„Gran Canaria ist anspruchsvoll“

Wer als Radsportler nach Gran Canaria kommt, sollte schon einige Grundlagenkilometer in den Beinen haben, rät unsere Expertin Lotte Kraus. Wer die Steigungen der Vulkaninsel erst einmal hinaufgeklettert ist, braucht dann aber selbst anspruchsvolle Rennen nicht mehr zu fürchten.

Von > | 20. November 2014 | Aus: Training

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Gran Canaria, Serpentine

Foto > MySport

Lotte Kraus ist Physiotherapeutin und Bikefitterin - unter anderem gibt sie Webinare und arbeitet für die Spezialisten von Gebiomized. Unter anderem war sie mehrere Monate auf Gran Canaria bei einem großen Radverleih und weiß ganz genau, wo man auf der Vulkaninsel mit dem Rennrad Spaß haben kann. Am liebsten hält sie sich im Norden der Insel auf, fernab der großen Touristenorte, und erkundet dort Trails und neue Radstrecken.

Lotte Kraus, wie hat sich Gran Canaria in den letzten Jahren verändert?
Gran Canaria entdeckt gerade den „Wert“ seiner Sporttouristen und Stück für Stück werden die Hotelanlagen und –angebote nicht nur auf All-inclusive Sonnenpublikum angepasst. Allerdings ist das Angebot noch sehr klein und nicht jedes Hotel auf die anspruchsvolle Ernährung von Sportlern eingestellt.

Lotte Kraus | Lotte Kraus

Lotte Kraus ist Bikefitterin und kennt sich auf Gran Canaria bestens aus

Foto > privat

Gibt es eine Triathlonszene vor Ort?
Triathlon wird immer beliebter und ist laut des Sportministeriums sogar die beliebteste Sportart der jungen Kanarios. Auch spricht die stetig wachsende Zahl kanarischer Teilnehmer an internationalen Wettbewerben für die Entwicklung des Trends. Was das in Zahlen bedeutet, weiß ich leider nicht.

In Las Palmas gibt es einige Shops, die auch auf Triathleten eingestellt sind und man muss sich wegen der etablierten Radsportszene keine Sorgen machen, gute Werkstätten oder Ersatzteile für die Highendmaschinen zu bekommen.

Inwiefern ist die Insel für Training und Rennen geeignet?
Gran Canaria ist anspruchsvoll, ich lese auch manchmal das Wort „selektiv“ in diesem Zusammenhang – das passt. Richtig lange Grundlageneinheiten sind nur bei Inselumrundungen zu managen oder Fitness und Übersetzung müssen passen. Ein Rennrad hat hier dem Zeitfahrrad gegenüber echte Vorteile. So richtig schön ist es auf Gran Canaria im Landesinneren und in den Bergen und nahezu alle Strecken sind mit happigen Steigungen verbunden. Insofern richtet sich Gran Canaria eher an Triathleten, die anspruchsvolle Radstrecken fahren wollen und schon in der Kraftausdauerphase ihres Trainings sind. Hierfür wird man – neben der Sonnengarantie im Süden - mit der wilden kanarischen Vegetation, unendlich weiten Canyons und der unverbrauchten Gastfreundschaft der Bergbewohner belohnt.

Welche Ausgangsorte sind also die besten für ein Triathloncamp?
Ich persönlich bevorzuge den Norden wie zum Beispiel St. Brigida aufgrund der wunderschönen Vegetation, des Erholungsfaktors und auch der Nähe zu Las Palmas – einer pulsierenden Großstadt, die man nicht auf einer so kleinen Insel erwartet! Hier gibt es auch einige Schwimmbäder, die auf Athleten eingestellt sind. Im Landesinnern gibt es keine Schwimmbäder. Eine Möglichkeit ist es, die Schwimm- in die Radeinheit zu integrieren, wenn man das Rad mit zum Schwimmbad nimmt.

Und wenn es mal kein Schwimmbad sein soll - haben Sie einen Streckengeheimtipp fürs Freiwasserschwimmen?
Puerto do Mogan oder Bahia Feliz, hier kann der Wellengang aber auch mal zu stark werden.

Und Ihr Geheimtipp fürs Radtraining?
Ich liebe es, mich auf der Küstenstraße nach Puerto de Mogan über gut 20 Kilometer warmzufahren und dann die Serpentinen zum Soriatal zu genießen. Eine wunderbare Strecke, um mit übermütigen Trainingspartnern die Muskeln spielen zu lassen – der Aufstieg zieht sich nämlich ganz schön und wer seine Körner am Anfang verbraucht, heult auf dem Rückweg auf den Wellen der Küstenstraße. Die Abfahrt ist ein wunderbares Fahrtechniktraining für Triathleten.

Und zuletzt, Ihr Tipp fürs Lauftraining?
Wer im Süden wohnt und es sich in einer schnellen Einheit richtig besorgen will, läuft in einem Rundkurs von der Strandpromenade – bei Ebbe entlang der Wasserlinie oder durch die Dünen - in Richtung Meloneras. Am Ende des Strandes über ein ausgetrocknetes Flussbett zum Golfplatz zurück. Ein letzter Sprint bei einem Anstieg auf dem Rückweg lässt einen übersehen, dass man durch das touristische Maspalomas zurück zur läuft.

Richtig schön kann man an den verschiedensten Stellen fernab der Bettenbunker im Süden laufen. Da hängt es eher davon ab, von wo aus man startet und davon, wo man untergebracht ist. Die Crossstrecken sind unzählbar und eine besser als die nächste.

Nicht nur auf Gran Canaria findet man als Triathlet tolle Trainingsbedingungen. In der aktuellen Ausgabe von triathlon stellen wir neben Gran Canaria auch Lanzarote, Teneriffa und Fuerteventura mit ihren einzigartigen Vulkanlandschaften vor. Ab in den Süden!

Eine kostenlose Leseprobe gibt es hier: