtigen Moment zur richtigen Zeit angetreten, sodass die Konkurrenten nicht folgen konnten. Der „Jäger“, wie sich Nils vor dem Rennen im Interview mit triathlonTV selbst bezeichnete, hatte zugeschlagen.

Nils Frommhold  | Nils Frommhold auf dem Weg zum Sieg bei der Challenge Roth

Nils Frommhold auf dem Weg zum Sieg bei der Challenge Roth

Foto >Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Frommhold baute von da an seinen Vorsprung so konsequent aus, dass er sich sogar erlauben konnte, auf den letzten 45 Kilometern durchschnittlich 18 Watt NP weniger als im Vorjahr zu treten, um in Hinblick auf den Marathon schon ein wenig Kraft zu sparen.

Nils Frommhold Challenge Roth 2015 | Nils Frommhold Leistungsdaten 2015

Nils Frommhold Leistungsdaten 2015

Foto >power2max

Nils Frommhold Challenge Roth 2014 | Nils Frommhold Leistungsdaten 2014

Nils Frommhold Leistungsdaten 2014

Foto >power2max

Schneller wegen der Witterungsverhältnisse?

Wer schon bei einer Langdistanz über 180 Kilometer unterwegs war, wird wissen, dass mehr oder weniger Wind bei gleicher Leistung enorme Zeitunterschiede ausmachen kann. Triathlon ist eben ein Outdoor-Sport und so stellt sich die Frage, ob die Windverhältnisse in diesem Jahr besser waren als 2014.

„Schwer zu sagen, aber eher nein“, sagt Frommhold dazu. „Vielleicht war es 2015 etwas windiger als im Vorjahr, aber es hat definitiv nicht so von hinten geblasen, dass es sich unglaublich auf die Endzeit ausgewirkt hätte.“

Die Wetterbedingungen haben die schnellere Zeit wohl wenig beeinflusst. Die zusätzlichen Watt in der Durchschnittsleistung spielen eine Rolle, aber ob sie so viel ausmachen, ist alles andere als sicher. Was könnte noch Grund für die schnellere Zeit gewesen sein?

„Um sich in Punkto Geschwindigkeit zu verbessern, sind die Aerodynamik des Materials und die Sitzposition elementare Parameter“, sagt das Expertenteam von Synergy Pro-Training. „Eine biomechanisch optimierte Sitzposition gewährleistet eine optimale Kraftübertragung mit dem Ziel, die vorhandene Kraft voll auf die Pedale zu bringen und die Muskulatur im optimalen Wirkungsbereich arbeiten zu lassen. In Kombination mit perfekter Aerodynamik bringt das den entscheidenden Zeitvorteil. Wenn der Athlet und seine Rennmaschine biomechanisch eine Einheit bilden und die Aerodynamik optimiert ist, kann ein Athlet bei gleicher Leistung schneller fahren als im nicht optimiertem Zustand.“

In unserer aktuellen Ausgabe der Zeitschrift triathlon finden Sie unter anderem den Rennbericht zur Challenge Roth und eine Reportage darüber, mit welchen Verfahren Profi-Triathleten und Hersteller heutzutage arbeiten, um die Aerodynamik bei gleicher Leistung zu verbessern. Alle Themen der Ausgabe finden Sie hier.


Nils Frommhold hat seit über einem Jahr gemeinsam mit seinen Ausrüstern Canyon und Endura stetig an seiner Position auf dem Rad und an der Verbesserung seiner Aerodynamik im Windkanal gearbeitet. Neben einem neuem, nochmals optimiertem Rad mit integriertem Trinksystem, konnte er nach eigenen Angaben eine deutliche Verbesserung der Aerodynamik durch eine geänderte Kopfhaltung und durch den maßgeschneiderten Renneinteiler erzielen:  „Ich habe während des Rennens besonders auf die Kopfhaltung geachtet und das auch im Training seit einigen Monaten speziell trainiert“, erklärt der Roth-Sieger. „Gleichzeitig habe ich mit meinem Bekleidungssponsor Endura und dem Team von drag2zero kontinuierlich an der Perfektion des maßgeschneiderten Renneinteilers gefeilt und diesen immer wieder in Hinblick auf Aerodynamik und Passform verbessert.“

Am Ende ist Frommholds Wunschszenario, die zweite Wechselzone mit Vorsprung auf die starken Läufer zu erreichen, mehr als aufgegangen: „Acht Minuten wären gut gewesen, aber zehn bis zwölf Minuten waren natürlich umso besser!“

Dafür brachte Frommhold über 180 Kilometer durchschnittlich 4,05 Watt normalisierte Leistung pro Kilogramm Körpergewicht (76 Kilogramm) auf die Pedale. Der Variabilitätsindex von 1,05 Punkten zeigt, dass er trotz der anfänglichen Attacken in der Führungsgruppe ein sehr gleichmäßiges Rennen gefahren ist.

Variabilitäsindex | Nils Frommholds Leistungsdaten

Nils Frommholds Leistungsdaten

Foto >power2max

Unter dem Strich steht eine deutlich schnellere Radzeit, die zwar auch durch eine höhere Leistung bedingt ist, aber sich vor allem damit erklären lässt, dass Frommholds Material und seine Sitzposition noch einmal verbessert wurden. Auch seine kluge und gleichmäßige Renneinteilung dürfte dieses Ergebnis positiv beeinflusst haben.