Regeneration durch Druck?

Druck ist meist unangenehm. Eine der wenigen Ausnahmen scheint die Regeneration zu sein: Methoden wie Kompression, Vakuumtherapie und Lymphdrainage versprechen eine schnellere Erholung durch Druck. Doch wie effektiv sind sie wirklich?

Von > | 21. November 2014 | Aus: TRAINING

Kompression | Kompressionsstrümpfe

Kompressionsstrümpfe

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Regeneration durch Druck?

Keine Steigerung ohne Pause. Um Ihren Körper auf ein höheres Leistungs­niveau zu heben, braucht er Regenerationsphasen ebenso dringend wie hartes Training. Intensive Einheiten schädigen ­unter anderem die Muskelstruktur, verschieben den Säure-Basen-Haushalt und auch den Blutzuckerspiegel. Um die Folgen der Belastung auszugleichen, braucht Ihr Körper unterschiedlich lange – bis zu 72 Stunden kann der Erholungsprozess nach intensiven Trainings­belastungen dauern. Doch oft steht die nächste Einheit schon deutlich früher auf dem Plan. Wie also die Regenera­tion so verkürzen, dass man nicht ins Übertraining steuert? Ist Druck der Schlüssel zu schneller Erholung? Die wachsende Anzahl von ­„After sport“-­Kompressionsbekleidung ­könnte einen solchen Rückschluss nahe­legen. Auch die Vakuumtherapie löst sich zunehmend aus dem Klinikumfeld und lockt ­Unterdruck-überzeugte Athleten mit dem Versprechen besserer Regeneration. Und die Massage gilt ohnehin schon lange als effektiver Erholungshelfer. Wir haben diese drei Methoden auf ihren regenerativen Nutzen überprüft.

Dreimal Druck

Während Kompressionsbekleidung permanent auf die darunterliegenden Muskeln und Gewebeteile wirkt und deren Durchblutung verbessern soll, wechseln sich bei der Vakuumtherapie in einem zylindrischen Gerät Unter- und Normaldruck ab, um den venösen Rückfluss zu steuern sowie den Blutdruck und das Herzschlag­volumen zu senken. Bei der manuellen Lymphdrainage soll durch leichten Druck der Hände auf Haut und Bindegewebe die Gewebsflüssigkeit in das Lymphsystem befördert und der Muskeltonus reduziert werden. Lässt sich tatsächlich die Leistungsfähigkeit erhöhen, während man einfach daliegt und wartet? Theoretisch ja, praktisch gibt es bisher aber keinerlei repräsentative Studien, die die Wirksamkeit auch nur eines dieser drei Regenerations-Muskeltiere eindeutig belegen. Laut Dr. Andreas Greiwing vom Zentrum für Sportmedizin in Münster sei angesichts der aktuellen Datenlage die Kompressionsbekleidung die effektivste Möglichkeit der Regenera­tionsbeschleunigung, allerdings nur in begrenztem Rahmen. Auch sein Kollege Dr. Lutz Graumann, ­Spezialist für individuelle Leistungssteigerung am Performance & Health Institute in Valley, hat in Praxistests lediglich feststellen können, dass die Beine der Probanden weniger anschwollen, wenn sie nach der Belastung Kompressionsbekleidung anlegten. „Die Leistungssteigerung durch Kompression ist leicht niedriger ausgefallen als anfangs erwartet“, so Graumann. Was seiner Meinung nach auch darauf zurückzuführen ist, dass Druckbekleidung individuell angepasst werden ­müsste: „Man kann von der Kleidergröße nicht auf den Oberschenkel- und Wadenumfang schließen“, meint er. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine bereits im September 2009 im „Journal of Strength und Conditioning Research“ ­veröffentlichte Studie der britischen Wissenschaftler Vanessa Davies, Kevin G. Thompson und Stephen-Mark Cooper, die sportlich ambitionierte Studenten einem Spring- und Sprinttest unterzogen.

Kompression

Vakuum

Lymphdrainage

  • Hinweise auf weniger Beinschwellung
  • Hinweise auf Behebung struktureller Muskelschäden
  • Hinweise auf schnelleres Absinken der Laktatkonzentration
  • Hinweise auf weniger Kraftverlust, verminderte Laktatkonzentration
  • Hinweise auf geringere Konzentration von Harnstoff- und Harnsäure
  • kleine lokale Behandlungen auch selbst durchführbar
  • subjektiv geringere Muskelschmerzen
  • Hinweise auf Senkung der Kreatinkinase
  • braucht Übung oder einen Experten, um effektiv zu sein
  • oft nicht individuell angepasst
  • allein nicht durchführbar (30-45 Minuten Behandlung: ca. 40 Euro)
  • möglicherweise zu geringer Druck, um einen Effekt zu erzielen
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Auch bei der Vakuumtherapie kommt eine von Sportmediziner Dmitrij ­Olegovitsch Timschenko verfasste Abhandlung lediglich zu dem Schluss, dass Unterdrucktherapie zwar ein ­effizientes Mittel zur Durchblutungssteuerung sei, hinsichtlich der Leistung und Rehabilitation von Sportlern aber vollwertige Untersuchungen fehlten. Immerhin wiesen in einer Testreihe mit 50 Profisportlern verschiedener Diszi­plinen die Unterdruck-behandelten Athleten nie­drigere Laktat- und Harnstoffwerte sowie eine Senkung des an der Regeneration beteiligten Enzyms Kreatinkinase auf.