Lust auf Meer?

Schwimmen im Meer ist die Freiwasser-Königsdisziplin. Der turbulente Ritt auf den Wellen erfordert spezielle Techniken und Sicherheits­­maßnahmen – die wir Ihnen zeigen.

Von > | 17. Juni 2015 | Aus: Training

Freiwasserschwimmen | Freiwasserschwimmen

Freiwassertraining im Mittelmeer

Foto > Sina Horsthemke / spomedis

Listet man die unterschiedlichen Gewässer auf, in denen Triathleten schwimmen, und bringt sie aufsteigend nach ihrer Wildheit in eine Reihenfolge, so könnte diese vielleicht so aussehen: 25-Meter-Bahn, 50-Meter-Bahn in der Halle, Freibad, See, Kanal, Fluss, Meer. Demnach ist das Meer so etwas wie die Königsdisziplin des Freiwasserschwimmens – nirgends sind die Bedingungen natürlicher, rauer, aber auch faszinierender als hier. Der Wellengang ist oft höher und die Strömung stärker als in Binnen­gewässern. Außerdem kommen an der Küste Brandung, Salzwasser und allerlei Getier dazu. Dieses Gesamtpaket macht das Streckenschwimmen im Meer zu ­einer immer wieder neuen Herausforderung, vor der schon viele hervorragende Beckenschwimmer kapitulierten. Ob Sie sich nun für einen bestimmten Wettkampf an Nord- oder Ostsee, am Mittelmeer oder gar auf Hawaii vorbereiten oder im Strandurlaub einfach nicht aufs Schwimmen verzichten möchten, ein paar Dinge gibt es zu beachten, wenn Sie sich aufs weite Meer hinauswagen.

Wellen von vorn

Zunächst stellt sich die Frage, was sich dort überhaupt trainieren lässt, denn eins ist klar: Für feinfühlige Technikaufgaben oder Intervalltraining ist das Schwimmbad besser geeignet. Eine Trainingseinheit nach der Dauer­methode kommt da schon eher in Betracht, doch hauptsächlich geht es beim Meerschwimmen darum, sich an die besonderen Bedingungen zu gewöhnen und spezielle Techniken zu entwickeln. Werden Sie beim Schwimmen beispielsweise permanent von bremsenden Wellen von vorn getroffen, müssen Sie versuchen, zwischen den Wellen möglichst viel Raum zu gewinnen. Intensivieren Sie dazu den Beinschlag und Ihre Arm­arbeit, sobald Sie den Wellenrücken hinuntergleiten. Kommen die Wellen von der Seite, hat es sich bewährt, zur wellen­abgewandten Seite zu atmen. Dort schlägt Ihnen das Wasser nicht sofort ins Gesicht, wenn Sie den Kopf zum Atmen drehen. Grundsätzlich kommt es Ihnen gerade bei anspruchsvollen Bedingungen ­zugute, wenn Sie in der Lage sind, flexibel nach links oder rechts zu atmen. Das kann auch bei der Orientierung helfen, denn bereits kleine Wellen können den Blick zur nächsten Boje massiv behindern.

Flaggenkunde

Rot/Gelb: Wachturm besetzt. Dieser Strand­abschnitt wird von Rettungsschwimmern bewacht.

Rot/Gelb + Gelb: Die zusätzliche gelbe Flagge signalisiert: Schwimmen und Baden ist gefährlich,  Badeverbot für ungeübte Schwimmer, Kinder und ältere Personen wegen ungeeigneter Wasser- und Wetterbedingungen.

Rot: Generelles Badeverbot wegen akuter Gefahrenlagen (z. B. Strömung, hohe Wellen, Wasserverschmutzung).

Schwarz/Weiß: Dieser Strand­abschnitt ist zur Nutzung von Wassersportgeräten wie Surfbrettern oder Segel­booten vorgesehen. Badeverbot.

Delfinsprünge und Storchenschritte

Weil selbst die besten Athleten mit noch so viel Schwimmtraining nicht mal halb so schnell vorankommen wie beim Laufen, lohnt es sich bei einem Landstart am Meer fast immer, möglichst weit ins Wasser zu laufen. Zumindest so lange, wie das kühle Nass etwa bis zur Mitte des Oberschenkels reicht. Dann kommen Sie mit Storchenschritten deutlich schneller vo­ran als im Kraulstil. Wird das Wasser tiefer, hechten Sie im flachen Winkel und mit ausgestreckten Armen nach vorn und beginnen, wie ein Delfin durchs Wasser zu springen. Tauchen Sie stromlinienförmig ein und beginnen Sie sofort mit kräftigen Kraul- oder Delfinbeinschlägen. Sobald Ihre Hände den Grund berühren, ziehen Sie die Beine unter Ihren Körper und stoßen sich im 45-Grad-Winkel vom Boden ab. Beginnt das Rennen am Strand und laufen Sie nach dem Startschuss gegen die Brandungswellen ins Wasser, kommen Sie am schnellsten voran, wenn Sie die Delfinsprünge so timen, dass Sie unter den Wellen hindurchtauchen. Auf diese Weise entgehen Sie den bremsenden Verwirbelungen an der Wasseroberfläche und verlieren am wenigsten Geschwindigkeit.

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