Defekte Neoprenanzüge Erste Hilfe für die Gummihaut

Praxistipp | 6. August 2014
Ihr Neoprenanzug hat in der ersten Saisonhälfte beim Training oder im Rennen kleinere Macken bekommen? Was tun, wenn das teure Schwarze Opfer langer Fingernägel oder anderer spitzer Gegenstände geworden ist? Bei geringen Schäden können Sie die Gummihaut selbst reparieren.
Wenn Ihr Rennrad einen platten Reifen hat, dann wird geflickt, klare Sache. Und wenn das Tretlager nicht in die Lagerschalen passt? Dann gehen Sie zum Fachhändler. Genau so sollten Sie es auch mit dem zweitteuersten Ausrüstungsgegenstand im Triathlon machen: Kleinere Arbeiten am Neoprenanzug können Sie selbst vornehmen, bei größeren Defekten empfehlen wir den Besuch beim Profi. Die typischen, oberflächlichen Beschädigungen, die meist durch Fingernägel oder das Hängenbleiben an spitzen Gegenständen entstehen, können Sie mit unserer Anleitung in Eigenregie reparieren. Längere oder tiefere Risse, bei denen auch die innere Kaschierung des Anzugs betroffen ist, sind ebenso wie aufgerissene Nähte oder größere Löcher beim Experten besser aufgehoben. Nur ein Fachmann ist in der Lage, Ihre Schwimmhilfe ohne große Qualitätseinbußen wiederherzustellen. Erkundigen Sie sich am besten im nächsten Tauchgeschäft oder bei Ihrem Neoprenhändler, wo Sie solche Arbeiten erledigen lassen können.
Hinweis
Alle unsere Angaben wurden mit der Unterstützung vom Neopren-Service Cornelia Reiter aus Henstedt-Ulzburg (www.neopren-service.de) erarbeitet. Bitte beachten Sie, dass es sich dabei nur um Tipps handelt. Da Defekte am Neoprenanzug aber äußerst unterschiedlich ausfallen können, kann im Einzelfall eine andere Behandlung angemessen sein. Wenden Sie sich im Zweifel lieber an einen Experten, als Ihren teuren Anzug durch unsachgemäße Behandlung zu schädigen.

So kleben Sie kleinere Risse

Sorgen Sie zunächst dafür, dass die zu verklebenden Flächen sauber, trocken und fettfrei sind. Sollten Sie Reste von Melkfett, Vaseline oder Sonnenmilch auf dem Anzug finden, so säubern Sie diesen mit Aceton und lassen ihn anschließend trocknen. Entfernen Sie raue Stellen auf den zu verklebenden Flächen vollständig. Um die beiden zu verklebenden Flächen zum Auftragen des Klebers auseinander zu halten, beschweren Sie das Neopren auf beiden Seiten mit Gewichten, nachdem Sie die beiden Kontaktflächen auseinander gezogen haben. Falls Sie einen Zweikomponenten-Kleber benutzen, so mischen Sie diesen im Verhältnis Kleber : Härter = 100 : 5 an. Nehmen Sie dafür auf keinen Fall ein Plastikgefäß, greifen Sie lieber auf ein ausgedientes Marmeladenglas oder dessen Deckel zurück. Nutzen Sie am besten schwarzen Kleber, nur an Stellen mit eingefärbtem Neopren empfiehlt sich eine transparente Variante.
Streichen Sie nun mit einem feinen Pinsel beide zu verklebenden Flächen mit einer dünnen und gleichmäßigen Schicht ein. Lassen Sie diesen ersten Anstrich für etwa 20 Minuten trocknen. Er muss fest sein, darf aber nicht aushärten, deshalb sollten Sie diese Zeit möglichst genau einhalten. Tragen Sie eine zweite dünne Schicht auf beide Teile auf. Diese lassen Sie etwa fünf Minuten lang bei Zimmertemperatur antrocknen, bis sie zwar noch klebrig ist, aber keine Fäden mehr zieht.
Fügen Sie die beiden Flächen passgenau aufeinander und pressen Sie sie mit möglichst großer Kraft gegeneinander. Achten Sie darauf, dass beide Flächen vollständigen Kontakt zueinander haben. Zum Aushärten hängen Sie den Anzug für mindestens zwölf Stunden lichtgeschützt auf. Seine Endfestigkeit erreicht der Kleber nach etwa 24 Stunden.

Schutzstreifen aufbügeln

Viele Triathleten schneiden an den Arm- und Beinabschlüssen einige Zentimeter des Anzugs ab, um entweder eine bessere Passform zu erreichen oder das Ausziehen in der Wechselzone zu erleichtern. Einige Hersteller haben darauf bereits reagiert und jeweils die letzten Zentimeter der Nähte mit einem Schutzband versehen. Ohne dieses Band würde die Naht am Ende aufgehen und in Folge immer weiter aufreißen. Falls ihr Anzug nicht mit diesem Schutz ausgestattet ist, können Sie ein solches Schutzband selbst anbringen. Dafür brauchen Sie ein so genanntes Bügeltape, das im Fachhandel erhältlich ist. Allerdings ist dieser Arbeitsschritt durch die Hitze des zu verwendenden Bügeleisens nicht ganz ungefährlich. Sollten Sie sich unsicher sein, so lassen Sie lieber einen Experten ans Werk.

Zum Anbringen eines Bügeltapes legen Sie den zurechtgeschnittenen Streifen mittig von der kaschierten Innenseite des Anzugs über die Naht. Legen Sie unbedingt einen dünnen Stoff – beispielsweise ein Geschirrtuch – über die Stelle, die Sie behandeln. Sonst können Sie das Tape später nicht mehr vom Bügeleisen entfernen. Stellen Sie Ihr Bügeleisen (ohne Dampf) auf Stufe zwei, sonst schädigen Sie das Material nachhaltig. Dann stellen Sie das heiße Gerät für maximal zehn Sekunden auf dem mit dem Tuch verdeckten Bügeltape ab. Überprüfen Sie nach einer Minute Wartezeit, ob sich das Tape fest mit der Kaschierung verbunden hat. Führen Sie den Arbeitsschritt lieber zweimal durch, als das Bügeleisen zu lange stehen zu lassen.