Bright Light Leichtungssteigerung durch Licht

Wissenschaft | 27. April 2011
Dass Licht die Vorgänge im Körper beeinflusst, weiß man schon lange. Ein internationales Forscherteam hat Sportleraugen im Labor beleuchtet – und dabei bemerkenswerte Ergebnisse erzielt.
Wenn in einem modernen Universitätslabor das Licht angeknipst wird, muss Sie das eigentlich nicht interessieren. Jedenfalls dann nicht, wenn es sich bei der Lampe lediglich um die Neonröhre an der Decke handelt, die flackernd den Beginn eines neuen Arbeitstages ankündigt. Schaltet ein Wissenschaftler jedoch eine andere, ganz spezielle Lampe an, dann kann das für die Sportwelt manchmal bedeutende Folgen haben – und damit auch für Sie! In einem Gemeinschaftsprojekt haben Forscher der Technischen Univer­sität München, der Universität Basel und von Philips ­Lightning in den Niederlanden herausgefunden, dass sich mit einem bestimmten Licht die Ausdauerleistungs­fähigkeit verbessern lässt – und zwar um mehr als fünf Prozent.

In Kliniken und Flugzeugen

Dass Licht bestimmte Körpervorgänge beeinflusst, weiß man schon seit geraumer Zeit. Mittels Lichttherapie werden zum Beispiel seit einigen Jahren erfolgreich Hautkrankheiten, Depressionen und die damit oft verbundenen Schlafstörungen behandelt. In der Lichtambulanz der psychiatrischen Klinik der Universität München etwa setzen sich viele Patienten morgens regelmäßig vor eine Leuchtstoffröhren-Kombination, die mit ihrem Spektrum das Tageslicht imitiert und den Start in den Tag erleichtern soll. „Zwei von drei Patienten sprechen darauf an“, wird ­Psychiater Oliver ­Togarell auf dem Nachrichtenportal ­focus.de zitiert. Dass eine Extraportion Licht nicht nur für Antrieb und Motivation sorgt, sondern auch wach macht, haben sogar manche Fluggesellschaften erkannt: Sie bieten ihren Passagieren und dem Personal auf Langstreckenflügen inzwischen spezielle Kopfbedeckungen an. Die darin eingebaute helle Lichtquelle soll den Tag-Nacht-Rhythmus beeinflussen und so am Reiseziel die Jetlag-­Symptome lindern.
Kraft aus Sonnenlicht?
Einen ähnlichen, aber doch ganz anderen Ansatz, die sportliche Leistungsfähigkeit mithilfe von Licht zu verbessern, verfolgten Anfang der 1990er-Jahre bereits Wissenschaftler aus München und dem Schweizer Skiort Davos. Sie vermuteten aufgrund älterer Studien, dass UV-Strahlen aus natürlichem Sonnenlicht den Stoffwechsel genauso beeinflussen könnten wie regelmäßiges Ausdauertraining.
Um ihre Vermutung zu belegen, teilten sie 53 Neurodermitis-Patienten, die in Davos mit einer sogenannten Heliotherapie (Helio = Sonne) gegen ihre Hautkrankheit behandelt wurden, in zwei Gruppen ein: Die 32 Patienten der „Sonnengruppe“ lagen während der dreiwöchigen Versuchsdauer im Durchschnitt 19,3 Stunden unbekleidet in der Sonne, die Probanden der Kontroll­gruppe dagegen nur 5,7 Stunden. Vor und nach dieser Kur hatten die Wissenschaftler die Leistungsfähigkeit aller Teilnehmer auf dem Fahrradergometer bestimmt. Es stellte sich heraus, dass diejenigen, die viel in der Sonne gelegen hatten, anschließend unter Belastung geringere Laktatspiegel aufwiesen als diejenigen, die dem Sonnenlicht nur knapp sechs Stunden ausgesetzt waren – und zwar ohne zusätzliches Ausdauertraining! Die durchschnittliche Herzfrequenz hatte sich durch das Sonnenlicht nicht verändert.
Diese Ergebnisse bestätigten eindrucksvoll, was man zuvor vermutet hatte:­ UV-Strahlen aus Sonnenlicht können im Muskelstoffwechsel ähnliche Anpassungsvorgänge hervorrufen wie ein mäßig dosiertes Ausdauertraining. Auch die Größen­ordnung sei mit der Wirkung von leichtem Ausdauertraining vergleichbar, so die Wissenschaftler vom Institut für Medizinische Balneologie und Klima­tologie der Universität München und von der Klinik für Dermatologie und Allergie in Davos.