Blockperiodisierung Das Training der Zukunft?

Training | 15. Juni 2011
Vor allem unter Profiathleten gewinnt das Trainingsmodell der Blockperiodisierung immer mehr an Bedeutung. Neugierigen Amateuren rät Sportwissenschaftler Matthias Fritsch vom Professional Endurance Team aber zur Vorsicht.
Matthias Fritsch, was ist der wesentliche Unterschied zwischen der klassischen, sogenannten "mixed training"-Periodisierung und der noch relativ jungen Trainingsvariante der Blockperiodisierung?
Grundsätzlich werden beim "mixed training" verschiedene Trainingsziele parallel trainiert, bei der Blockperiodisierung nacheinander. Hier werden Schwerpunktblöcke gesetzt, vor allem bei der Intensität der Einheiten. Anstatt alle Trainingsintensitäten und damit Ziele in einem Zyklus unterzubringen, verteilt man sie auf Blöcke.
In der Wissenschaft wird das Modell der Block­periodisierung hauptsächlich im Zusammenhang mit Hochleistungstraining diskutiert. Ist diese Variante des Trainingsaufbaus auch für Hobbyathleten praxistauglich?
Grundsätzlich geht es ja darum, dass man nicht zu viele Trainingsziele miteinander vermischt. Das kann sich auf eine einzelne, kombinierte Einheiten oder auf ganze Trainingszyklen beziehen. Aus meiner Sicht spielt es keine Rolle, ob es sich hierbei um einen Profi oder Amateur dreht, es geht ausschließlich um die Gestaltung der Reize, die man einem Athleten vorgibt. Beim intensiven Training würde ich im Amateurbereich auf jeden Fall zur Vorsicht raten. Das Risiko der Überlastung, vor allem innerhalb der hochintensiven Blöcke, erscheint mir für den Amateur zu hoch. Die Belastung liegt sehr nah an der Limitierung der Disziplin. Deshalb würde ich die Blockperiodisierung nur Athleten mit entsprechender Basis und Belastungsverträglichkeit empfehlen.
Ein anerkannter Sportwissenschaftler aus Israel behauptet, dass "vermischtes Training" auch nur zu "vermischten Ergebnissen" führen kann. Ist die Blockperiodisierung das Trainingsmodell der Zukunft?
Viele Wege führen nach Rom. Ich denke, es gibt noch zu wenige Erfahrungen, um konkrete Aussagen dazu treffen zu können. Die bisherigen Studien zeigen zumindest Erfolge, wobei eine Studie immer konstruiert ist. In der Praxis muss ein Trainer stets individuell mit seinem Sportler arbeiten und die Entwicklungen analysieren. Bei entsprechender Belastungsverträglichkeit kann auch eine Blockperiodisierung mit weniger intensiven, mittel- und hochintensiven Blöcken eine geeignete Variante der Periodisierung sein.
Welche Vorüberlegungen sollten Athleten anstellen, die ihren Trainingsaufbau auf eine Blockperiodisierung umstellen möchten?
Es gibt immer mehrere Stellschrauben, an denen man drehen kann, wenn man seine Leistungen verbessern möchte. Bevor man allerdings eine komplett neue Trainingsperiodisierung ausprobiert, wäre es zunächst überlegens­wert, ob man nicht an anderer Stelle und mit etwas weniger Risiko einen ähnlichen Effekt erzielen kann. In jedem Fall würde ich einen Trainer aufsuchen, der mit dieser Art der Periodisierung Erfahrung hat.
Matthias Fritsch
Der 36-jährige Sportwissenschaftler und B-Trainer leitet zusammen mit Susanne Buckelei die Trainingsagentur "Professional Endurance Team" in Georgensmünd. Fritsch ist selbst begeisterter Triathlet und war bereits dreimal beim Ironman Hawaii am Start.