Aloha

Knapp zwei Wochen nach dem Ironman Hawaii ist "Ida" von Racing Aloha wieder aus Hawaii zurück und in der Realität angekommen. Dort begibt sie sich auf die Suche nach dem "Aloha", in das sie sich auf Hawaii verliebt hat - und wird fündig.

Von > | 21. Oktober 2016 | Aus: SZENE

Foto >Kilian Kreb

“Welcome back to reality” tönt es durch den Lautsprecher des Piloten kurz nach der Landung in San Francisco auf der Rückreise von Big Island, Hawaii. Und genauso fühl es sich auch an. Zurück im wahren, im richtigen Leben. Aus der Traum. Schon hier in San Francisco merkt man, dass irgendetwas verloren gegangen ist, was auf der Insel noch da war; ganz zu schweigen von der Landung im kalten Deutschland und der anschließenden Weiterreise im deutschen Nahverkehr nach Tübingen. Wo sind die Farben? Das Licht? Die Blumen? Und die lachenden Gesichter? So sehr ich mich auch bemühe, hier ist wenig “Aloha” zu spüren …

Dabei wusste ich auf dem Hinflug vor genau einem Monat gar nicht wirklich, was eigentlich “Aloha” bedeutet und schon gar nicht, was es mit diesem “Aloha Spirit” auf sich hat. Ich hatte aber das unbestimmte Gefühl, dass es etwas Gutes ist und habe mir damals fest vorgenommen, das “Aloha” auf meiner Reise zu erforschen - natürlich auch im Interesse von Racing Aloha. Mein Vorwissen bestand daraus, dass “Aloha” wohl eine hawaiianische Grußformel ist, die so ähnlich wie bei uns “Hallo” oder “Griaß di” benutzt wird. Außerdem kann man über simpelste Internetrecherche herausfinden, dass “Aloha” mit “Mitgefühl”, Nächstenliebe” oder auch “Zuneigung” übersetzt werden kann. Da wird das ganze schon komplexer … Aber was ist nun dieser sagenumwobene Spirit?

Natur, Menschen und Momente

Wenn man auf Big Island, Kona, am Flughafen ankommt, bekommt man traditionell eine Blumenkette, Lei, um den Hals gehängt. Schon zu diesem Zeitpunkt bekommt man das Gefühl vermittelt, dass man an einem sehr besonderen Ort angekommen ist. Die Schönheit der Natur ist nicht in Worte zu fassen, die Kontraste sind fast schon unwirklich. Gewalten der Natur treffen aufeinander: Flüssige Lava, die aus den Tiefen der Erde austritt und in einem atemberaubenden Spektakel vom Kilauea, einem der aktivsten Vulkane der Welt, ins Meer fließt, und über Jahrthunderte riesige schwarze Lavalandschaften hinterlässt. Schnee und Eis auf dem 4200 Meter hohen Mauna Kea, etwas weiter weiße Sandstrände mit Schildkröten und riesigen Wellen. Ein Paradies für Surfer. Der Westen der Insel lockt mit Regenwäldern und Wasserfällen - und dann ist da der Norden rund um Waimea, der mit seinen grünen Hügeln ein bisschen an das Allgäu erinnert. Für mich am beeindruckensten und verwunschensten waren die Kohala Mountains mit ihren steilen und doch so bewachsenen Schluchten, die ins Meer münden. Diese Orte lassen einen eine gewisse Magie spüren. Das ist für mich Aloha.

Aber nicht nur: Aloha spürt man auch in manchen Momenten. Zum Beispiel, wenn man morgens ganz früh aufsteht, aus dem Fenster auf das Meer schaut, und auf einmal 100 Delphine um einen schwimmen, nachdem man entschieden hat, spontan auf dem Stand up Paddle rauszupaddeln. Oder beim Sonnenaufgang auf dem Mauna Kea. Oder beim Betrachten des Sternenhimmels, wenn man auf der Ladefläche eines Pickups durch die Nacht fährt. Oder in der Dämmerung beim Anfeuern an der Strecke des Ironman, wo die Athleten immer glücklicher, zufriedener und dankbarer werden, je langsamer sie unterwegs sind. Neben diesen Momenten sind es vor allem die Menschen, die “Aloha” geradezu ausstrahlen. Da ist z.B. Kaya, die Busfahrerin, die vor Warmherzigkeit nur so sprudelt und jeden Tag gute Laune hat, obwohl ihr Job alles andere als Zuckerschlecken ist. Und da ist Popolo Joe mit seinem Eis-Mobil, mit dem er, begleitet von Glockenspiel-Musik (“Rudolph the red-nosed reindeer” in Dauerschleife), durch die Straßen fährt. Das Eisverkaufen allein reicht nicht zum Überleben, deshalb repariert er auch noch Autos und arbeitet in einer Bar. Doch als ich ihn beim Eiskaufen gefragt habe, wie denn sein Tag so läuft, eigentlich bezogen darauf, ob das Geschäft heute läuft, hat er mir geantwortet: “Everyday is a good day.”Diese Dankbarkeit für jeden einzelnen Tag Leben, zusammen mit einer gewissen Gelassenheit - auch das ist “Aloha”. Ganz nebenbei wirkt sich diese Gelassenheit auch auf den Straßenverkehr aus: Man fährt einfach entspannt und langsam, dann hat keiner Stress. An Kreuzungen stehen STOP-Schilder. Alle Autos halten an. Und wer als erster da war, darf als erstes weiterfahren. Das funktioniert prima. Und auch das ist irgendwie “Aloha”.

Der Eismann hat auf \"Ida\" bleibenden Eindruck hinterlassen.

Der Eismann hat auf "Ida" bleibenden Eindruck hinterlassen.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Augen zu und durchatmen

Man kann “Aloha” auch während des Ironman spüren. Unzählige Locals helfen am Streckenrand und organisieren tolle Parties, für die keine Mühen gespart werden und die vor allem gute Stimmung vermitteln. Und dazu kommen die Blumen, die das Rennen und die Schönheit der Natur in Einklang bringt. Ben, ein Nachfahre des letzten Königs von Hawaii, baut in liebevoller Kleinstarbeit die Blumen zu teilweise riesigen Gestecken zusammen. Ein sehr großes und wunderschönes Gesteck befindet sich immer oben auf dem Zielbogen. Auch die Kränze, die man von den Siegern kennt, stammen von Ben.

Mit den Blumen endet auch die Reise. Während des Aufenthaltes auf der Insel lässt man die Lei, die man zur Begrüßung bekommen hat, trocknen. Um sich von der Insel zu verabschieden, wirft man diese zusammen mit einem Wunsch ins Meer. Wenn die Kette davontreibt, bedeutet es, dass man noch einmal zurückkehren wird … Bis es soweit ist, kann man versuchen, das “Aloha” ein wenig in sich zu behalten, auch wenn es in Deutschland nicht ganz so einfach ist, es zu finden. Ich denke, dass man nicht unbedingt auf Hawaii sein muss, um “Aloha” zu spüren und zu leben. Man kann versuchen, es in den Alltag mitzunehmen, als Motivation an guten und an schlechten Tagen. Einfach mal Augen zumachen, tief durchatmen, dankbar sein, das Leben genießen - und bloß nicht vergessen, so oft zu lachen, wie es geht. Am besten zusammen mit Freunden. Da hat das “back to reality” schon gar nicht mehr so einen schlechten Beigeschmack. Everyday is a good day! Aloha!

Ida