Superfood – nur superteuer?

Chlorella, Goji, Acerola und Co. – können Triathleten in ihrer alltäglichen Ernährung von den „Superfoods“ profitieren oder ist der Hype eine Marketingmasche?

Von > | 22. Dezember 2015 | Aus: Training

Challenge Denmark 2015 Pre-Race - 11

Danach geht's zur "Pasta-Party, die aber mehr bereithält als nur Nudeln.

Foto > Jesper Gronnemark

Wie angenehm es wäre, wenn man durch den Verzehr einiger weniger Lebensmittel ganz leicht seine Gesundheit und die sportliche Leistungsfähigkeit verbessern könnte. Einen Löffel Pulver in den Smoothie, ein paar Wunderbeeren ins Müsli – und schon ist man gegen die herbstliche Erkältungswelle in Büro und Kita geschützt. Die sogenannten Power- oder Superfoods haben diesen Ruf. Ihnen werden sehr hohe Vitamin- und Nährstoffdichten nachgesagt, sie sollen Krankheiten verhindern und die allgemeine Gesundheit verbessern.

Bei diesen Worten spitzen auch Triathleten die Ohren. Leider ist es in der Realität nicht so einfach. Powerfood und Superfood sind vor allem Marketingbegriffe. In vielen Fällen sind die Wirkungen der exotischen Lebensmittel nicht durch Studien belegt. Ob Pulver und Trockenfrüchte ihren häufig recht hohen Preis rechtfertigen, entscheidet der Sportler natürlich selbst. Bei einem 100-Gramm-Preis von acht Euro werden jedoch Einige schlucken. Die gute Nachricht: Wer sich nährstoffreich ernähren will, findet in heimischen Lebensmitteln preiswertere, oft regionale und saisonale Alternativen. In Sachen Antioxidantiengehalt können es beispielsweise Rotkohl, Blaubeeren und Holunder locker mit der brasilianischen Acai-Beere, die besonders viel von dem Antioxidans Anthocyan enthalten soll, aufnehmen. Die Lebensmittel aus dem eigenen Garten und vom Markt sind im Gegensatz zu ihren weitgereisten Vettern auch nicht getrocknet, gefroren, gemahlen, gedörrt oder in Kapselform gepresst. Da macht der Blick auf den Teller auch viel mehr Spaß.

Wirkung unklar

Die Hersteller versprechen den Konsumenten viele positive Wirkungen: Kokosöl soll beim Abnehmen helfen, Goji-Beeren Alterungsprozesse verlangsamen und das Immunsystem stärken, Chia-Samen mit ihrem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren zur Herzgesundheit beitragen. Studien, die diese Effekte bestätigen, gibt es aber nicht in allen Fällen.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erreichten zum Beispiel die mittelkettigen Fettsäuren in Kokosöl nur eine kurzfristige Erhöhung der Fettverbrennung, die nach zwei Wochen nachließ. Der hohe Anteil gesättigter Fettsäuren kann sich negativ auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. Goji-Beeren haben laut einer Übersicht des Bundesinstituts für Risikobewertung zwar keine nachgewiesene toxische Wirkung, bestimmte Inhaltsstoffe können aber in Wechselwirkungen mit Medikamenten (Blutverdünnern) treten. Moringa, ein „Wunderbaum“ aus dem asiatisch-pazifischen Raum, in Deutschland meist nur in Pulverform erhältlich, soll das Immunsystem stärken und Zellschädigungen reparieren. Bisher wurden die Wirkungen jedoch nur im Labor untersucht. Ob sich die dort festgestellte Wirkung auf den menschlichen Körper übertragen lässt, ist noch nicht geklärt. Kurkuma zeigte in Tierversuchen, dass es Krebszellen bekämpfen kann, wird aber vom Körper nur schwer aufgenommen.

Verunreinigung möglich

Während einige Superfoods nur durch ihre nicht nachgewiesene Wirkung auffallen, gibt es Fälle von verunreinigten Lebensmitteln. Spirulina und Chlorella beispielsweise sind Süßwasseralgen, die entweder in Tablettenform eingenommen werden oder als Pulver in grünen Smoothies populär sind. Schon vor einigen Jahren fand die Stiftung Warentest in drei von zehn getesteten Präparaten Microcystine, die Leber, Niere und Gehirn schädigen können. Für alle getesteten Produkte wurde festgestellt, dass die enthaltenen Nährstoffe, sofern man sich an die Verzehrempfehlung hielt, sehr niedrig waren. Importierte Goji-Beeren, in Deutschland unter dem Namen Gemeiner Bocksdorn bekannt, wiesen Rückstände von Pestiziden und Schwermetallen auf. Und bei im Ausland hergestellten Nahrungsergänzungsmitteln sollten sowieso die Alarmglocken jedes Triathleten leise läuten.

Besser essen 2016: Alles zum Thema Ernährung für Triathleten lesen Sie in der triathlon knowhow Nr.3, erhältlich im spomedis-Shop.