Das bringt eine Radbiometrie

Gleichzeitig bequem und aerodynamisch perfekt auf dem Rad zu sitzen, scheint nahezu unmöglich. Doch wenn Sie den richtigen Kompromiss finden, fliegen Sie schmerzfrei und trotzdem schnell über die Radstrecke.

Von > | 7. Juni 2014 | Aus: TRAINING

Bahntest Büttgen - 13 | Danach werden die Daten ausgewertet und die Erfahrungen besprochen ...

Danach werden die Daten ausgewertet und die Erfahrungen besprochen ...

Foto >Canyon

Das bringt eine Radbiometrie

Das Rezept für eine hohe Geschwindigkeit auf dem Rad klingt simpel: Je weniger Angriffsfläche Sie und Ihr Rad dem Wind bieten, desto weniger Kraft müssen Sie für das gleiche Tempo aufbringen. Oder umgekehrt: Je geringer der Luftwiderstand, desto schneller können Sie bei gleichem Kraftaufwand fahren. Die Lösung ist daher schlicht eine möglichst effiziente Oberkörperhaltung. Das klingt nicht nur plausibel, sondern ist auch wissenschaftlich belegt worden. Zum Beispiel stellte der Niederländer Gerrit Jan van Ingen Schenau schon 1985 fest, dass die Geschwindigkeit bei gleichem Kraftaufwand um einen Kilometer pro Stunde sinkt, wenn sich der Oberkörper um nur zehn Grad aufrichtet. Professor Ralph Beneke von der Freien Universität Berlin und der italienische Professor Pietro di Prampero bestätigten 2001 in der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin: "Der Luftwiderstand steigt proportional zur frontalen Projektionsfläche. Eine intuitive Handlung, diese zu reduzieren, ist das Vorbeugen des Oberkörpers."

Das Dreikampf-Dilemma

Was bei Radsportlern im Zeitfahren gnadenlos umgesetzt wird, ist im Triathlon allerdings nicht so einfach zu realisieren. "Es bringt überhaupt nichts, krampfhaft die Nase nach unten zu bringen, wenn dafür später beim Laufen der Rücken fast durchbricht", fasst Markus Konrad das Dilemma der Dreikämpfer salopp zusammen. Der Student der Medizintechnik und Sportmedizinischen Technik an der Fachhochschule Remagen ist nicht nur selbst seit zwölf Jahren Triathlet, sondern verhilft regelmäßig anderen Sportlern zu einer besseren Sitzposition. Für Triathleten geht es dabei eben nicht nur darum, schneller zu fahren. Da sie viel länger auf dem Rad sitzen und danach noch laufen, müssen sie Zugeständnisse machen und einen Kompromiss aus Komfort und Aerodynamik finden.

Dem kann Dennis Sandig, der als Sportwissenschaftler und Trainer zahlreiche Profiradfahrer und -triathleten betreut, nur zustimmen: Wer maximal eine Stunde auf dem Rad sitzt, nimmt hin, dass eine tiefe, enge Armhaltung und ein steiler Hüftwinkel nach kurzer Zeit die Atmung einschränken, das Sitzen unerträglich machen und eventuell sogar Krämpfe verursachen. "Eine geringe Stirnfläche im Wind wird nun mal irgendwann unkomfortabel. Kurzzeitig können sich Radfahrer aber in die richtige Position zwingen, da ist der Komfort zweitrangig. Für einen Triathleten, der halbwegs erholt vom Rad kommen muss, kann das natürlich keine Lösung sein." Die perfekte Position muss also drei Voraussetzungen erfüllen: Sie sollten möglichst die gesamte aufgewendete Kraft aufs Pedal bringen können und aerodynamisch günstig sitzen. Aber nicht so, dass Sie später nicht mehr laufen können, weil zum Beispiel die Blutversorgung in den Beinen eingeschränkt wird.