Hamburg - was bisher geschah ...  2003: Der 2. Holsten City Man und Anja Dittmer begeistern

Hamburg | 7. September 2003
Sind die Norddeutschen wirklich kühler? Nein, cooler. Denn das Triathlonfest, das sie am ersten Septemberwochenende 2003 in der Hansestadt Hamburg zelebrierten, sucht weltweit seinesgleichen. Zwar haben Chicago und London ein paar Starter mehr - aber so viele Zuschauer wie der Holsten City Man 2003 hat selten ein Triathlon auf dieser Welt gesehen. 270.000 feierten die größte Triathlonparty des Jahres - und sie feierten Anja Dittmer.
Hamburg City Man 2003
Ralf Ebli, Anja Dittmer und Stephan Vuckovic vor dem Start des Frauenrennens.
©Frank Wechsel / spomedis
Der Holsten City Man 2003 stand ganz unter dem Stern von Anja Dittmer, die mit dem zweiten Weltcupsieg ihrer Karriere wohl für das Highlight der beiden Wettkampftage in Hamburg sorgte. Sicher waren schon im Vorfeld einige Athleten nur deswegen nach Hamburg gekommen, weil sie Sportler wie Anja Dittmer zum Vorbild haben: Sportliche Größe und bodenständiger Charakter sind die beiden Merkmale, die die Neubrandenburgerin so wichtig für diese Sportart machen.
Wir wollen der größte Triathlon der Welt werden.
Frank Bertling, Geschäftsführer Upsolut
Und die Sogwirkung durch Anja Dittmer und die anderen 108 Weltcup-Starter war groß: Neben den Topstars gingen 4.597 Sportlerinnen und Sportler auf der Sprintdistanz (500 m Schwimmen, 20 km Radfahren und 5 km Laufen) und der Olympische Distanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren und 10 km Laufen) an den Start. Damit ist der Holsten City Man schon jetzt einer der größten Triathlons der Welt – und hat dennoch ehrgeizige Ziele. "Wir wollen der größte Triathlon der Welt werden", sagte Frank Bertling, Geschäftsführer der ausrichtenden Upsolut Event GmbH, ohne dabei neben der Qualität die Quantität des Starterfeldes aus den Augen zu verlieren: "Im nächsten Jahr möchten wir unseren Termin halten und lägen eine Woche nach den Olympischen Spielen. Dann möchten wir natürlich die Medaillengewinner von Athen am Start haben."

Eurphorische Zuschauermassen

Begeistert waren alle Jedermänner und -frauen, die zu großen Teilen ihr Triathlon-Debüt in Hamburg feierten, vom Publikum: "Es war toll, an jeder Ecke hörte man jemanden schreien", berichtete Bärbel Wirdemann kurz nach dem Zieleinlauf. Sie zählte mit 65 Jahren zu den ältesten Starterinnen. Viele private "Fanclubs" hatten sich mit Rasseln an der Strecke postiert, um ihre Familienmitglieder anzufeuern. So wie Lucy (9) und Tom Dreger (10), die ihre Eltern lautstark anspornten. "Mit meinem Freund habe ich schon beschlossen, dass wir demnächst mal bei einem Kinder-Triathlon mitmachen", sagte der Zehnjährige.
Hamburg City Man 2003
Ein Fan - mit Fanpost.
©Silke Insel / spomedis
Viel zu sehen gab es auch in der rund 450 Meter langen Wechselzone am Ballindamm. Während die ambitionierten Teilnehmer bereits nach rund drei Minuten Wechselzeit auf dem Rad saßen, ließen sich andere reichlich Zeit: Ausgiebige Abtrockne-Szenarien waren ebenso zu beobachten wie hektische Versuche, Socken und Radhose über die nasse Haut zu streifen. Besonders gemütlich ließ es ein Mann auf der Sprintdistanz angehen. Er brauchte mehr als 19 Minuten für den ersten Wechsel – in dieser Zeit liefen einige seiner Konkurrenten die komplette 5-Kilometer-Runde...

Dabeisein ist alles

Doch für die meisten zählte sowieso der olympische Gedanke: Dabeisein ist alles. Egal ob die zu bewältigende Distanz in 1:03 Stunden (schnellste Zeit Sprintdistanz) oder in 4:17 Stunden (langsamste Zeit Olympische Distanz) hinter sich gebracht wurde, für jeden gab es an den Versorgungsstellen ausreichend Verpflegung. 8.000 Liter Mineralwasser, 7.000 Liter isotonische Getränke, 6.400 Bananen, 2.400 Orangen und 7.000 Fruchtschnitten halfen den Sportlern dabei, verbrauchte Energie und ausgeschwitzte Flüssigkeit wieder aufzutanken.
Dass Triathlon von Menschen aller Altersklassen betrieben werden kann, beweist auch hier das Alter der Teilnehmer: Während beim Sprint die jüngsten Teilnehmer 16 Lenze zählte, war der älteste 71 Jahre alt. Über die Olympische Distanz waren die 19-Jährigen die "Nesthäkchen", während ein 69 Jahre alter Mann der älteste Teilnehmer war.

Fernsehen live dabei

Halb Oberschwaben hat vor dem Fernseher gesessen.
Daniel Unger, 4. Platz
Hamburg City Man 2003
Daniel Unger stürzt ins Ziel - und halb Oberschwaben schaut zu.
©Frank Wechsel / spomedis
Doch auch wer nicht an der Strecke in der Hamburger Innenstadt stand, konnte am Sonntagnachmittag dank einer Übertragung des NDR-Fernsehens live dabei sein. Zweieinhalb Stunden sendete der Fernsehsender vom Rathausmarkt und lieferte beeindruckende Bilder aus Helikoptern, Booten auf der Alster und Motorrädern, die während des Radfahrens und Laufens die Athleten begleiteten. Die Fernsehzuschauer honorierten die logistische Meisterleistung, an der rund 80 Mitarbeiter des NDR beteiligt waren, mit Einschaltquoten von bundesweit rund 270.000 Zuschauern. Beim NDR zeigte man sich zufrieden über diese "ordentliche Quote". Wenn es nach Daniel Unger geht, hat eine bestimmte Region in Deutschland den größten Anteil an dieser Quote: "Ich glaube, halb Oberschwaben hat vor dem Fernseher gesessen", sagte der 25-Jährige verschmitzt. Doch die wahren Fans sind lieber mittendrin als nur dabei: So machten sich zwei 12- und 13-jährige Mädchen aus Mengen extra für Daniel auf den langen Weg in den hohen Norden und reisten die 800 Kilometer per Bahn an, um ihren Hero am Start zu sehen. Ein Daniel muss nicht Küblböck heißen, um ein Superstar zu sein – Groupies gibt es auch im Triathlon. Der Holsten City Man lockte mehr Zuschauer an als die meisten Rockkonzerte – und unsere Verlagsleitung träumt schon von den Auflagen der BRAVO...
Verlagsstaffel auf Platz 2
Nicht nur organisatorisch stellte der Veranstalter des Holsten City Man, die Upsolut Event GmbH, sein Können unter Beweis, sondern auch sportlich lief das Team zu Höchstform auf. Bei der Prominenten-Staffel siegten Miriam Müller, Tom Hagemann und Gregor Weinhold in 1:02:22 Stunden über die Sprintdistanz. Nur 15 Sekunden später folgte das triathlon-Team mit Geschäftsführerin Silke Insel, Anzeigenberater Marcus Baranski und Autor Matthias Marquardt auf Platz 2. Die Staffel der Deutschen Triathlon Union mit Dr. Michael Kraus (Vizepräsident Leistungssport), dem Präsidenten Dr. Klaus Müller-Ott auf dem Rad und Geschäftsführer Jörg Barion als Läufer erkämpfte sich Platz vier. Als letztes der 13 Teams schaffte es die Mannschaft vom lokalen Radiosender Energy 97.1 mit einer Zeit von 1:48:46 Stunden ins Ziel.

Kritik an Streckenführung

Kritik mussten die Veranstalter von upsolut jedoch aufgrund der Streckenführung in den Jedermannrennen einstecken: Der Kurs auf der Sprint- und olympischen Distanz führte durch den Freihafen an den Elbdeich östlich von Hamburg und über den Großmarkt wieder zurück ins Herz der Hansestadt. Die Strecke war teilweise eng und vor allem im Nieselregen des frühen Sonntagmorgens nicht ganz ungefährlich. Hauptkritikpunkt waren aber zwei längere Kopfsteinpflasterpassagen, die Muskeln und Material zu schaffen machten. "Wir werden daran arbeiten", gelobte Upsolut-Geschäftsführer Frank Bertling aber schon für das kommende Jahr Besserung. "Die Stadt hat heute gesehen, was der Triathlon für Hamburg bringt. Jetzt hoffen wir, dass wir die Radstrecke im kommenden Jahr wieder näher ans Geschehen heranholen können."
17. Deutsche Hochschulmeisterschaften im Triathlon
Trotz der Vorbereitung für den Ironman auf Hawaii feierten Nina Fischer und Ralf Eggert einen Kieler Doppelsieg bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften. Zwangsläufig hat der Veranstalter des Holsten City Man am Sonntag die sonst eher als Langschläfer verschrienen Studenten zu Frühaufstehern gemacht. In den ersten beiden Startgruppen um 8 Uhr und um 8.10 Uhr wurden die Studenten auf die olympische Distanz geschickt, um zum 17. Mal die Deutschen Hochschulmeister im Triathlon zu ermitteln. "8 Uhr morgens ist echt blöd, weil kaum Zuschauer an der Strecke standen", kommentierten viele Teilnehmer die Uhrzeit. Gelockt von der Großveranstaltung gingen beim "Allgemeinen Deutschen Hochschulsport" 255 Anmeldungen (198 Männer und 57 Frauen) ein, was die Teilnehmerzahlen gegenüber vorherigen Studentenmeisterschaften im Triathlon verdoppeln sollte. Von den 186 Studierenden, die letztendlich ins Ziel kamen, konnte keine der 39 Frauen mit Nina Fischer, Studentin der Sportwissenschaft (Nebenfächer Volkswirtschaftslehre und Skandinavistik) an der Uni Kiel, mithalten. Obwohl sie mitten in der Vorbereitung für ihre erste Profiteilnahme beim Ironman auf Hawaii steckt, siegte sie souverän vor Julia Nieke und Meike Krebs. Den Titel des Deutschen Hochschulmeisters holte sich ihr Lebensgefährte Ralf Eggert (Uni Kiel) vor 146 anderen männlichen Studenten. Er versicherte, dass es definitiv sein letzter DHM-Titel gewesen sein wird, da er nach seinem Start beim Ironman auf Hawaii im Oktober endlich sein Studium der Betriebswirtschaftslehre abschließen wird. In der Mannschaftswertung war bei den Frauen das Team der Uni Kiel mit der neuen Meisterin nicht zu schlagen. Zweiter wurden die Frauen der Uni Leipzig, gefolgt von der Mannschaft der WG Hannover. Die männliche Teamwertung führte die Uni Rostock vor Würzburg und Leipzig an.
Hamburg City Man 2003
Deutsche Hochschulmeister 2003: Nina Fischer und Ralf Eggert. Heute sind beide miteinander verheiratet.
©Frank Wechsel / spomedis