Arzt verordnet Triathlon

Ein Sportmediziner aus dem Münsterland will die Welt ein bisschen fitter machen und hat die Aktion "Tri-Trimming" ins Leben gerufen. Viele seiner Patienten verlassen seine Praxis seitdem mit einer Aufgabe: eine Sprintdistanz pro Woche.

Von > | 31. März 2015 | Aus: Training

Lauftraining im Frühling

Frühlingslauf in München - beim Shooting für die Einsteiger-Laufbibel

Foto > Michael Rauschendorfer


Herr Dr. Hennig, wie viele Ihrer Patienten sollten mehr Sport treiben?

Das ist in Zahlen schwer auszudrücken. Allerdings hat Sport als Therapie wissenschaftlich nachgewiesen einen sehr hohen Stellenwert, der den einer medikamentösen Behandlung oft übersteigt. Aus sportmedizinischer Sicht müsste man deshalb eigentlich jedem Patienten ein moderates Ausdauertraining sozusagen auf Rezept verschreiben.

Und deshalb sind Sie auf die Idee gekommen, diesen Leuten mit Tri-Trimming* die Sportart Triathlon ans Herz zu legen?

Dr. Jörg Hennig

Dr. Jörg Hennig betreibt in Oelde eine akademische Lehrpraxis der Universität Münster. Beim Sportärztebund Westfalen ist er für die präventive Sportmedizin zuständig.

Foto > Praxis Dr. Hennig

Genau. Es gibt tatsächlich nur wenige Ausnahmesituationen, in denen man Sport vermeiden sollte, etwa nach akuten Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall oder bei einer bestehenden Infektion. Aber selbst in der Rehabilitation nach Verletzungen oder schweren Erkrankungen ist regelmäßige Bewegung die beste Medizin.

Was ist das Besondere an Tri-Trimming, wo ist der Unterschied zum „richtigen“ Triathlon?

Das Besondere an der Aktion ist, dass die beim Triathlon betriebenen Ausdauersportarten nicht wie bei einem Volkstriathlon am Stück durchgeführt, sondern auf eine Woche verteilt werden.

Die Teilnehmer sollen also in einer Woche ingesamt 500 Meter schwimmen, 20 Kilometer Rad fahren und 5 Kilometer laufen?

Genau, das können sie sich ganz individuell einteilen. Außerdem entfällt der Wettkampfcharakter komplett. Das nimmt vielen die Scheu vor dem Einstieg in regelmäßiges Training. Diejenigen, die Tri-Trimming betreiben, fühlen sich nämlich meist nicht als Athlet, im Gegenteil: der Begriff „Triathlet“ schreckt sie ab. Es handelt sich eher um typische Couchpotatoes, die mit Tri-Trimming die Grundbewegungsformen des Triathlonsports durchführen. Auch Walking, Wandern, Rad- oder Ruderergometertraining sind als alternative Bewegungsformen möglich.

Erklären Sie doch noch einmal aus Sicht eines Sportmediziners, warum regelmäßiges Triathlontraining so gesund ist.

Der Vorteil beim Triathlontraining ist, dass sich der Sportler in keiner Bewegungsform einseitig belastet und somit auch nicht so schnell überlastet. Auch zum allgemeinen Training hat das Durchführen mehrerer Bewegungsformen große Vorteile: Es werden dabei nicht nur mehrere Muskelgruppen, sondern auch unterschiedliche Hirnregionen angesprochen und aktiviert. Außerdem ist ein abwechslungsreiches Training interessanter und wird in der Regel deshalb lieber durchgeführt.

Wie viele Ihrer Patienten konnten Sie bisher für Tri-Trimming begeistern?

Die Aktion beginnt gerade erst. Aber die bisher darauf angesprochenen Patienten und Sportanfänger haben sich recht schnell zu mehr Bewegung motivieren lassen.

Die Aktion hat sich ja ein wenig über die Grenzen Ihrer Praxis hinaus entwickelt. Wer macht noch alles Tri-Trimming?

Wir haben mittlerweile vom hohen Norden Deutschlands bis nach Österreich Interessenten, die Tri-Trimming in ihrer Region umsetzen möchten.

Wie funktioniert das?

Man kann bei entsprechender Qualifikation „Coach“, „Trainer“ oder „Friend“ werden. Coaches sind in der Regel Ärzte, die ihren Patienten zur Gesunderhaltung oder zur Verbesserung ihrer Gesundheit Tri-Trimming empfehlen und sie dabei begleiten. Trainer sind qualifizierte Sportlehrer oder Übungsleiter, die Menschen, die Tri-Trimming machen möchten, fachlich begleiten, indem sie sie zum Beispiel beim Lauf- oder Schwimmtraining unterstützen. Und die Friends sind all diejenigen, die sich sonst für die Aktion engagieren. Wichtig ist uns, dass alle Beteiligten qualifiziert sind und keine kommerziellen Interessen verfolgen.

Das klingt, als suchten Sie weiter Coaches, Trainer und Friends?

Genau, denn sie alle sind wichtig, um Tri-Trimming nicht nur regional bekannt zu machen und umzusetzen. Gern können sich Interessierte an uns wenden. Insbesondere suchen wir Botschafter, zum Beispiel Prominente, die mit gutem Beispiel als Vorbild für Tri-Trimming werben. Außerdem suchen wir noch Partner, etwa kommerzielle Firmen, die mit und für Tri-Trimming werben. Das muss kein Sponsoring im eigentlichen Sinne sein, Partnern entstehen keine Extrakosten.

Das Gelände der ehemaligen Landesgartenschau in Ihrer Heimatstadt Oelde haben Sie bereits zum Tri-Trimming-Park erklärt. Glauben Sie, auch andere Triathleten werden das Gebiet nun verstärkt zum Trainieren nutzen?

Das denken wir schon. Jährlich Ende Mai findet im Oelder Vierjahreszeitenpark ja auch der beliebte Volkstriathlon statt. Somit hatte der Triathlonsport das Gelände sowieso schon erobert. Schön wäre aber, wenn die Idee so eines Tri-Trimming-Places auch in anderen Städten umgesetzt würde.

Wie ist Ihre Einschätzung als Arzt: Kann jeder einen Sprinttriathlon schaffen?

Vielleicht nicht jeder auf eigene Faust. Aber Tri-Trimming kann für nahezu jeden ein perfekter Einstieg sein, um nach regelmäßigem Training einen Volkstriathlon zu schaffen – bei sportärztlich nachgewiesener Sportgesundheit.

Und wann machen Sie Ihren ersten Triathlon?

(lacht) Dazu muss ich zunächst meinen Schwimmstil deutlich verbessern. Ich hoffe aber, dass es künftig mehr Angebote für Erwachsene geben wird, einen ökonomischen Schwimmstil zu lernen.

*Tri-Trimming® ist eine eingetragene Marke.