Unrund voran Ovale Kettenblätter im Test

Features | 23. Februar 2012
Mehr Leistung bei gleichem Aufwand? Ovale Kettenblätter als Trend zu bezeichnen, wäre zu früh. Wenn die unrunden Scheiben allerdings halten, was ihre Produzenten versprechen, dann könnte sich diese Lösung durchsetzen. Wir haben getestet.
Neu ist die Idee ovalisierter Ketten­blättern nicht. Schon in den 90er-Jahren brachte Shimano das sogenannte Biopace-Blatt auf den Markt, das mit seiner unrunden Form während der Tretbewegung die Belastung auf die Kniegelenke verringern ­sollte. Noch immer wird dieses damals gescheiterte und bald wieder vom Markt verschwundene Konzept beim Thema ovale Blätter genannt. Dabei ist die Idee hinter den aktuellen Modellen eine viel konsequentere: Der größte Umfang kommt in jener Phase der Tretbewegung zum Einsatz, wo Sie die meiste Kraft auf‘s Pedal bringen können. Stellen Sie sich eine Uhr vor: Wenn der Fuß von der 1-Uhr- zur 5-Uhr-Stellung drückt, ist die Kraftentwicklung am größten. Bei 6 und bei 12 Uhr entstehen zwei „Totpunkte“, an denen Sie wenig bis keine Beschleunigung erwarten können. Manche Athleten bremsen ihre Tretbewegung in dieser Phase sogar. Die ovalisierten Kettenblätter der beiden führenden Hersteller Osymetric und Rotor sollen genau an diesen beiden Phasen des Trittbilds ansetzen.

Von Kräften und Totpunkten

Korrekt montiert (bei den Q-Rings von Rotor gibt es verschiedene Möglichkeiten) sollen beide Modelle den Moment der größten Kraftentwicklung durch die größere Übersetzung unterstützen. In den Totpunkten soll der Kraftaufwand reduziert werden. Der dort geringere Umfang des Kettenblatts soll das Bein quasi über die 6- und die 12-Uhr-Stellung schieben. Neben einer verbesserten Kraftübertragung und einer damit verbundenen ­effektiveren Ausnutzung der Leistung des Fahrers versprechen die Hersteller sich von diesem Prinzip auch eine geringere muskuläre Ermüdung, was vor allem im Triathlon über die Langdistanz positive Auswirkungen haben könnte. Sollten diese Versprechen auch nur zum kleinen Teil zutreffen, ohne Fahr- und Schaltverhalten massiv zu beeinträchtigen, dann könnte man sich tatsächlich fragen, warum es noch immer Athleten gibt, die mit Standard-Kettenblättern unterwegs sind. Eine Studie der spanischen Universität von Valladolid scheint die Herstellerangaben zu bestätigen: Der Vergleich zwischen ­Q-Rings und normalen Kettenblättern endete 3:0 für die unrunde Variante: Die Probanden erreichten ­höhere Wattwerte bei gleicher oder etwas ­geringerer Herzfrequenz, hielten in ­einem Dauertest bei konstanter Leistung länger durch, und konnten in kurzen Sprinttests mehr Leistung auf die ­Kette übertragen. Wir wollten es genau wissen und haben sowohl die Osymetric-Kettenblätter als auch die Q-Rings von Rotor einem umfangreichen Praxistest unterzogen.