Die Versorgung der "Maschine Mensch"

Dass die Verpflegung besonders auf längeren Distanzen einen großen Anteil an der Gesamtleistung eines Triathleten hat, ist bekannt. Wir haben bei Thorsten Frahm von Profile Design nachgefragt, wie man seine Ernährung auf dem Rad am besten und sichersten transportiert.

Von > | 24. März 2015 | Aus: EQUIPMENT

Trinksystem

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Thorsten Frahm, Sie sind schon seit vielen Jahren aktiv und in verschiedenen Funktionen von der Radindustrie bis zum Streckensprecher im Triathlonsport dabei und haben viele Transporttrends für Getränke und Verpflegung kommen und teilweise auch wieder gehen sehen. Warum ist das Thema bei den Triathleten dauerhaft so präsent?

Megathlon 12 | Streckensprecher Thorsten Frahm beim Megathlon am Bodensee

Streckensprecher Thorsten Frahm beim Megathlon am Bodensee

Foto >Ralf Müller

Jeder hat verstanden, dass man nur mit optimaler Versorgung die perfekte Leistung bis auf die Ziellinie bringen kann. Der Transport von Getränken und fester Verpflegung mit schnellem und angenehmem Zugriff brachte über die Jahre viele Ideen und Erfindungen mit sich. Einiges kam und einiges ging - Triathleten sind experimentierfreudig und offen; manchmal auch kleine Erfinder! Zum Glück haben fast alle Athleten verstanden, wie wichtig die Versorgung der "Maschine Mensch" ist. 

Die Marke Profile Design, für die Sie arbeiten, kümmert sich traditionell stark um dieses Thema und bietet Lösungen von der Standard-Trinkflasche bis zum aufwändigen Aeromodell am Lenker. Was ist Ihr momentaner Verkaufsschlager?

2014 haben wir mit dem Aero-HC - einer speziell geformten Trinkflasche für die Montage zwischen den Lenker-Extensions - einen großen Schritt gemacht, und das System über die Zusammenarbeit mit Partnern und Athleten zum neuen FC-Trinksystem perfektioniert. Dabei war es uns wichtig, drei wichtige Faktoren für den Transport von Getränken zu vereinen: eine aerodynamisch sinnvolle Platzierung, die aber das Handling des Rades und die Abläufe im Rennen nicht beeinflussen sollte. Das halte ich für die relevanten Eigenschaften. Egal bei welcher Lösung und egal, von welchem Hersteller sie kommt.

Warum?

Profis und Amateure mit sicherer Radbeherrschung können dann sogar trinken, ohne die Aeroposition zu verlassen. Aber eben nur, wenn die genannten Bedingungen erfüllt sind. Wer es richtig gut machen will, der integriert zusätzlich eine Verstaumöglichkeit für Riegel und Gels und eine optimale Halterung für die elektronische Kommandozentrale. Dann kann man tatsächlich das meiste unterwegs erledigen, ohne die strömungsgünstige Position zu verlassen.

Die Aerodynamik ist offenbar auch in solchen Details ein immer stärker aufkommendes Thema. Welche Lösungen sind aus dieser Sicht ideal?

Die Positionierung zwischen den Armen bildet eine perfekte Fronteinheit. Ich finde, bei unserem Gemeinschaftsprojekt mit Scott ist es uns für das "Plasma 5" gelungen - und dann erzielt man auch im Windtunnel und im Renneinsatz die besten Werte. Was bei aller Aerodynamik aber meist vergessen wird: der Transport und die Positionierung von Trinksystemen beeinträchtigt das Fahrverhalten des Rades! Wichtiger als die Materialeinheit ist das Handling. Wer seine Aeroposition verlassen muss, um zu trinken, macht den Zeitgewinn eines ausgeklügelten Systems auf einen Schlag kaputt.

Markus Fachbach | Wer sich zum Trinken aufrichtet, verschlechtert die Aerodynamik deutlich.

Wer sich zum Trinken aufrichtet, verschlechtert die Aerodynamik deutlich.

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Geben Sie uns ein paar Tipps. Welches System ist für einen Kurzdistanzler das sinnvollste?

Das hängt immer von seinem Cockpit ab. Nutzt er ein Triathlon-Cockpit mit Zeitfahrlenker, dann bietet sich ein zwischen den Extensions montiertes System an. Bei einem klassischen Rennlenker ohne oder mit nur ganz kurzem Clip-On-Aufsatz, kann man als sehr ambitionierter Athlet mit entsprechenden Adaptern ebenfalls ein System am Lenker montieren. Dann muss man nicht zur klassischen Flasche im Rahmen greifen.

Und für diejenigen, die auf längeren Distanzen zuhause sind und entsprechend mehr Transportbedarf haben?

Am besten ein Lenkersystem mit mehr Ladekapazität. Wer zum Nachfüllen im Rennen oder Training auf Nummer sicher gehen will oder sich nicht sicher fühlt, Flaschen im Wettkampf von außen anzunehmen, kann zusätzlich ein System mit zwei Flaschenhaltern hinter dem Sattel montieren. Bei vielen lassen sich dort zusätzlich Ersatzschlauch und Pump-Kartusche unterbringen.

Welche Trends sehen Sie für die Zukunft? Wird alles noch ausgetüftelter oder führt der Weg irgendwann zurück zum Einfachen?

Ersteres! Die Entwicklungen gehen weiter. Zusammen mit unseren Partnern haben wir tolle Projekte in der Entwicklung angeschoben. Und die perfekte Symbiose des Trink- und Verpflegungstransports beim "Plasma 5" hat gezeigt, was in dieser Richtung geht. Trotzdem ist der Anreiz groß,  die Perfektion weiter zu treiben. Das Scott-Bike hat mit seiner Perfektion in Aerowerten und Handling nun einen Wettlauf um die Zukunft entfacht - Sebastian Kienles Hawaii-Sieg war die Sahne als Krönung von mehr als zwei Jahren erstklassiger Teamarbeit. Da wollen und werden wir weiter machen.

Scott Plasma 5 | Beim Scott \"Plasma 5\" stammt die Trinkeinheit von Profile Design

Beim Scott "Plasma 5" stammt die Trinkeinheit von Profile Design

Foto >fotorika.de