Fette für die Kette - und die anderen schmierbedürftigen Radteile.

Frank Wechsel / spomedis

Fette für die Kette - und die anderen schmierbedürftigen Radteile.
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Radpflege Gut geschmiert ist halb gerollt

Praxistipp | 11. September 2014
Nähmaschinenöl für die Fahrradkette? Das war einmal. Heute sollen Teflon, Keramik und Nano-Technologie den Renner geschmeidig laufen lassen. Wir zeigen Ihnen, was diese Stoffe können und wo Sie sie am besten einsetzen.
Winterzeit ist Schrauberzeit. Viele Triathleten nutzen die kalten Monate, um ihr Rad frühlingsfit zu machen. Neue Teile werden angebaut, der Renner vom Ritzel bis zum Bremshebel geputzt. Es lohnt sich aber, das gute Stück auch während der Saison zu pflegen. So kann man nicht nur Reparaturkosten, sondern auch Energie sparen: Gut geschmiertes Material verringert nämlich Reibungsverluste und damit ungewollten Kraftaufwand.
Die wichtigsten Pflegestellen
Kette: alle 200–300 Kilometer, nach jeder Regenfahrt
Kettenblätter und Ritzel: werden beim Durchdrehen der Kette mitgeschmiert
Umwerfer und Schaltwerk: zweimal jährlich, bei Regenfahrten häufiger
Tretlager: beim Radaufbau, sonst einmal pro Jahr
Naben, Schnellspanner und Speichennippel: witterungsabhängig, ein- bis dreimal pro Jahr
Steuersatz: beim Radaufbau, danach einmal pro Jahr
Lenker und Vorbau: bei Montage, sonst einmal jährlich
Sattelstütze: mindestens einmal pro Jahr, bei häufigem Ausbau öfter
Bremsen: witterungsabhängig, mindestens zweimal jährlich. Achtung, kein Schmiermittel auf Bremsgummis und Felge bringen!
Schrauben: bei Montage, danach einmal pro Jahr
Bowdenzüge: bei Montage
Pedale und Kurbeln: Pedale mindestens halbjährlich, Kurbeln mindestens einmal pro Jahr
Die Basis der meisten Schmierstoffe ist nach wie vor Öl. Welches Mittel sich für welchen Einsatzzweck eignet, bestimmen seine Zusatzstoffe. Je nach Zusammensetzung bildet sich ein nasser Schmierfilm, der in die Komponenten kriecht und zu einem gewissen Grad auch Schmutz und Nässe trotzt. Oder ein trockener, auf dem kein Staubkorn haftet, dessen schlechtere Kriechfähigkeit aber ein häufigeres Nachfetten erfordert.
Bei Montagefetten oder -pasten gibt es ebenfalls zwei Kategorien: für eine bessere Gleitfähigkeit von ­Lagern und Steuersätzen oder für höhere Reibung und ­geringere Anzugsmomente bei Sattelstütze, Vorbau und Lenker. Achtung: Wenn eine Klemmkomponente aus Karbon besteht, muss eine spezielle Karbon-Montagepaste verwendet werden.

Welche Schmierstoffe gibt es?

Festschmierstoffe: Die Schmierung übernehmen feste Partikel, die dem Öl beigesetzt sind. Aufgrund ihrer Struktur gleiten die Partikel leicht aufeinander und verringern so die Reibung. Zum Einsatz kommen PTFE (Teflon), Keramik- oder Wachspartikel und Nano-Technologien. Festschmierstoffe eignen sich für trockenes bis feuchtes Wetter.
Trockenschmierstoffe: Sie bestehen aus einem Feststoffanteil und einem Lösemittel als Trägersubstanz. Zur Schmierung dienen ausschließlich die festen Bestandteile, meistens Wachs. Das Lösemittel verdunstet und lässt einen trockenen Schmierfilm zurück. Trockenschmierstoffe eignen sich am besten für trockene Wetterbedingungen.
Nassschmierstoffe: Hier kommen synthetische oder biologische Öle zum Einsatz, die mit druckresistenten Zusatzstoffen versetzt werden, um eine hohe Viskosität (Zähflüssigkeit) zu sichern. Sie hinterlassen einen nassen Schmierfilm, sind wasserabweisend und ­damit besonders für extrem nasse, schmutzige Bedingungen geeignet.
Fette und Pasten: Diese Schmiermittel sind unter anderem mit Teflon, Kalzium oder Lithium versetzt. Die Zusammensetzung variiert je nach Einsatzzweck. So gibt es spezielle Montagepasten für Karbonteile, da dieses Material mit Alu-Schmierstoff kaum Halt in der Klemmung finden und gefährlich hohe Anzugskräfte ­erfordern würde.
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