Strategiespiele Besser mit Plan

Psychologie | 27. Mai 2009
Sie müssen nicht zu einem grandiosen Schauspieler oder durchtriebenen Lügner mutieren, um taktisch klug zu handeln. Schon wer sich in Ruhe und sorgfältig eine Strategie zurechtlegt, kann sich im Rennen erstaunlich viele Vorteile verschaffen.
Noch drei Minuten bis zum Start. Hier und da wird nervös an der Schwimmbrille gezupft, anderswo ein letztes Mal den Lieben an Land zugewinkt. Doch konzentrierte Stille ist etwas anderes. Von Erkältungen ist die Rede, von schlaflosen Nächten, viel Stress im Job oder nicht ganz ausgeheilten Verletzungen. Von zu wenig Training sowieso. Vereinzelt auch von den hohen Erwartungen der wartenden Verwandten und von vorsintflutlichem Equipment. Sind hier etwa nur Kranke, Verletzte, Untrainierte und Unmotivierte am Start? Dass dieser Schein trügt, wird spätestens dann klar, wenn alle im Ziel sind. Wenn der mit der dicksten Erkältung am Ende den dicksten Pokal in den Armen hält. Wozu dann aber diese Tiefstapelei? Allesamt durchtriebene Taktiker? Bluffer, die ihre Gegner vor dem Start in Sicherheit wiegen wollten?
„Übertriebene Tiefstapelei vor einem Wettkampf ist genauso wie die vorlaute Kampfansage bei Hobbyathleten wohl eher eine Abreaktion. Sie soll die eigene Unsicherheit überspielen“, meint der Sportwissenschaftler und Diplompsychologe Gregor Kuhn, der im Auftrag des Deutschen Sportbunds unter anderem Athleten auf die Olympischen Spiele vorbereitet. Dem bewussten Verunsichern und Beeindrucken von Gegnern komme zwar mit steigendem Leistungsniveau eine immer größere Bedeutung zu, im Profibereich sei es nicht unüblich. Hobbyathleten sollten sich jedoch eher auf ihre eigene Rennstrategie konzentrieren, als sich zu sehr mit den Gegnern und äußeren Erwartungen zu beschäftigen.

Banal, aber entscheidend

Eine eigene Rennstrategie? Wenn Sie erst einmal beginnen darüber nachzudenken, werden Sie schnell feststellen: Taktik umfasst viel mehr als nur die psychologischen Aspekte; Taktik besteht nicht nur aus bewusstem Bluffen, mutigen Kampfansagen oder vornehmer Zurückhaltung. Sie ist ein ganzes System von Handlungsplänen und Entscheidungsalternativen – und setzt die Fähigkeit voraus, das eigene Wettkampfkonzept gegen das des Gegners durchzusetzen. Zur rechten Zeit die richtigen Entscheidungen zu treffen, bei Bedarf Risiken einzugehen und vorübergehend Nachteile hinzunehmen.
„Die Leistungsdichte im Triathlon ist in den vergangenen Jahren gewachsen, daher wird es für jeden Einzelnen immer wichtiger, alle Reserven auszuschöpfen“, sagt Dr. Heiko Ziemainz, Sportpsychologe am Institut für Sportwissenschaft und Sport der Universität Erlangen-Nürnberg. „Dazu gehört auch, sich ganz bewusst vor einem Rennen eine Strategie zurechtzulegen“ – ein Potenzial, das viele Hobbyathleten noch gar nicht für sich nutzen. Dabei sei es gerade für diejenigen, die einen Vollzeitjob haben und ihre gesamte Freizeit in ihr Training investieren, „extrem ärgerlich, wenn der Erfolg dann an banalen Dingen scheitert und der ganze Aufwand umsonst war“, sagt Ziemainz.
Auf den ersten Blick banale, im schlimmsten Fall jedoch über Erfolg oder Misserfolg entscheidende Fragen sollten Sie vor jedem Rennen beantworten, denn, so Ziemainz, „es sind die kleinen Dinge, die den Erfolg ausmachen“: Wann reisen Sie an? Wie wird das Wetter? Wie finden Sie Ihren Wechselplatz nach dem Schwimmen wieder? Wo ist die für Sie günstigste Startposition? Wie orientieren Sie sich im Wasser? Haben Sie das richtige Ritzelpaket montiert? Haben Sie einen Ersatzschlauch eingepackt? Wann soll die Nahrungsaufnahme erfolgen? Vertragen Sie die an der Strecke angebotenen Getränke? Wie sieht das Profil der Laufstrecke aus?