Wie sieht es aktuell aus auf dem Neoprenmarkt - und wohin führt der Weg?

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Challenge Wanaka 2013
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Neoprenanzüge Die Entwicklung auf dem Schwarzmarkt

Praxistipp | 8. März 2013
Unter dem unscheinbaren Schwarz eines Neoprenanzugs verbirgt sich eine Menge Technologie. Wir zeigen den Status quo 2013 und wo die Entwicklung hingeht.
Früher war alles zäher. Zumindest, was Neoprenanzüge betrifft. Da ­musste man gegen dickes, starres Material ankämpfen, vom Reinschlüpfen über jeden Kraulschlag bis hin zum Ausziehen in der Wechselzone – Letzteres nicht selten liegend (und fluchend) oder mit Unterstützung freundlicher Helfer. Der „Stoff“, aus dem Wetsuits heute sind, ist deutlich leichter und flexibler geworden. Spezielle Innenmaterialien nehmen kaum noch Wasser auf, „so bleiben die Anzüge auch im nassen Zustand sehr leicht“, weiß Jan Sibbersen, Geschäftsführer der sailfish GmbH. Bereits im Preisbereich unter 200 Euro finden sich heutzutage vereinzelt solche Extras oder auch sogenannte SCS-Beschichtungen (s. Kasten). Flexibel machen die schwarzen Schwimmhäute hochwertigeres Neopren und moderne Nahttechnologien, die häufig zusätzlich verklebt oder verschweißt werden.

Kälteschutz oder Schwimmhilfe?

Trotz der durch die Bank verbesserten Wetsuit-Technologien: Ein Budgetneo um die 250 Euro wird sich nie mit einem Topmodell messen können. „Im Niedrigpreisbereich geht es ausschließlich um Kälteschutz“, stellt 2XU-Importeur Matthias Filser klar. Abstriche bei Dehnfähigkeit, Passform und Extras müssen in Kauf genommen werden. Letzteren steht Sibbersen ohnehin skeptisch gegenüber: „Da ist das Regelwerk in den vergangenen Jahren teils recht großzügig ausgelegt worden mit diversen Anbauten“, kritisiert er, glaubt jedoch, dass klarere Vorgaben der Internationalen Triathlon Union (ITU) dem übertriebenen Aufrüsten bald Einhalt bereiten könnten. Dass einige „Anbauten“ durchaus hilfreich sein können, sei unbenommen. Welche genau das sind, darüber scheiden sich die Experten-Geister. So hält ­Matthias Filser Hüfteinsätze an der Seite für eine bessere Wasserlage und Unterarm-Panels zur Unterstützung des Armzugs für eine gute Sache, insbesondere im Einsteigerbereich. Beat Bühlmann von Erox glaubt hingegen, dass „Triathleten immer bessere Schwimmer werden, die weniger Anzüge wollen, die die Wasserlage beeinflussen.“ Einig sind sich die Anbieter dennoch in einer Sache: Der Farbe beziehungsweise Nicht-Farbe.

Schlichtes Hightech

Schwarz dominiert nach wie vor. Denn trägt man Farbe auf, wird der Neo nach heutigem Stand ohne aufwendige Spezialbehandlung störrisch und reißanfällig. Das bestätigt auch Bühlmann, dessen markant blaue Wetsuits mit einer speziell strukturierten Oberflächenveredelung hergestellt werden, die den Nachteil der Farbe kompensiert. Doch nicht nur die Möglichkeiten in der Neo-­Fertigung haben sich geändert, auch die Ansprüche der Athleten sind andere geworden. Galt früher oft „Farbe vor Funktion“ und vereinzelt derber „Schlabberlook“, wissen die Sportler heute genau, was sie möchten: schneller vorankommen. Einige Hersteller nähern sich diesem Wunsch mit Auftriebs­elementen von eingeschlossenen Gas­bläschen bis zum dickem Austarier-Element. Andere sehen den Trend hin zu Individuallösungen. Auf jeden Fall sind und bleiben die bescheiden schwarz aussehenden Schwimmhelfer eins: hochtechnisch. Wir haben für Sie eine Übersicht aktueller Modelle zusammen­gestellt – sortiert in drei Preisklassen. In der ersten können Sie die Grundausstattung mit kleinen Extras erwarten. Kälteschutz plus sozusagen. Kategorie zwei trumpft mit Be­schichtungen, Kürzungsmöglichkeiten und diversen anderen Details auf. Und in der ­Königsklasse „Premium“ tummelt sich die Speerspitze der Wetsuit-­Manufakturkunst.
Mehr zum Thema Neoprenanzüge und viele zusätzliche Informationen zum Open-Water-Swimming finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe triathlon Nr. 109, die im Zeitschriftenhandel oder hier erhältlich ist.