2002: Premiere mit olympischen Ambitionen

Am 7. und 8. September 2002 startete auf dem Hamburger Rathausmarkt eine Erfolgsgeschichte. Der Hamburger Veranstalter Upsolut bewies vielen Unkenrufen zum Trotz, dass ein Triathlon in einer Großstadt funktioniert. Jill Savege und Greg Bennett gewannen die Premiere, 2.500 Jedermänner waren dabei - beim 1. Holsten City Man.

Von > | 8. September 2002 | Aus: Special

Holsten City Man 2002 | Männer 5 | Holsten City Man 2002 | Männer 5

Holsten City Man 2002

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Die Olympischen Spiele 2012 müssen nach Hamburg!

Greg Bennett, 2002

Down Under, obenauf | Down Under, obenauf

Premierensieger: Greg Bennett gewinnt in Hamburg.

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Seit dem 8. September 2002 hat die Hansestadt Hamburg einen neuen Olympiabotschafter. Greg Bennett, der in seiner Heimatstadt Sydney die Olympischen Spiele schon hautnah erlebt hat und sich an diesem sonnigen Spätsommertag in der Hansestadt den Sieg beim ersten Triathlon-Weltcuprennen auf deutschem Boden schnappte, war voll des Lobes: "Eine solche Kulisse habe ich noch nie erlebt! Danke Deutschland, danke Hamburg!", freute sich der Australier und fügte hinzu: "Ich wohne in Sydney und habe die Olympischen Spiele in meiner Heimatstadt erlebt. Nun bin ich aus diesem Rennen heraus und kann nur sagen: Die Olympischen Spiele 2012 müssen nach Hamburg!"

Was die Hamburger Organisatoren der Upsolut Event GmbH um den deutschland­tour- und cyclassicserfahrenen Frank Bertling auf die Beine gestellt hatten, war tatsächlich neu für unsere Sportart. Zwei Kilometer Teppich ließen die Hanseaten allein auf dem Ballindamm ausrollen, um die Wechselzone für die 2.500 Breitensportler zu installieren. Die Elitesportler hatten einen weniger weiten Weg zwischen den einzelnen Disziplinen zurückzulegen - ihr Parc ferme wurde direkt auf dem Rathausmarkt aufgebaut. Zentraler kann man einen Triathlon in einer Metropole nicht organisieren.

Erstes Rennen, zweiter Tag | Erstes Rennen, zweiter Tag

Der Start der Männer zum Holsten City Man 2002.

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Der Schwimmstart erfolgte vom Jungfernstieg vor dem edlen Konsumtempel Alsterhaus. Vergessen waren in diesem Moment alle Diskussionen um Hochwasser und Blaualgen: Die Alster hat Badewasserqualität - zwar etwas braun, aber schwimmbar. Rechts an der großen Fontäne vorbei ging es durch die Kennedybrücke hindurch in die Außenalster, von dort retour in die Binnenalster und in den Kanal zum Schwimmausstieg - die sonst von sonnenhungrigen Hanseaten und Touristen aus aller Welt genutzten Treppen dienten heute als Tribüne.

An dieser Stelle trennten sich die Wege der Eliteathleten in den Weltcuprennen und der Breitensportler im Holsten City Man. Während die Stars auf ihren acht Rad- und vier Laufrunden im Innenstadtbereich blieben, wo sich am Samstag bei den Damen 100.000 und am Sonntag 150.000 Zuschauer versammelt hatten, gingen die vielen Breitensportler auf Sightseeing-Tour: Durch die Speicherstadt, am Hafen entlang, die Elbechaussee hinunter bis in den Nobelvorort Blankenese und zurück über die Sündenmeile Reeperbahn führte die Runde, die auf Sprint- oder Kurzstrecke ein­ bzw. zweimal zu durchfahren war. Die Laufstrecke führte die Triathlonbegeisterten aus allen Teilen der Republik (von denen ungefähr die Hälfte zum allerersten Mal an einem Triathlon teilgenommen hat) an der Außenalster entlang in den Norden. Das Ziel war dann wieder für alle gleich: Nicht nur, dass Breiten- und Spitzensportler auf dem Rathausmarkt durch den gleichen grünen Torbogen liefen, nein, auch die Stimmung sorgte den ganzen Tag über für die gleiche Gänsehaut.

Auftakt: Das Rennen der Damen

Den Auftakt machten am Samstagabend die Damen. Nach dem Schwimmstart vom Jungfernstieg aus ging es gleich hart zur Sache. "Das Schwimmen war eine richtige Prügelei", sagte die Deutsche Meisterin Christiane Pilz nach dem Rennen. Am besten konnte sich die Britin Leanda Cave durchsetzen, die nach 1,5 Kilometern als Erste vor der lange verletzten Joelle Franzmann (Tri Post Telekom Trier) die Wechselzone auf dem Rathausmarkt erreichte.

Auf dem Rad machten sich zunächst Cave und die US-Amerikanerin Laura Reback auf und davon. Doch die Verfolgerinnen im großen Feld schliefen nicht: Vor allem die Deutschen Ines Estedt (SC Neubrandenburg) und Nina Fischer (USC Kiel) arbeiteten 40 Kilometer lang im Sinne der Mannschaft und sorgten vor dem zweiten Wechsel für gute Ausgangspositionen für die laufstarke Deutsche Meisterin Christiane Pilz (TC FIKO Rostock) und die Europameisterin von 1999 Anja Dittmer (SC Neubrandenburg).

Auf der Laufstrecke konnte sich an der Spitze bald eine Dreiergruppe mit der Weltmeisterin Siri Lindley (USA), der Kanadierin Jill Savege und der Brasilianerin Carla Moreno absetzen. Dahinter entbrannte ein spannender Kampf um die Plätze und Weltcuppunkte, die bereits für die Qualifikation zu den Olympischen Spielen 2004 in Athen zählen.

Die Entscheidung um den Sieg fiel erst sehr spät: Erst auf dem Rathausmarkt 50 Meter vor dem Ziel konnte sich Jill Savege an die Spitze setzen und die Weltmeisterin und Weltcupführende Lindley um 1,6 Sekunden hinter sich lassen. Dritte wurde die Brasilianierin Moreno. Christiane Pilz freute sich mit Platz 6 über eine erneute Weltklasseleistung und auch Anja Dittm er zeigte als Siebte, dass sie ihr Sommerloch gut überstanden hat. Eine Überraschung gelang Ricarda Lisk (VfL Waiblingen), die in ihrer ersten Weltcupsaison den neunten Platz erreichte.

Finale | Finale

Jill Savage spurtet Siri Lindley aus.

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Wir haben heute die Zukunft des Triathlons erlebt

Ralf Ebli, bis 2004 und seit 2013 Bundestrainer

"Dieses Rennen war ein Traumwettkampf", freute sich Bundestrainer Ralf Ebli im Ziel mit seinen erfolgreichen Athletinnen. "So ein Ambiente und eine solche Stimmung habe ich beim Triathlon noch nie erlebt. Das sagen auch alle anderen Cheftrainer. Wir haben heute die Zukunft des Triathlons erlebt." Und zum sportlichen Geschehen fügte er hinzu: "Drei Top-Ten-Platzierungen sind natürlich mannschaftlich ein Spitzenergebnis. Aber auch die einzelnen Athletinnen haben  positive Aspekte gezeigt: Christiane Pilz hat ihre Zugehörigkeit zur Weltspitze bewiesen. Anja Dittmer hat gezeigt, dass sie es noch kann. Und Ricarda Lisks neunter Platz ist natürlich eine Superleistung. Jetzt sind unsere Jungs für morgen natürlich total motiviert."
Geschafft | Geschafft

Anja Dittmer und Christiane Pilz im Ziel der Hamburg-Premiere.

Foto > Frank Wechsel / spomedis

ITU Triathlon World Cup Hamburg | Frauen

  1. September 2002, Hamburg (Deutschland)

Name Nation Zeit

1

Jill Savege

CAN

1:57:54

2

Siri Lindley

USA

1:57:56

3

Carla Moreno

MEX

1:58:05

4

Michelle Dillon

GBR

1:58:39

5

Leanda Cave

GBR

1:58:39

6

Christiane Pilz

GER

1:59:11

7

Anja Dittmer

GER

1:59:56

9

Ricarda Lisk

GER

2:00:47

11

Ines Estedt

GER

2:01:01

17

Joelle Franzmann

GER

2:01:58

18

Nina Fischer

GER

2:02:27

20

Janine Härtel

GER

2:03:08

30

Barbara Kösser

GER

2:09:11

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Herren vor 150.000 Zuschauern

Nach den Jedermannstarts am Sonntagmorgen und den Prominentenrennen am Mittag fiel der Startschuss zum Höhepunkt des Wochenendes. Großer Jubel nach dem 1,5 km langen Schwimmen: In  der Führungsposition ging Daniel Unger vom asics Team Witten aus der ersten Wechselzon e, dicht gefolgt von dem Ukrainer Vladimir Polikarpenko und dem Franzosen Stephane Poulat. Doch die Koalition der drei führenden Ausreißer hielt nicht lange: Zuerst ließ sich Polikarpenko ins Hauptfeld zurückfallen, das nach zwei der acht Runden auch die beiden verbliebenen Athleten verschluckte.

Immer wieder starteten einzelne Athleten und kleine Gruppen ihre Ausreißversuche auf dem eckigen Kurs durch die City der Hansestadt. Doch die große deutsche Mannschaft konnte jeden dieser Angriffe abwehren und hielt sich nur bei Vorstößen der eigenen Athleten zurück. Zwei Runden vor dem Ende der 40 km langen Radstrecke konnte sich eine fünfköpfige Ausreißergruppe absetzen, in der sich auch der spätere Dritte Cedric Deanaz aus Frankreich befand.

Fußgängerzone | Fußgängerzone

Maik Petzold in Hamburgs Mönckebergstraße.

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Das war das beste, was ich im Sport je erlebt habe

Daniel Unger, 2002. Fünf Jahre später wurde an gleicher Stelle Weltmeister.

Die Entscheidung fiel aber zwischen den stärksten Läufern, die im großen Feld die zweite Wechselzone erreichten: Der Australier Greg Bennett, seit dem Weltcuprennen von Lausanne eine Woche zuvor Führender im ITU World Ranking, blieb als einziger Läufer auf dem 10-Kilometer-Kurs unter 30 Minuten und gewann das erste Weltcuprennen auf deutschem Boden mit einem Vorsprung von 29 Sekunden auf den Briten Andrew Johns und den Franzosen Deanaz. Daniel Unger (asics Team Witten) erreichte eine Woche nach seinem vierten Platz in Lausanne mit dem siebten Rang erneut eine Weltklasseleistung und freute sich über die gelungene Deutschland-Premiere: "Das war das beste, was ich im Sport je erlebt habe. Diese Lautstärke, diese Kulisse, diese Strecke - mit einem Wort: Perfekt!"

Ein glänzendes Comeback feierte der Olympiazweite von Sydney Stephan Vuckovic (Witten), der nach seiner schweren Infektionskrankheit im vergangenen Jahr den neunten Platz erreichte. "Dieses Ergebnis ist mehr als super. Ich hatte mit Platz 15 geliebäugelt. Ich war so lange weg und wusste überhaupt nicht, wo ich stehe und wie mein Körper eine zweistündige Belastung wegstecken würde." Der Juniorenweltmeister des Vorjahres Sebastian Dehmer (TuS Griesheim) komplettierte als Zehnter das hervorragende deutsche Mannschaftsergebnis: "Ein Wahnsinnsergebnis, ich habe nie mit dem 10. Platz gerechnet. Das Schwimmen lief gut, ich hatte einen Superwechsel, war auf dem Rad vorn dabei. Das Laufen war einfach hervorragend."

Auch DTU-Präsident Dr. Klaus Müller-Ott, der die Hamburger Veranstaltung von Anfang an als Chefsache behandelt hatte, freute sich über ein gelungenes Triathlon­Wochenende: "Ich bin sehr erfreut und erleichtert, wie hervorragend dieses Wochenende verlaufen ist. Wir haben eine perfekte Organisation für diese erste Veranstaltung erlebt. Auch die Bereitschaft der Weltstadt Hamburg, diesen Wettkampf aufzunehmen, war hervorragend. Diese Perspektive hört nicht mit dem heutigen Tag auf, sondern lässt weit in die Zukunft blicken. Es ist ein Glücksfall, dass Hamburg sich für die Olympischen Spiele 2012 bewerben möchte."

Wir haben noch eine Menge vor im Triathlonsport ...

Orga-Chef Frank Bertling

Olympia 2012 - das liegt noch zehn Jahre in der Zukunft. Aber das Olympische Feuer ist an diesem Wochenende im September 2002 schon einmal aufgeflammt ­ auch bei den 2.500 Athleten, die getreu dem Motto "Dabeisein ist alles" die Herausforderung des Triathlonsports angenommen haben. "Im kommenden Jahr machen wir weiter", war sich Organisator Frank Bertling am Abend eines erfolgreichen Wochenendes sicher, "das war erst der Anfang. Wir haben noch eine Menge vor im Triathlonsport ..."

ITU Triathlon World Cup Hamburg | Männer

  1. September 2002, Hamburg (Deutschland)

Name Nation Zeit

1

Greg Bennett

AUS

1:47:04

2

Andrew Johns

GBR

1:47:33

3

Cedric Deanaz

FRA

1:47:35

4

Vladimir Polikarpenko

UKR

1:47:43

5

Kris Gemmell

NZL

1:47:48

6

Rasmus Henning

DEN

1:47:52

7

Daniel Unger

GER

1:48:01

9

Stephan Vuckovic

GER

1:48:16

10

Sebastian Dehmer

GER

1:48:18

17

René Göhler

GER

1:48:59

22

Christian Weimer

GER

1:49:25

23

Maik Petzold

GER

1:49:41

32

Ralf Eggert

GER

1:50:14

37

Steffen Justus

GER

1:51:01

44

Andreas Raelert

GER

1:51:48

48

Christian Prochnow

GER

1:52:29

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