Jetzt aufs Mountainbike!

Die Saison 2014 ist zu Ende und die Planungen für 2015 laufen? Also schnell wieder auf zum Training: "Nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf." Oder: "Von nichts kommt nichts". Das auch richtig, aber man muss diese Weisheiten richtig einsetzen. Der Ex-Radprofi und Triathlet Markus Ganser zeigt, wie das geht.

Von > | 5. November 2014 | Aus: TRAINING

Markus Ganser | Markus Ganser

Markus Ganser

Foto >Privat

Natürlich ist man nach der Saison super motiviert, wenn man vielleicht gerade die Bilder aus Hawaii gesehen, den Urlaub fürs Trainingslager im sonnigen Süden eingereicht oder soeben die neue Wahnsinnszeitfahrmaschine bestellt hat. Aber ist es jetzt richtig, sich aufs Zeitfahrrad zu setzen und stundenlang in Aeroposition herum zu fahren? Nein, das ist es eben nicht! Erstens ist die Psyche beim Sport ein ganz entscheidender Faktor und aus diesem Grund ist es sehr wichtig, mal etwas anders zu machen. Natürlich bezieht sich das nicht nur darauf, Rohkost und Körnerfutter durch Kuchen und Kekse zu ersetzen, sondern auch auf die sportliche Aktivität.

2+2=4?

Zweitens ist es zwar in der Mathematik so, dass - so oft man es auch versucht - aus zwei plus zwei immer vier werden. Im Sport gilt das allerdings nicht! Aus den immer gleichen zwei Stunden Training kommt nicht jedes Mal das gleiche Ergebnis heraus. Der Körper gewöhnt sich an die ihm gegebenen Reize und irgendwann wird das Resultat bei gleichem Reiz schlechter. Deshalb ist es für Psyche und Körper das Beste, das Zeitfahrrad in den Wintermonaten nicht zu strapazieren und nur im Notfall bei Schneesturm und Dunkelheit vielleicht mal auf den Rollentrainer zu montieren.

Empfehlen will ich das Mountainbike! Natürlich muss man erst mal eines besitzen, um damit die Wälder unsicher machen zu können. Aber als Trainingsgerät reicht ein einfaches Hardtail, welches man schon ab 800 Euro bekommt. Natürlich spricht auch nichts gegen ein gebrauchtes MTB, das man schon wesentlich günstiger bekommt. Wir wollen damit ja keine Rekorde aufstellen, sondern einfach nur gut trainieren und besonders viel Spass haben. Denn für den Kopf sind MTB-Ausfahrten eine tolle Abwechslung, weil man neue Strecken kennenlernt und sich durch die nötige Mehrkonzentration im Gelände sicher nicht langweilt. Aber auch für den Körper sind MTB-Touren eine super Abwechslung, weil sie neue Reize für die Muskulatur setzen und die Koordination schulen. Durch die andere Haltung, Trittfrequenz und Kraftverteilung werden teilweise andere Muskeln angesteuert, aber vor allem werden die schon trainierten Muskeln anders belastet.

Waldautobahn vs. Eintönigkeit

Triathlontraining ist durch eine gleichförmige Belastung gekennzeichnet. Das MTB bietet das Gegenteil, da nach einem steilen Ansteig, an dem man tendenziell Maximalbelastung tritt, eine Abfahrt folgt, in der man kaum treten muss. Dafür ist die Koordination gefragt, um nicht vom schmalen Singletrail abzukommen oder auf der nächsten Wurzel weg zu rutschen. Wer noch nie auf einem MTB saß, der sollte natürlich nicht direkt den schmalsten Pfad und die steilste Abfahrt wählen, sondern sich erst auf den "Waldautobahnen" ans Gelände gewöhnen. Aber hier sind wir auch bei einem wichtigen Punkt: Da man dem gemeinem Triathleten gern nachsagt, dass er eigentlich sowieso nur geradeaus fahren kann, bekommt man auf dem MTB ein tolles Gefühl für seinen fahrbaren Untersatz. Ist es auf der Straße meist äußerst schmerzhaft, in einer Kurve die Grenzen der Haftung zu erforschen, so geht es auf matschigem Waldboden meist glimpflich aus. Wer will nicht in der neuen Saison sicherer und schneller unterwegs sein?

Ein weiterer Vorteil, seinen Radpart des Wintertrainings durch das MTB zu bereichern, ist, dass man die Kälte auf dem MTB nicht so spürt. Wegen der wesentlich niedrigeren Durchschnittsgeschwindigkeiten kühlt der Fahrtwind den Fahrer nicht so schnell aus. Wenn er denn im Wald überhaupt vorhanden ist. Wenn es extrem kalt ist und Füße und Hände vor Kälte schmerzen, dann kann man auch problemlos ein paar hundert Meter Laufen und schon erwachen die Extremitäten wieder zu neuem Leben. Wenn man es genau nimmt, könnte man diese Kälteschutzmassnahmen sogar als klitzekleines Koppeltraining werten.

Und jedem, der nun denkt: "Schön und gut, aber ans MTB passt mein Wattmessgerät ja gar nicht dran", dem kann ich nur raten: Vergiss das Teil mal für ein paar Wochen und setz' dich aufs MTB. Denke nicht zu viel, hab' Spaß und sau dich mal richtig ein!