Hamburg - was bisher geschah ... 2002: Premiere mit olympischen Ambitionen
Die Olympischen Spiele 2012 müssen nach Hamburg!
Greg Bennett, 2002
Was die Hamburger Organisatoren der Upsolut Event GmbH um den deutschlandtour- und cyclassicserfahrenen Frank Bertling auf die Beine gestellt hatten, war tatsächlich neu für unsere Sportart. Zwei Kilometer Teppich ließen die Hanseaten allein auf dem Ballindamm ausrollen, um die Wechselzone für die 2.500 Breitensportler zu installieren. Die Elitesportler hatten einen weniger weiten Weg zwischen den einzelnen Disziplinen zurückzulegen - ihr Parc ferme wurde direkt auf dem Rathausmarkt aufgebaut. Zentraler kann man einen Triathlon in einer Metropole nicht organisieren.
Der Schwimmstart erfolgte vom Jungfernstieg vor dem edlen Konsumtempel Alsterhaus. Vergessen waren in diesem Moment alle Diskussionen um Hochwasser und Blaualgen: Die Alster hat Badewasserqualität - zwar etwas braun, aber schwimmbar. Rechts an der großen Fontäne vorbei ging es durch die Kennedybrücke hindurch in die Außenalster, von dort retour in die Binnenalster und in den Kanal zum Schwimmausstieg - die sonst von sonnenhungrigen Hanseaten und Touristen aus aller Welt genutzten Treppen dienten heute als Tribüne.
An dieser Stelle trennten sich die Wege der Eliteathleten in den Weltcuprennen und der Breitensportler im Holsten City Man. Während die Stars auf ihren acht Rad- und vier Laufrunden im Innenstadtbereich blieben, wo sich am Samstag bei den Damen 100.000 und am Sonntag 150.000 Zuschauer versammelt hatten, gingen die vielen Breitensportler auf Sightseeing-Tour: Durch die Speicherstadt, am Hafen entlang, die Elbechaussee hinunter bis in den Nobelvorort Blankenese und zurück über die Sündenmeile Reeperbahn führte die Runde, die auf Sprint- oder Kurzstrecke ein bzw. zweimal zu durchfahren war. Die Laufstrecke führte die Triathlonbegeisterten aus allen Teilen der Republik (von denen ungefähr die Hälfte zum allerersten Mal an einem Triathlon teilgenommen hat) an der Außenalster entlang in den Norden. Das Ziel war dann wieder für alle gleich: Nicht nur, dass Breiten- und Spitzensportler auf dem Rathausmarkt durch den gleichen grünen Torbogen liefen, nein, auch die Stimmung sorgte den ganzen Tag über für die gleiche Gänsehaut.
Auftakt: Das Rennen der Damen
Leanda Cave
Bei der Premiere des Holsten City Man am 7. September 2002 stieg Leanda Cave als Erste aus dem Wasser. Zwei Monate später wurde die Britin in Cancun (Mexiko) Weltmeisterin, im Oktober 2012 holte sie sich in Kailua-Kona (HawaiI) die Ironman-Krone.
Auf dem Rad machten sich zunächst Cave und die US-Amerikanerin Laura Reback auf und davon. Doch die Verfolgerinnen im großen Feld schliefen nicht: Vor allem die Deutschen Ines Estedt (SC Neubrandenburg) und Nina Fischer (USC Kiel) arbeiteten 40 Kilometer lang im Sinne der Mannschaft und sorgten vor dem zweiten Wechsel für gute Ausgangspositionen für die laufstarke Deutsche Meisterin Christiane Pilz (TC FIKO Rostock) und die Europameisterin von 1999 Anja Dittmer (SC Neubrandenburg).
Auf der Laufstrecke konnte sich an der Spitze bald eine Dreiergruppe mit der Weltmeisterin Siri Lindley (USA), der Kanadierin Jill Savege und der Brasilianerin Carla Moreno absetzen. Dahinter entbrannte ein spannender Kampf um die Plätze und Weltcuppunkte, die bereits für die Qualifikation zu den Olympischen Spielen 2004 in Athen zählen.
Die Entscheidung um den Sieg fiel erst sehr spät: Erst auf dem Rathausmarkt 50 Meter vor dem Ziel konnte sich Jill Savege an die Spitze setzen und die Weltmeisterin und Weltcupführende Lindley um 1,6 Sekunden hinter sich lassen. Dritte wurde die Brasilianierin Moreno. Christiane Pilz freute sich mit Platz 6 über eine erneute Weltklasseleistung und auch Anja Dittm er zeigte als Siebte, dass sie ihr Sommerloch gut überstanden hat. Eine Überraschung gelang Ricarda Lisk (VfL Waiblingen), die in ihrer ersten Weltcupsaison den neunten Platz erreichte.
Wir haben heute die Zukunft des Triathlons erlebt
Ralf Ebli, bis 2004 und seit 2013 Bundestrainer
| ITU Triathlon World Cup Hamburg | Frauen | |||
|---|---|---|---|
| 7. September 2002, Hamburg (Deutschland) | |||
| Name | Nation | Zeit | |
| 1 | Jill Savege | CAN | 1:57:54 |
| 2 | Siri Lindley | USA | 1:57:56 |
| 3 | Carla Moreno | MEX | 1:58:05 |
| 4 | Michelle Dillon | GBR | 1:58:39 |
| 5 | Leanda Cave | GBR | 1:58:39 |
| 6 | Christiane Pilz | GER | 1:59:11 |
| 7 | Anja Dittmer | GER | 1:59:56 |
| 9 | Ricarda Lisk | GER | 2:00:47 |
| 11 | Ines Estedt | GER | 2:01:01 |
| 17 | Joelle Franzmann | GER | 2:01:58 |
| 18 | Nina Fischer | GER | 2:02:27 |
| 20 | Janine Härtel | GER | 2:03:08 |
| 30 | Barbara Kösser | GER | 2:09:11 |
Herren vor 150.000 Zuschauern
Nach den Jedermannstarts am Sonntagmorgen und den Prominentenrennen am Mittag fiel der Startschuss zum Höhepunkt des Wochenendes. Großer Jubel nach dem 1,5 km langen Schwimmen: In der Führungsposition ging Daniel Unger vom asics Team Witten aus der ersten Wechselzon e, dicht gefolgt von dem Ukrainer Vladimir Polikarpenko und dem Franzosen Stephane Poulat. Doch die Koalition der drei führenden Ausreißer hielt nicht lange: Zuerst ließ sich Polikarpenko ins Hauptfeld zurückfallen, das nach zwei der acht Runden auch die beiden verbliebenen Athleten verschluckte.
Immer wieder starteten einzelne Athleten und kleine Gruppen ihre Ausreißversuche auf dem eckigen Kurs durch die City der Hansestadt. Doch die große deutsche Mannschaft konnte jeden dieser Angriffe abwehren und hielt sich nur bei Vorstößen der eigenen Athleten zurück. Zwei Runden vor dem Ende der 40 km langen Radstrecke konnte sich eine fünfköpfige Ausreißergruppe absetzen, in der sich auch der spätere Dritte Cedric Deanaz aus Frankreich befand.
Das war das beste, was ich im Sport je erlebt habe
Daniel Unger, 2002. Fünf Jahre später wurde an gleicher Stelle Weltmeister.
Ein glänzendes Comeback feierte der Olympiazweite von Sydney Stephan Vuckovic (Witten), der nach seiner schweren Infektionskrankheit im vergangenen Jahr den neunten Platz erreichte. "Dieses Ergebnis ist mehr als super. Ich hatte mit Platz 15 geliebäugelt. Ich war so lange weg und wusste überhaupt nicht, wo ich stehe und wie mein Körper eine zweistündige Belastung wegstecken würde." Der Juniorenweltmeister des Vorjahres Sebastian Dehmer (TuS Griesheim) komplettierte als Zehnter das hervorragende deutsche Mannschaftsergebnis: "Ein Wahnsinnsergebnis, ich habe nie mit dem 10. Platz gerechnet. Das Schwimmen lief gut, ich hatte einen Superwechsel, war auf dem Rad vorn dabei. Das Laufen war einfach hervorragend."
Auch DTU-Präsident Dr. Klaus Müller-Ott, der die Hamburger Veranstaltung von Anfang an als Chefsache behandelt hatte, freute sich über ein gelungenes TriathlonWochenende: "Ich bin sehr erfreut und erleichtert, wie hervorragend dieses Wochenende verlaufen ist. Wir haben eine perfekte Organisation für diese erste Veranstaltung erlebt. Auch die Bereitschaft der Weltstadt Hamburg, diesen Wettkampf aufzunehmen, war hervorragend. Diese Perspektive hört nicht mit dem heutigen Tag auf, sondern lässt weit in die Zukunft blicken. Es ist ein Glücksfall, dass Hamburg sich für die Olympischen Spiele 2012 bewerben möchte."
Wir haben noch eine Menge vor im Triathlonsport ...
Orga-Chef Frank Bertling
| ITU Triathlon World Cup Hamburg | Männer | |||
|---|---|---|---|
| 8. September 2002, Hamburg (Deutschland) | |||
| Name | Nation | Zeit | |
| 1 | Greg Bennett | AUS | 1:47:04 |
| 2 | Andrew Johns | GBR | 1:47:33 |
| 3 | Cedric Deanaz | FRA | 1:47:35 |
| 4 | Vladimir Polikarpenko | UKR | 1:47:43 |
| 5 | Kris Gemmell | NZL | 1:47:48 |
| 6 | Rasmus Henning | DEN | 1:47:52 |
| 7 | Daniel Unger | GER | 1:48:01 |
| 9 | Stephan Vuckovic | GER | 1:48:16 |
| 10 | Sebastian Dehmer | GER | 1:48:18 |
| 17 | René Göhler | GER | 1:48:59 |
| 22 | Christian Weimer | GER | 1:49:25 |
| 23 | Maik Petzold | GER | 1:49:41 |
| 32 | Ralf Eggert | GER | 1:50:14 |
| 37 | Steffen Justus | GER | 1:51:01 |
| 44 | Andreas Raelert | GER | 1:51:48 |
| 48 | Christian Prochnow | GER | 1:52:29 |














