Der Traum vom Finish – und die Wahrheit dazu

Was früher der Marathon war, ist heute die Triathlonlangdistanz: Jeder Ausdauersportler meint, das müsse er mal gemacht haben. Träume und Ziele sind gut und wichtig. Aber blicken Sie vor der Anmeldung unbedingt der Realität ins Auge.

Von > | 22. Dezember 2015 | Aus: Training

Ostseeman 2015 Schwimmen - 03

Ostseeman 2015, 3,8 Kilometer Schwimmen in der 16 Grad kalten Flensburger Förde

Foto > Sina Horsthemke / spomedis

Die erste Langdistanz, die letzten Meter auf der Finishline – das wird kein Athlet je vergessen. Das Ziel ist erreicht. Endlich. Nach 3,8 Kilometern im Wasser, stundenlangem Radfahren über 180 Kilometer – und einem an sich schon verdammt harten Marathon. Wer über die Ziellinie läuft, mit Herzklopfen und müden Muskeln, mit Gänsehaut und wunden Stellen, im Endorphinrausch und doch völlig erschöpft, der hat nicht nur 226 Kilometer hinter sich. Der beweist in diesen Sekunden auch, dass er sich in den Monaten vorher so richtig den Hintern aufgerissen hat.

Sie sind jetzt nicht abgeschreckt, im Gegenteil? Dann haben Sie den ersten Schritt Richtung Finishline schon getan: Sie haben der Realität ins Auge geblickt. Nun zu den Fakten. „Einen Ironman kannst du nicht mit purem Adrenalin gewinnen“, hat Craig ­Alexander, der Hawaii-Sieger von 2008, 2009 und 2011, einmal gesagt. 25 bis 35 Stunden pro Woche trainierte der Australier im Durchschnitt. Für Profis noch human.

Bis zu 50 Wochenstunden investieren einige in ihren Traum vom Langdistanzsieg. Gordon Haller, Ironman-Weltmeister von 1978, bestätigt im Buch „Road to Kona“: „Als ich Hawaii gewonnen habe, gab es in meinem Leben nicht viel mehr als Sport und Schlafen.“ Der Profis großer Vorteil: Sport ist ihr Job. Sie dagegen müssen sich Ihre Brötchen woanders verdienen – und das vermutlich etwa 40 Stunden lang wöchentlich. Für Sport bleibt da nicht so viel Zeit, erst recht nicht für viel Sport. Sie müssen aber ja auch nicht so schnell sein wie ein Profi. Rund 15 Trainingsstunden – und manchmal mehr – sollten Sie pro Woche einplanen, wenn Sie auf einer Langdistanz Spaß haben wollen. Deshalb ist nicht nur Muskelkraft, sondern auch Organisationstalent gefragt.

Sind Sie bereit?

Wer sich eine Langdistanz zum Ziel setzt, braucht Zeit, Disziplin, Organisationstalent und ein verständnisvolles Umfeld. Beantworten Sie ehrlich diese Fragen:

  • Können Sie sich monatelang auf ein einziges Ziel konzentrieren und dem eine Menge unterordnen?
  • Steht Ihre Familie hinter Ihrem Hobby, ist Ihr Partner vielleicht sogar selbst Ausdauersportler?
  • Lässt Ihr Job Freiräume zu, etwa durch flexible Arbeitszeiten?
  • Machen Sie im Job keine oder kaum Überstunden?
  • Sind Sie gesund und nicht verletzungsanfällig?
  • Sind Sie bereit, monatelang kein sportfreies Wochenende mehr zu haben?

Machen Sie Ihren Arbeitsweg zur Laufstrecke, verbinden Sie Verwandtenbesuche mit Radausfahrten, nutzen Sie den Familienurlaub zum Freiwassertraining – all das sind Beispiele dafür, dass Sie als angehender Langdistanzler mit Köpfchen vorgehen sollten, wenn es um Trainingsplanung geht. Sonst befinden Sie sich schneller im Übertraining, als Sie „Finishline“ sagen können. Ganz wichtig: Junkmiles vermeiden. Dirk Aschmoneit, 1984 Europameister, sagte einmal: „Viele machen den großen Fehler, bedeutungslose Kilometer zu sammeln, sobald sie das Wort Ironman lesen.“ Tun Sie das nicht.

Garantiert ohne Junkmiles: Die Trainingspläne der triathlon. Egal ob Kurz- oder Langdistanz mit den Plänen von triathlon-Coach Manuela Dierckes findet jeder sein passendes Programm. Die neue triathlon erscheint am 20. Januar 2016.