Muskelkater-Schmerz Medikamente helfen kaum

Wissenschaft | 12. September 2012
"Endlich wieder Muskelkater, ein tolles Gefühl", jubelte die frühere Diskus-Olympiasiegerin Ilke Wyludda nach ihrem guten paralympischen Debüt vor wenigen Tagen. Viele andere Sportler verfluchen die lästigen Muskelschmerzen. Bayerische Wissenschaftler fanden jetzt heraus, dass die meisten Schmerzmittel keinen Einfluss auf die Dauer des Muskelkaters haben. Gute Alternative: Enzyme.
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR, wie Ibuprofen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure) wirken zwar schmerzstillend und entzündungshemmend – bei muskelkaterbedingtem Schmerz zeigen die Medikamente jedoch kaum Wirkung. Das haben Wissenschaftler des privaten Forschungsunternehmens Medical Research Partner in München herausgefunden. In ihrem Versuch ließen sie 64 gesunde Probanden Treppenstufen hinabsteigen (300 bis 400 Höhenmeter). Spätestens 26 Stunden nach der exzentrischen Belastung bekamen die Teilnehmer entweder Ketoprofen oder Celecoxib (beides NSAR) oder ein Placebo verabreicht, die zweimal täglich und über eine Woche eingenommen werden sollten. Das Ergebnis: Durch Ketoprofen ergab sich keinerlei Schmerzlinderung – im Gegenteil: Der Muskelkater dauerte im Vergleich zum Scheinpräparat sogar länger an, nämlich 122 gegenüber 105 Stunden. Eine leichte Schmerzreduktion verzeichneten die Forscher durch Celecoxib – allerdings nur in der Wadenmuskulatur. Den Muskelkater im Oberschenkel empfanden die medikamentös Behandelten gleich stark wie die Placebo-Gruppe. Angesichts dieser Ergebnisse geht Studienleiter Dr. Matthias Rother davon aus, dass „die entzündliche Reaktion nach Muskelverletzungen essenziell für die Heilung ist“. Von der Einnahme von NSAR bei Muskelkater rät der Mediziner ab.

Enzyme statt Schmerzmittel

Schmerzmittel können Muskelkater also offenbar weder verhindern, noch den Heilungsprozess beschleunigen. Enzyme, das sind vom Körper produzierte Eiweißstoffe, sollen dagegen sowohl die muskelkaterbedingten Schmerzen verringern, als auch die Heilung vorantreiben. Enzyme wie das aus Ananas gewonnene Bromelain oder Chymotrypsin und Pankreatin wirken effektiv entzündungshemmend. Das Bundesamt für Verbraucherschutz Lebensmittelsicherheit empfiehlt derartige Produkte immer in der Apotheke, und nicht Drogerien oder Supermärkten zu kaufen. Auch zur Vorbeugung von Muskelkater können Enzyme eingesetzt werden. Hier empfehlen Experten, die Präparate einen Tag vor und am Tag der Belastung einzunehmen.