Kraftquelle Schlaf

Menschen verschlafen rund ein Drittel ihres Lebens - aus gutem Grund. Denn nur im Schlaf hat der Körper die nötige Zeit, die Muskeln wachsen zu lassen, seine Körperabwehr zu stabilisieren und im Gehirn für Ordnung zu sorgen.

Von > | 19. April 2014 | Aus: TRAINING

Regeneration | An Ruhetagen heißt es: Füße hoch

An Ruhetagen heißt es: Füße hoch

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Kraftquelle Schlaf

Kaum etwas ist so selbstverständlich wie der nächtliche Schlaf. Und kaum etwas hat so dramatische Folgen wie chronischer Schlafmangel. Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben in den vergangenen Jahrzehnten untersucht, wie der Körper auf zu kurze Nächte reagiert. „Zu wenig Schlaf macht dick, dumm und krank“, lautet das Urteil des Regensburger Schlafforschers Prof. Jürgen Zulley. Denn der natürliche Schlaf sei die Grundbedingung für Gesundheit, Leistung und Wohlbefinden.

Trotzdem ist bis heute nicht restlos geklärt, warum wir schlafen müssen. Fest steht allerdings, dass bestimmte Körperfunk­tionen nur in Phasen äußerlicher Ruhe ablaufen können. Denn offenbar sind diese Regenerations- und Speicherungsprozesse unvereinbar mit motorischer Aktivität. Ähnlich verhält sich die Informationsverarbeitung im Gehirn: Das Sortieren und Speichern im Gedächtnis ist ebenfalls auf die Entkoppelung von der Umwelt angewiesen und funktioniert daher nur bei ausreichendem Schlaf reibungslos.

Wachzeiten sind normal

Der Schlaf des Menschen lässt sich in mehrere Phase einteilen: Hierbei wird der Traumschlaf, der sogenannte REM-Schlaf, von allen anderen Schlafphasen unterschieden. Der Nicht-Traum-Schlaf wiederum wird in die Phasen I bis IV unterteilt. Im Laufe der Nacht durchläuft ein Schlafender jede Phase mehrfach. Zunächst gleitet man meist innerhalb einer halben Stunde aus dem leichten in den tiefen Schlaf. Danach verändert sich der Schlaf wieder: Aus der Tiefschlafphase rutscht der Schlafende in die weniger tiefe Traum-Phase. Ein Zyklus aus Tief- und Traumschlaf dauert etwa 90 Minuten und wird pro Nacht vier- bis sechsmal durchlaufen. Besonders in den ersten beiden Zyklen ist der Tiefschlaf sehr ausgeprägt. Im weiteren Verlauf der Nacht nehmen dann Leicht- und Traumschlaf immer mehr Raum ein. Deshalb fällt auch das Aufwachen mit der Dauer des Schlafs immer leichter. In einem achtstündigen Schlaf verteilen sich die Schlafphasen in etwa so: Der Leichtschlaf nimmt mit 50 Prozent (240 Minuten) die halbe Nacht ein. Dem Tiefschlaf gehören 25 Prozent (120 Minuten), weitere 20 Prozent (96 Minuten) lang darf geträumt werden und selbst Wachzeiten von bis zu 5 Prozent (24 Minuten) sind durchaus normal.

Muskeln dank Tiefschlaf

Besonders wichtig ist der Tiefschlaf: Menschen, die krankheitsbedingt diese Phase gar nicht oder nur kurz erreichen, zeigen trotz ausreichender Schlafdauer die typischen Symptome einer Schlafstörung – Tagesmüdigkeit, depressive Verstimmungen und allgemeine Leistungsschwäche. In dieser Phase, wenn sich die Atmung verlangsamt, die Herzfrequenz sinkt und die Muskelspannung nachlässt, ist der Schlaf besonders erholsam. Denn jetzt laufen zahlreiche regenerative Prozesse auf Hochtouren. Vor allem das während des Tiefschlafs ausgeschüttete Wachstumshormon, das sogenannte Somatotropin, spielt eine entscheidende Rolle: Es lässt Haare, Haut und Muskeln wachsen, Fettpolster schmelzen und wird außerdem verantwortlich gemacht für die Zunahme der Knochenmasse.

Kampf den Viren

Auch das Immunsystem ist auf eine regelmäßige Auszeit angewiesen. Forscher der Universitätsklinik Lübeck konnten in einer Studie nachweisen, das die Abwehrbereitschaft des Körpers unter Schlafmangel rapide abnimmt. Die Wissenschaftler spritzten den Testpersonen zunächst ein Virus, danach wurde die Gruppe geteilt. Die eine Hälfte durfte in der darauffolgenden Nacht ganz normal ausschlafen, während die andere wach bleiben musste. Vier Wochen lang wurde dann die Produktion der Antikörper, also die Immunantwort des Körpers, beobachtet. Das Ergebnis: Im Blut der Testpersonen, die normal schlafen durften, stieg die Zahl der Antikörper bereits nach zehn Tagen deutlich an. Nach vier Wochen verfügten sie über einen ausreichenden Schutz vor den Krankheitserregern. Ganz anders bei den Probanden mit dem einmaligen Schlafmangel: Bei ihnen verlief die Immunantwort nicht nur deutlich langsamer, sondern auch wesentlich schwächer. Gerade einmal halb so viele Antikörper konnten die Wissenschaftler im Blut der Testpersonen nachweisen.